Olten
Auch an Gemeinschaftsgräbern sollen Namen der Verstorbenen stehen

Die Anonymität der Gemeinschaftsgräber im Oltner Friedhof Meisenhard soll verschwinden. Das fordert Arnold Uebelhart (SP) mit seinem Vorstoss. Dieser trifft auf offene Ohren.

Urs Huber
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Das anonyme Gemeinschaftsgrab im Friedhof Meisenhard.

Das anonyme Gemeinschaftsgrab im Friedhof Meisenhard.

Bruno Kissling

In der Stadt Olten stört man sich an der Regelung, Namen der im Gemeinschaftgrab bestatteten Verstorbenen nirgends anbringen zu können. Der SP-Parlamentarier Arnold Uebelhart will das jetzt ändern. Sein eingereichter Vorstoss im Oltner Gemeindeparlament gehört zu denen, die nicht schwer zu verstehen sind. Seine Motion verlangt vom Stadtrat, das Friedhofreglement abzuändern. Künftig soll es möglich sein, Namenschilder der im Gemeinschaftsgrab beigesetzten Verstorbenen im Bereich der Gemeinschaftsgräber anzubringen.

Artikel 12 des städtischen Reglements nämlich besagt derzeit: «Auf dem Gemeinschaftsgrab dürfen keine Grabmale erstellt, Beschriftungen angebracht oder auf andere Weise die Grabstätte persönlich gestaltet werden.» Uebelhart begründet seine Vorstoss damit, dass sowohl aus eigener Anschauung, als auch von Berichten anderer Personen, die an Abdankung teilgenommen haben, sich die Empfindung ergab: Ganz ohne Namensbezeichnung bleibt ein öffentliches Gedenken aus. Dem Parlamentarier schwebt vor, eine allenfalls errichtete Stele zum Anbringen der Namensschilder zu benutzen.

«Selbstverständlich werde ich dem Stadtrat beantragen, den Vorstoss zu überweisen», sagt die zuständige Direktorin Öffentliche Sicherheit Iris Schelbert. Die Stadträtin geht davon aus, dass mit der seinerzeitigen Schaffung des Gemeinschaftsgrabes explizit ein Namenlosen-Grab gewünscht worden sei.

Die Bestattung im Gemeinschaftsgrab unterscheidet sich im Wesentlichen von andern Bestattungsformen dadurch, dass die Asche der Verstorbenen lediglich im Boden eingestreut wird, eine Bestattung ohne eigentliches Behältnis also. Wie verbreitet der allgemeine Wunsch nach Aufbrechung der Anonymität sei, kann die Stadträtin nicht beantworten. Aber sie weiss: «In den letzten drei Jahren gabs eine Person, die dort gerne ein Namensschild platziert gesehen hätte.» Deren Wunsch wurde seinerzeit beim Bestattungsamt vorgetragen.

In welcher Form dem Vorstoss Uebelhart entsprochen wird, kann die Direktionsleiterin heute aber noch nicht sagen, auch wenn hinter den Kulissen bereits einige Abklärungen laufen, wie sie verrät.

Auf den Spuren Langenthals

Damit könnte sich Olten auf die Spuren der Bestattungspraxis in Langenthal begeben, wo bislang ebenfalls keine Möglichkeit bestand, auf dem Gemeinschaftsgrab eine Beschriftung anzubringen. Das wird sich, die Zusage des örtlichen Parlaments vorausgesetzt, aber ändern. Unter anderem hätten Fragen aus der Bevölkerung zu dieser beabsichtigten Neuausrichtung geführt, heisst es auf Anfrage im Oberaargauer Stadthaus.

Etwas breiter aufgestellt ist man in Zofingen, wo schon seit Jahren beschriftete Urnengräber und namenlose Gräber genutzt werden. «Diese Praxis ist mehr als 20 Jahre alt und hat sich bewährt», lässt die offizielle Thutstadt auf Anfrage verlauten.