1. Das Gasthaus Probstenberg bei Herbetswil

Schlafen unter dem Sternenhimmel

Das Online-Profil des Gasthauses Probstenberg verspricht viel: Natur pur, moderne Räumlichkeiten, unendliche Weite und Sonnenuntergänge in so vielen Farben, dass sie eigentlich nur gemalt sein können. So werben die Betreiber auf der Plattform Airbnb.

Bei der Anfahrt tut man sich aber erst einmal schwer: Wo genau befindet sich der Gasthof? Auf der Airbnb-Plattform steht Herbetswil, das Grundstück befindet sich auf bernischem Grund der Gemeinde Seehof und die Postanschrift lautet Welschenrohr. Über letztere Gemeinde erreicht man das Gasthaus am besten mit dem Auto. Aber auch zu Fuss oder per Paragliding kommt man ans Ziel.

Bereits die Anfahrt ist abenteuerlich und nichts für schwache Nerven. Während sich die Wiesen auf der einen Seite der Strasse in die Höhe winden, geht es auf der anderen Seite steil das Gefälle hinunter. Nach einer letzten Kurve kommt das Grundstück in Sicht und damit auch die herrliche Aussicht. Dieses Versprechen hält der Probstenberg also erst einmal.

Erfahrene Gastgeber

Schnell stehen die Gastgeber Oli und Nadja zum Empfang bereit. Sie sind sogenannte «Superhosts». Diese sind «erfahrene Gastgeber, die ein strahlendes Vorbild für andere Gastgeber sind und die ihren Gästen ein aussergewöhnliches Reiseerlebnis bieten», erklärt Airbnb selbst. Der Status wird dem Anbieter durch die Plattform verliehen. Die vielen positiven Bewertungen, die dazu führen, stammen aber von zufriedenen Gästen.

Um solch einen Status zu erlangen, müssen aber nicht nur die Gastfreundschaft stimmen, sondern auch die Räumlichkeiten. Diese sind sehr modern, schlicht. Stein und Holz herrschen vor. Trotzdem wirkt das Gasthaus weder kalt noch karg, sondern einladend und grossräumig. Überall im Aufenthaltsraum befinden sich riesige Fenster, aus denen Besucher die Sicht auch von einem der gemütlichen Sofas aus bestaunen können. Trotzdem wäre es schade, nur drinnen zu bleiben.

Denn der Probstenberg ist die ideale Ausgangslage, um ins Grüne zu gehen. Wo das Auge hinblickt, sieht es Wiesen, Wälder, Berge. Gar vereinzelte Hirsche zeigen sich. Es sind Rothirsche und sie gehören zum Hof, der auch eine Handvoll Kühe und Schweine hat. Wo man denn am besten durchgeht, frage ich. «Das ist eigentlich egal», meint Oli. «Du hast sowieso überall eine schöne Aussicht.» Und tatsächlich können sich Gäste einfach irgendwo ins Gras setzen, abschalten und die Seele baumeln lassen. Denn dazu lädt der Probstenberg ein.

Im Innern des Bauernhauses

Das Gästehaus verfügt über eine fantastische Umgebung, über 30 Schlafplätze, einen grossen Gemeinschaftsraum und eine gut ausgerüstete Küche, je ein Männer- und Frauenbadraum mit WC sowie Duschen. Es gibt zwei Massenlager, eines mit 8 und eines mit 16 Betten. «Wir haben hauptsächlich grössere Gruppen, die bei uns übernachten», erzählt Oli. Auf dem Probstenberg werden oft Feste gefeiert, Geburtstage, Firmenausflüge, gar Hochzeiten. «Hier stört es ja niemanden, wenn es etwas laut wird», meint Nadja und lacht.

Die zwei kleineren Zimmer mit jeweils 2 Betten befinden sich im oberen Stockwerk. Diese seien für «kleine Familien, grosse Denker und gequälte Lehrkräfte», wirbt die Webseite des Gasthauses. Direkt über dem Bett befindet sich ein Dachfenster. In einer klaren Nacht lassen sich dadurch die Sterne beobachten. Ich habe sogar Mühe einzuschlafen. Denn wann bietet sich schon die Gelegenheit, das Himmelszelt in solch einer Pracht zu bestaunen? Zwar fallen durch ebendieses Fenster am nächsten Morgen die Sonnenstrahlen und wecken mich in aller Herrgottsfrühe, doch das sei der Unterkunft verziehen.

52 Franken kostet eine Übernachtung auf dem Probstenberg. Das Morgenessen, das ebenfalls angeboten wird, nimmt unsere Redaktorin zusammen mit der Familie ein, die im unteren Stock wohnt. «Wäre ja Unsinn, alleine im grossen Aufenthaltsraum zu essen», sagt Nadja, während sie frisches Brot bäckt. Die Zutaten stammen fast alle aus Eigenanbau. Den Gastgebern ist es wichtig, nachhaltig zu leben. Deshalb versuchen sie, ihren Alltag stets zu optimieren und der Natur das Beste zurückzugeben. Von der Natur, für die Natur, sozusagen.

Trockenmauer lockt Besucher

Seit 2012 bietet das Paar Übernachtungen an. Die Nachfrage danach entstand in Verbindung mit der Trockenmauer. Diese führt direkt am Gasthaus vorbei und bildete ab 1040 die historische Grenzlinie zwischen der Herrschaft Falkenstein und dem Fürstenbistum Basel. Seit 1815 signalisiert sie die Kantonsgrenze zwischen Solothurn und Bern.

In den Jahren 2008 bis 2013 wurde die Trockenmauer in einem Gemeinschaftsprojekt des Naturparks Thal und der Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz wiederhergestellt. Seit der Restauration dieser Trockenmauer lockt es Wanderer auf den Probstenberg. Zum Zeitpunkt der Restauration war das Gasthaus noch ein baufälliges Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert und gehörte Olis Familie.

Er selbst wuchs in Oftringen auf. Zusammen mit seinem Bruder restaurierte er das baufällige Gebäude, das Minergie-P-Haus mit Solardach entstand. Seither kann jeder, der eine Auszeit vom Alltag sucht, auf 1119 Höhenmetern übernachten und die Schönheit der Jurakette geniessen.

Es ist die Aussicht, die dieses Airbnb einzigartig macht. Gegen Norden öffnet sich der Jura, sogar die Vogesen sind im Hintergrund zu sehen. Gegen Süden fällt der Blick auf die erste Jurakette, dahinter auf das Thal. Bei Tageslicht wirkt das satte Grün der Wiesen und Wälder hypnotisierend, die Stille verzaubert. Hier auf dem Berg ist man für einmal abseits vom Alltags-Stress, Handy-Empfang hat man nicht. Taucht die Sonne hinter den Bergen unter, ergibt sich ein Bild, das aus einem Film stammen könnte.

Die Sonne senkt sich blutrot über die Bergkette und taucht die Wiesen in ein sanftes Orange. Sogar Nadja zückt die Kamera und seufzt. «Egal wie oft man den Sonnenuntergang von hier aus sieht, man gewöhnt sich nie an seine Schönheit.»

2. Hotel Olten

Mitten in der Stadt

Obwohl Airbnb hauptsächlich mit Übernachtungen bei Privatpersonen wirbt, sind seit ein paar Jahren vermehrt Hotelzimmer auf der Plattform zu finden. Denn das alternative Übernachtungsangebot konkurriert mit der Hotellerie. Deshalb sind viele Betreiber nicht gut auf den Trend zu sprechen. Anders sieht es da im Hotel Olten aus: «Wir sehen Airbnb als grosse Chance für uns», sagt Geschäftsführer Darko Bosnjak. Der gelernte Koch hat den Hotelbetrieb vor drei Jahren zusammen mit Dominique Mattenberger übernommen. Die jungen Unternehmer wollen sich «differenzieren», wie Darko es ausdrückt, und sie wollen sich die neuen Möglichkeiten zu ihrem Vorteil machen.

Persönliche Beratung

Seit 2012 bietet das Hotel Olten einige der 31 Zimmer auf Airbnb an. Die Plattform bietet eine weitere Möglichkeit der Vermarktung. Zudem sind die Kommissionen sehr tief, anders als beispielsweise beim Online-Anbieter Booking.com. Etwa 80 bis 120 Buchungen hat Darko pro Jahr über Airbnb.

Sind Studios frei, werden diese jeweils zuerst vergeben. Denn Darko ist selbst fleissiger Airbnb-Reisender und weiss, worauf es ankommt: «Die Leute, die über Airbnb verreisen, wollen selbstständig sein.» Das heisst, sie wünschen sich beispielsweise eine Küche, wo sie selber kochen können, anstatt nur eigene vier Wände und ein Bett.

Die gleichen Zimmer, wie sie auf der Hotel-Webseite zu finden sind, kosten über Airbnb aber weniger. 120 bis 150 Franken kostet eine Übernachtung über Airbnb. 150 bis 220 Franken ein Zimmer, wenn man es über das Hotel bucht. Darko begründet den Unterschied: «Airbnb-Gäste wollen nicht, dass alles täglich gereinigt wird. Sie benutzen auch die Bettwäsche mehrere Nächte hintereinander.» So könne das Hotel wiederum an Personal- und Reinigungskosten sparen. Eingerichtet sind die Studios modern: Es gibt ein grosses, gemütliches Bett, Sofa, Fernseher, Pult, Bad, Küchentisch, Kaffeemaschine und sogar einen eigenen Balkon mit Blick auf die Oltner Altstadt.

Auf dem Pult steht ein Korb frischer Früchte, daneben liegt ein Willkommens-Brief. Auf diesem stehen einige Vorschläge, ob für Restaurants, Ausflüge oder Bars. Zwei dieser Tipps sind die Gelateria, im Winter die Suppenstube, und das Restaurant Stadtbad. Diese gehören zum Hotel Olten und unterstreichen Darkos Mentalität vom «Differenzieren». Die Glace der Gelateria, die «Kalte Lust», ist bereits schweizweit bekannt und gemäss einer Facebook-Umfrage «das beste Eis der Schweiz» (wir berichteten). Auch das Stadtbad hebt sich von der Masse ab: Es ist «flexitarisch». Das heisst, es gibt meist vegetarische oder vegane Speisen. Und gibt es doch einmal Fleischgerichte, dann nur anhand des «Nose-to-tail-Konzepts»: Von der Nase bis zum Schwanz wird vom Tier alles verwertet.

Mehr als nur ein Hotel

Olten ist vielleicht nicht ein typischer Touristen-Ort, kann den Reisenden weniger bieten als Zürich oder Luzern. Dafür ist der Standort optimal. Auf diesen setzt auch Darko. Er erzählt, dass bald ein Mexikaner mit seiner Frau anreist. Dieser habe eine Stelle in Luzern gefunden und bleibt für einige Monate im Studio des Hotel Olten. «Heute Abend gehen wir zusammen essen», so Darko weiter.

Denn Bekanntschaften sind dem jungen Unternehmer wichtig. «Das ist ein weiterer Vorteil von Airbnb.» Man lerne sich kennen, tausche sich aus, erfährt mehr von einer Stadt als nur dessen touristische Seite. «Wir sind zwar ein Hotel, aber für Airbnb läuft alles ein wenig anders.»
Dem Hotel Olten hätte Airbnb viele neue Möglichkeiten aufgetan. Darko ist überzeugt vom neuartigen Trend. «Als Hotel muss man auf diesen Zug aufspringen.» So können auch Hotelbetriebe davon profitieren, anstatt darunter zu leiden.

3. Camping in Niedergösgen

Camping mit Glamour: Glamping

Mitten in der Backstube steht eine Reihe Flugzeugsitze, darüber hängt ein Surfbrett, an der Wand stehen Weinkisten und Cola-Dosen. Hier sind Cupcakes aus Schaumstoff ausgestellt, dort thront ein glitzernder Rehkopf, im Hintergrund ertönen fröhlich die knisternden Klänge eines Grammophons. Das Auge kann sich kaum sattsehen, überall entdeckt es Neues.

Und obwohl der viele Schnickschnack nicht wirklich zusammenzupassen scheint, ergibt sich im Innern des Kochstudios von Gastgeber Dominik Meier, kurz Nik, ein Gesamtbild, das unglaublich viel Charme ausstrahlt. Viele Dinge stammen von ihm, andere bringen Gäste mit. «Früher waren die Wände hier einfach weiss und karg», erzählt Nik. «Jetzt werden sie immer bunter. Das ganze Haus lebt.»

Auch im Garten direkt an der Aare in Niedergösgen finden sich diverse Überraschungen: Eine grosse, gemütliche Lounge, eine selbst gebaute Boots-Bar oder ein Flaschentrockner-Gestell. Überall hängen Lichterketten und bunte Stoff-Wimpel. Wildwachsendes Grün vervollständigt das Bild. Es ist ein liebevolles Chaos, das sich auf seinem Grundstück zeigt. Und inmitten dieses charakterstarken Paradieses stehen sie: die Wohnwägen.

Vorläufer mit Konzept Glamping

Erst seit einem Jahr bietet Nik diese auf Airbnb an und hat damit riesigen Erfolg: Alleine in diesem Monat haben knapp 2000 Interessierte seine Angebote angeklickt. Bereits jetzt hat auch Nik den Status «Superhost». Nebst den fünf Oldtimer Wohnwägen kann man auch im Dachstockzimmer im Gästehaus übernachten. Nik selbst wohnt in einem separaten Gebäude.

Airbnb Glamping Niedergösgen

Zwischen 40 und 80 Franken kostet eine Übernachtung. «Als ich angefangen habe, das Glamping anzubieten, gab es diese Kategorie bei Airbnb noch nicht», erzählt der Gastgeber. Mittlerweile ist der Vorläufer mit dem Konzept nicht mehr alleine, über 50 andere Wohnwagen-Angebote gibt es momentan in der Schweiz. Glamping ist übrigens ein Wortspiel zwischen «Glamour» und «Camping». Denn obwohl der Charme und die Einfachheit des Campierens verlockend sind, verzichten doch die wenigsten gerne auf die modernen Annehmlichkeiten. So gibt es in jedem Wagen einen Fernseher und überall im Garten WLAN.

Die Wohnwägen sowie der gesamte Garten gestaltet Nik selbst. Die Wägen ersteigert er meistens über das Internet-Auktionshaus Ricardo. «Den letzten habe ich für nur 1,40 Franken erworben», sagt Nik stolz. «Aber um so ein Schnäppchen zu erlangen braucht man sehr viel Glück und Geduld.» Ausserdem sei der Tabbert Exzellenz 1968 mit Moos überwachsen gewesen. «Da musste noch viel Arbeit reingesteckt werden.» Doch das ist kein Problem für den Gastgeber, er legt gerne Hand an. Trotzdem versucht er die Oldtimer im Originalzustand zu belassen und so deren Retro-Look beizubehalten.

Bootstouren und Kochkurse

Eine Nacht im Wohnwagen ist aber nicht das Einzige, was man in Niks Zuhause erleben kann. So bietet der gelernte Koch auch Kochkurse an. Diese kosten pro Person 100 Franken; Wein, Getränke und Kursunterlagen sind inklusive. Auch eine Bootstour mit dem Oldtimer Spiboot von 1963 kann für 100 Franken pro Stunde gebucht werden. Ein Aufenthalt bei Nik ist folglich ein Erlebnis und genau die richtige Mischung zwischen Action und Ruhe. Der Gastgeber erzählt auch gerne von seinen eigenen Reisen, von den Hintergründen des Krimskrams im Innern und von Begegnungen mit Gästen. Und wo sich das Auge im Garten nicht sattsehen kann, kann sich das Ohr an all diesen Geschichten genauso wenig satthören.