Olten
Apfel versus Schoggistängeli an der Kinderuni der Fachhochschule

Gelungener Auftakt an der FHNW: An der Kinderuni von Mittwoch diskutierten lauter neugierige Köpfe zum Thema Wirtschaft und der Klärung der Frage, warum ein Ronaldo-Bildi wertvoller ist als ein anderes.

Trudi Stadelmann
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Dozent Ulrich Siegenthaler mit «seinen» sehr jugendlichen Studentinnen und Studenten.

Dozent Ulrich Siegenthaler mit «seinen» sehr jugendlichen Studentinnen und Studenten.

Bruno Kissling

Zum ersten Mal in der Schweiz fanden am Mittwochabend Vorlesungen für Kinder an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten statt.

Eingeladen waren Dritt- bis Sechstklässler aus der Region Olten. Rund achtzig Jungen und Mädchen haben sich für die Vorlesung angemeldet. Nicht alle haben das ganz freiwillig getan. Ein elfjähriges Mädchen wurde von seiner Mutter angemeldet. Begleitet von seiner Freundin, wusste es denn auch nicht, was es erwarten sollte. Ganz anders der gleichaltrige Elia. «Ich finde das Thema spannend.» Dies sein Grund für die Anmeldung.

Warum kosten Dinge etwas?

Ulrich Siegenthaler, Dozent für Wirtschaft an der Fachhochschule in Brugg, sollte den Jungstudentinnen und Jungstudenten das Thema «Die Wirtschaft – das sind wir. Warum Kosten Dinge etwas?» näherbringen. Wenige Minuten vor dem Vortrag war auch er unsicher, was die kommende Stunde ihm bringen würde. Es erwarteten ihn aufmerksame und interessierte Kinder. Siegenthaler ist ein Dozent, der auf seine jungen Zuhörerinnen und Zuhörer einzugehen wusste. Mit einfachen Worten brachte er seinem jugendlichen Publikum die trockene Materie «Wirtschaft» näher. Und sein Publikum machte von Anfang mit. Er verstand es aufs Beste, mit den Kindern einen Dialog einzugehen. Er stellte vor allem Fragen. Die erste «Wer weiss, was das Schlaraffenland ist?», wurde noch zögerlich beantwortet, die Kinder wurden aber immer aktiver und meldeten sich eifrig zu Wort. Bei der Frage «Wer stellt Güter her», meldeten sich bereits mehr als ein Dutzend Kinder zu Wort.

Znüni, Messi und Co.

Wirtschaft ist Tausch. Dieses Prinzip kennen auch die Kinder. Auf die Frage, was sie denn tauschen würden, kam neben der Antwort Paninibilder auch der Znüni vor. Anhand der Klebbilder zeigte Siegenthaler das Prinzip Tausch auf. Einfach machten es ihm die Kinder nicht. Ein Messi ist ein Ronaldo oder ein Neymar wert. «Das ist ja allen klar, Herr Professor.», zeigte ihm die Zuhörerschaft auf. Der Professor, der sonst gestandenen Erwachsenen die Materie näherbringt, schaffte es mit einfachen Worten, aufzuzeigen, dass ein Messi zwar gleich viel Wert wie ein Ronaldo haben mag. Trotzdem ist der eine wie der andere eben mehr Klebbilder wert als ein unbekannter Spieler. Und dass man versucht ist, für den ungeliebten Apfel ein Schoggischtängeli einzutauschen, machte allen klar, worum es bei Angebot und Nachfrage geht.

«Schüler müssen alles machen»

Je länger die Vorlesung dauerte, desto aktiver wurden die Kinder. Hände wurden in die Höhe gehalten, es wurde eifrig gewinkt und um die Aufmerksamkeit des Professors gebuhlt. Nicht unbekannt ist das Thema Werbung. Welche ist gut, welche schlecht. Auch hier zeigten sich die Kinder bewandert. Und wo findet man sie? Internet aber auch das gute alte Medium Zeitung wurden genannt.

Eine weitere Fragestellung betraf den Export und den Import. Was stellt die Schweiz her und verschickt es in die ganze Welt? Auf diese Frage antwortete der elfjährige Luc stolz «Schoggi!», was ihm ein Lob des Professors einbrachte.

In der anschliessenden Fragestunde wurde Professor Siegenthaler mit Fragen bombardiert. «Warum erhalten die Lehrer Lohn, es sind doch wir Schüler, die die ganze Arbeit leisten.», so die provokative Frage eines Jungen. Auch hier fand der Dozent den richtigen Weg, um den Kindern aufzuzeigen, warum dies so ist.

Mehr als erfüllt

Er, wie auch Andreas Reber, Projektleiter der Kinderhochschule, zeigten sich zufrieden mit der Veranstaltung, ihre Erwartungen wurden mehr als nur erfüllt. Nicht nur sie, auch die Kinder waren begeistert von der Lehrstunde. Luc hatte sich angemeldet, weil er es cool fand, dass solche Themen geboten wurden. Constance und Anja, die von ihren Müttern angemeldet wurden, fanden es zwischendurch zwar «es bitzeli längwilig», wollen aber im Oktober und November trotzdem wieder etwas dazu lernen. Sie sind nicht die einzigen, fast alle Kinderstudentinnen und -studenten hegen diese Absicht.

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