Olten
«Antiquitäten sind ein Kulturgut, sie zeigen, wie Menschen früher lebten»

Vergangenen Freitag hat der 31. Antiquitäten- und Raritätenmarkt im Stadttheater seine Tore geöffnet. Auf die Besucher wartet eine tolle Ambiance und eine schier unglaubliche Vielfalt.

Anja Lanter
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Schauen, staunen und stöbern: Genügend Ware gibt es allemal.Bruno Kissling

Schauen, staunen und stöbern: Genügend Ware gibt es allemal.Bruno Kissling

Bruno Kissling

«Antiquitäten sind für mich ein Kulturgut; sie zeigen auf, wie Menschen früher gelebt haben», versucht Dora Brand ihre Leidenschaft in Worte zu fassen. Sie und ihr Mann Jakob Brand sind es auch, die seit 31 Jahren dafür sorgen, dass dieses Kulturgut der Stadt Olten im Rahmen des Antiquitäten- und Raritätenmarkts nicht vorenthalten wird.

Angefangen hat eigentlich alles aus der Not heraus: Als Dora Brand vor etwa 40 Jahren ihre Grafik-Stiche an einem Markt ausstellen wollte, durfte sie nicht. «Ganz nach dem Motto ‹Angriff ist die beste Verteidigung› wollten wir selber einen Markt auf die Beine stellen», erinnert sich der Ehemann.

Markt schlug ein wie eine Bombe

Was in Brugg 1978 begann, fand seinen Weg schliesslich nach Olten – und schlug ein wie eine Bombe, so Jakob Brand. Der Hype von damals habe sich allerdings normalisiert, die Besucherzahlen seien markant zurückgegangen. Woran liegts? «Viele wohnen heute halt lieber modern», mutmasst er. Junge Leute zeigten zwar Interesse an einem Stück, nicht aber an einer ganzen Sammlung, meint seine Frau und ergänzt: «Hinzu kommt das Internet als Konkurrent zum klassischen Markt.»

Letzterer bietet jedoch einiges mehr als anonyme Online-Plattformen: Die tolle Ambiance und der Kontakt zu Kunden und Ausstellern machen den Markt für das Ehepaar speziell. Zudem erwartet einen hier ein Erlebnis für die Sinne: «Man kann die Gegenstände anfassen und sich die Farben genau anschauen», so Dora Brand.

«Stücke erzählen eine Geschichte»

Zu sehen gibt es jedenfalls einiges. Das Ehepaar etwa bietet neben Postkarten auch Grafik-Stiche feil, die mit ihrer Detailtreue vor allem bei Dora Brand für Faszination sorgen. Nicht so viele Jahre auf dem Buckel haben im Vergleich zu den Stichen die Teddys einer weiteren Ausstellerin. Die Tatsache aber, dass mindestens drei Generationen mit ihnen gespielt haben, verleiht ihnen einen besonderen Reiz.

Die Blicke der Besucher werden auf jeden Fall pausenlos von einem Stand zum nächsten schweifen – und dann vielleicht doch bei Jane Schmid hängen bleiben: Mit ihren 23 Jahren sticht die Studentin nämlich aus der Menge der Anbieter heraus.

Ihr sei die Liebe für Antiquitäten von den Eltern in die Wiege gelegt worden. «Es ist für mich eine Leidenschaft. Viele Stücke erzählen eine Geschichte», beschreibt sie. An ihrem Stand bietet Schmid allerlei Gebrauchsgegenstände wie Lampen oder Kristallsachen an.

Ihre Lieblinge? «Ganz klar Objekte aus den 20er Jahren. Sie sind schlicht und lassen sich gut mit Modernem kombinieren.» Um die Zukunft der Antiquitäten mache sie sich keine Sorgen, sie seien bei den Jungen wieder im Kommen. Wenn sie im Rahmen eines Studenten-Austauschprogramms nächstens nach Singapur geht, werde eine Kanne oder Tasse aus ihrem Sortiment sicher im Koffer Platz haben, schiebt sie lachend nach.

Die Freude ist getrübt

Rar sind aber nicht nur die feilgebotenen Waren selbst, sondern auch die positiven Gefühle, die Jakob Brand momentan mit dem Standort Olten verbindet. Negative Berichterstattungen über die Finanzlage der Stadt machen ihm nämlich zu schaffen. «Man hat teilweise den Eindruck, dass in Olten ein finanzieller Weltuntergang stattfindet. Dieses schlechte Image hat heuer zu zwei Absagen von Ausstellern geführt.»

Für Besorgnis sorgt ferner die Stadttheater AG selbst: Wie die Stadt ist auch der Antiquitäten- und Raritätenmarkt finanziell alles andere als auf Rosen gebettet, weshalb Brand die im Vertrag 2015 vorgesehene Mieterhöhung von bisher 10 000 auf künftige 12 500 Franken Bauchschmerzen bereitet: «Schon bei den momentan zu entrichtenden Beträgen sind wir geldmässig am Anschlag.»

Vor allem aber stösst ihm die Begründung dieser Preiserhöhung sauer auf: Man sei dem Markt in der Vergangenheit entgegengekommen, indem man die Räumlichkeiten zu einem günstigeren Tarif vermietet habe. Die offizielle Preisliste sehe höhere Ansätze vor, zitiert Brand die Argumente der Stadttheater AG.

Die Sache ist noch nicht gegessen

Doch die Miete ist nicht der einzige Betrag, der einschenkt. Zusätzlich müsse er nur schon für die Parkplätze direkt an der Aare mehrere Hundert Franken hinblättern – Tendenz steigend.

Damit aber noch nicht genug: «300 bis 400 Franken gehen für einen sogenannten Aufpasser drauf, der dafür zu sorgen hat, dass keine Fremden dort parken.» Trotzdem hat er die nächste Ausstellung im 2015 schon geplant.

Den Vertrag werde er aber erst nach der Ausgabe 2014 unterzeichnen; zuerst müsse er schauen, wie sie sich heuer macht. Zu verdauen gibt es hingegen bereits einiges: «Wir werden wie Kommerzielle behandelt.»

Er würde den Markt aber eher als eine Mischung aus Kultur und Kommerz bezeichnen. «Auf jeden Fall sollte hier ein Konsens gefunden werden. Mir liegt der Markt nämlich am Herz.» Sagts und wendet sich den Besuchern zu, die sich trotz der eigentlich noch geschlossenen Türen vor den Ständen tummeln – fast ein bisschen wie früher also.

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