Grossen Widerstand erwarte er nicht, sagte Alain Bernheim vor ein paar Wochen dieser Zeitung zum Ausbauprojekt des 85-jährigen Oltner Modehauses. Der Inhaber will das Herren- und Damengeschäft am Standort Kirchgasse 17 unter einem Dach vereinen und dafür einen einstelligen Millionenbetrag investieren.

Beim ersten Termin zum Mitwirkungsverfahren am Dienstagabend im Stadthaus zeigte sich nun, dass es Gegenwind der Anwohner gibt: Die Betroffenen stören sich vor allem über die Grösse des geplantes Anbaus. Im Hinterhof soll neu ein zweistöckiger Anbau zum Chorherrenhaus aus dem 18. Jahrhundert entstehen (siehe Modell), was besonders den Stockwerkeigentümern der Liegenschaft Mühlegasse 10 in diesem Ausmass ein Dorn im Auge ist. «So, wie das jetzt geplant ist, können wir uns damit nicht einverstanden erklären», sagt Sabrina Pagnetti, die eine Einschränkung ihrer Wohnqualität befürchtet. «Wir hätten dann ein unverhältnismässig grosses Gebäude vor unserem Haus» – letztes hat in ihren Augen ebenfalls einen gewissen historischen Wert, der geschützt werden muss.

Betroffen wäre auch Selina Fischer, die seit Juni ein Fotostudio im 1. Stock der Liegenschaft Mühlegasse 10 betreibt: «Ich befürchte, dass nach dem Ausbau zuwenig Licht in mein Fotostudio gelangt, das sich durch helle Räume auszeichnet.» Würde das Projekt so umgesetzt, müsste sie sich überlegen, die kürzlich erworbenen Räumlichkeiten wieder zu verkaufen. Auf dem gleichen Stock lebt Fischer zusammen mit ihrem Freund Roman Schild, der zum geplanten Ausbau ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt: «Das bisherige Projekt ist massgeschneidert fürs Modegeschäft Bernheim und die Altstadtkommission, aber nicht für die Anwohner.»

Schild stört sich besonders daran, das mit dem Ausbau das Gebäudevolumen von bisher 1500 Kubikmeter auf neu 2600 Kubikmeter erhöht werden soll. Er befürchtet, dass dies zu einem Präzedenzfall führen und bei weiteren Laden an der Kirchgasse ähnliche Ausbauwünsche begünstigen könnte. Trotz der Kritik am Projekt zeigen sich die Anwohner aber zu Kompromissen bereit.

Etwas zurückhaltender äussert sich Walter Rhiner als Vertreter der Freien Evangelischen Gemeinde, die an der Mühlegasse 10 das Parterre besitzt. «Für uns ist so ein Projekt weniger störend, weil wir vor allem abends und am Wochenende Anlässe durchführen und niemand von uns dort wohnt.» Dem Ausbauprojekt weichen müsste das Aussenrestaurant Terminus Garden des gleichnamigen Lokals an der Frohburgstrasse 7. Inhaber Kayhan Sabo war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Wie gehts nun weiter? Bis zum 5. September haben die Betroffenen Zeit, ihre Stellungnahmen abzugeben. Danach wird die Stadt, welche das Planungs- und Mitwirkungsverfahren führt, zusammen mit dem Oltner Architekten Daniel Frey der Frey Architekten AG und dem Bauherrn die Eingaben prüfen und eine Auslegeordnung machen.

«Wir wissen dann, wo den Anwohnern der Schuh drückt und werden gemeinsam versuchen, eine mögliche Lösung zu finden», sagt Architekt Frey. Wie die dann aussehe, sei jetzt noch nicht klar. Vermutlich werde der geplante Anbau dann etwas anders gestaltet sein.

Alain Bernheim ist ebenfalls guten Mutes, dass man sich mit den Anstössern einigen kann. «Dieser Termin war der erste Schritt zur Annäherung mit den Anwohnern, die zwingend stattfinden muss», sagt der Bauherr. Sie konnten sich bisher zum Projekt nicht äussern.