Als sie im Alter von 59 Jahren ihre Stelle verlor, gründete die Schönenwerderin Susanne Kunz vergangenen November in Olten kurzerhand die Selbsthilfegruppe «Erwerbslos im Alter 50 plus». Wie ist diese angelaufen? «Es läuft gut», sagt Kunz, und präzisiert: «Die Gespräche laufen gut und sie tun gut.»

Die Gruppe habe sich von Anfang an alle vierzehn Tage getroffen. Beim ersten Mal seien etwa zehn Interessierte gekommen. Anschliessend hätten jeweils zwischen vier und zehn Leute die anderthalbstündige Sitzung besucht. «Die Fluktuation ist gross, die Zusammensetzung ist von Mal zu Mal verschieden», sagt Kunz. Es gebe Personen, die kämen regelmässig, andere hingegen nur sporadisch. «Es hat immer wieder Neue dabei – das ist auch der Sinn», erklärt sie. Etwa 25 Personen zwischen 50 und 63 hätten das Angebot bisher genutzt.

In der Gruppe versteht man sich

«Wir haben gemeinsam Themen erarbeitet, zu denen wir uns gezielt austauschen», erzählt Kunz. Am Anfang und am Schluss stellten die Anwesenden fest, wie es ihnen auf einer Skala von eins bis zehn geht. Am Schluss sei der Wert jeweils höher.» Das Ziel: «Wir wollen nicht jammern, sondern uns gegenseitig stärken.» Kunz ist überzeugt, dass sich die Jobsuche einfacher gestalte, wenn man auch ohne Erwerb ein gutes Leben führt.

Da die Teilnehmer oft mit finanziellen Problemen zu kämpfen hätten, ist die Selbsthilfegruppe kostenlos. Der Raum schlage mit 25 Franken pro Mal zu Buche; wer könne, werde deshalb gebeten, einen Fünfliber dranzugeben. Die finanzielle Einschränkung führe generell dazu, dass sich Arbeitslose «jeden Kafi auswärts» überlegen müssten. Viele Leute fühlten sich isoliert, wenn sie keine Aktivitäten ausüben können, die Geld kosten. «Wir haben schon besprochen, was wir gemeinsam unternehmen können. Einmal machten wir eine Wanderung», erzählt Kunz. Sie seien jedoch keine Freizeitgruppe, betont sie. Wo eben möglich, helfe man einander aus.

«Viele, die verdienen, leben in einer anderen Welt. In der Gruppe sind alles Leute, die wissen, was es heisst, arbeitslos zu sein.» Hier fühlten sie sich verstanden. Denn oft hätten auch die Angehörigen genug vom Thema und wollten nicht mehr zuhören. Einzelne Teilnehmer nähmen zusätzlich psychotherapeutische Hilfe in Anspruch, wenn sie aufgrund der Situation in eine Depression verfielen. «Und über kurz oder lang ist die Arbeitslosigkeit für die meisten auch ein finanzielles Problem», weiss Kunz. Denn auch jene Leute, die zuvor eine gut bezahlte Arbeit ausübten, müssten infolge des Stellenverlusts unter ihrem gewohnten Standard leben.
Etwa gleich viele Frauen wie Männer besuchten die Gruppe, vom CEO bis zum Verkäufer sei alles vertreten. Die Erfahrung des sinkenden Selbstwertgefühls und die Sisyphusarbeit, Bewerbungen schreiben, schweisse zusammen. Kunz hat selbst siebenundfünfzig Bewerbungen verschickt in dem Dreivierteljahr, in dem sie arbeitslos war. Sie, welche die Selbsthilfegruppe gegründet und bisher koordiniert hat, hat seit dem 13. Februar nämlich wieder einen festen Job. Derzeit befinde sie sich noch in der Probezeit, aber irgendwann müsse sie aus der Gruppe aussteigen, da sie nicht mehr zum Zielpublikum gehört. «Sie muss selbstverständlich weiterlaufen, auch wenn ich nicht mehr dabei bin», sagt sie. Sie ist überzeugt, dass sich in der Gruppe eine Person finden wird, die deren Koordination übernimmt. Und sollte das nicht der Fall sein, werde sie mit der Kontaktstelle Selbsthilfe Solothurn eine Lösung finden. «Aufgelöst wird sie sicher nicht», sagt Kunz.

Einfach froh, wieder zu arbeiten

Kunz, die zuvor eine Führungsposition bei einer Non-Profit-Organisation innehatte, fand ihren neuen Job im Pflegebereich über ein Inserat im Internet und konnte diesen kurzfristig antreten. Sie ist ausgebildete Pflegefachfrau, wollte aber eigentlich nicht mehr auf ihrem früheren Beruf arbeiten. Bis zu ihrer eigenen Pensionierung dauert es noch fünf Jahre. In ihrem neuen Job könnte sie sich mit der Zeit zwar unterfordert fühlen, glaubt sie. Dennoch ist sie in erster Linie einfach froh, hat sie wieder Arbeit.

Selbsthilfegruppe «Erwerbslos im Alter 50 plus», jeden zweiten Mittwoch von 9 bis 11 Uhr im «Flörli» in Olten (Florastrasse 21); nächster Termin: 29. März. 

Weitere Auskünfte bei der Kontaktstelle Selbsthilfe Solothurn, Telefon 062 296 93 91, Website: www.avenir50plus.ch