Gut besetzt war sie, die katholische Kirche Kappel; weniger gut als auch schon zwar, aber immerhin. Das Publikum war bereit, sich auch via anspruchsvoller Melodien in die Adventszeit überführen zu lassen. Jenseits von «Stille Nacht», diesem Klassiker, der natürlich zum Schluss des gut fünfviertelstündigen Konzertes ebenfalls gegeben wurde und dem Präsident Titus Marbet vorausschickte, es feiere heuer sein 200-jähriges Bestehen.

Homogen, präzise

15 Kompositionen gaben die zwei Dutzend Männer unter der Leiterin Jasmine Asatryan zum Besten. Und sie wirkten dabei über weite Strecken homogen, präzise, stimmig, mit guter Artikulation. Bereits der Einzug hätte eigentlich Applaus verdient. Über die Seitengänge eroberte der Chor musikalisch den Raum, einen tragenden gregorianischen Choral aus dem 14. Jahrhundert gebend. Und subito füllte sich das Kircheninnere mit dieser eigentümlich anmutenden, fast mystisch wirkenden Atmosphäre. Der Sprung zu kecken, lebhaften Melodien erfolgte aber nicht abrupt, sondern behutsam. Das folgende Ave Maria wurde in bestechend sauberer Dynamik und exaktem Schluss vorgetragen. Ähnliches gilt auch für «Gross ist dein Name» von Gotthilf Fischer, auch wenn gewisse Forte-Passagen etwas zu aufdringlich daherkamen und der Chor dabei fast etwas übermotiviert schien. Allerdings nur vorübergehend: Schnell hatte er sich wieder im Zaume und die Werke vor der Gesangspause, Letztere von Claire Charpentier auf dem Cembalo virtuos gestaltet, mündeten in den üblichen Genuss. Etwas mehr vom sogenannten Groove hätte man sich bei «African Alleluia» allerdings gewünscht.

Der zweite Konzertteil kam luftiger, leichter daher. Man soll Kirchenlieder nicht als Klassiker bezeichnen; aber warum verdient «Herbei o ihr Gläubigen eigentlich diese Titulierung nicht? Jedenfalls kam die Präsentation mit der Cembalobegleitung bestens rüber. Und es kann durchaus erhebend sein, wenn geschulte Stimmen ein üblicherweise vom Kirchenvolk gemeinsam gesungenes Lied vortragen. Gleiches gilt für «Leise rieselt der Schnee». Und auch Robert Stolz’ «Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit» kam im Grunde wie gerufen. Charmant der Vortrag, ausgereift in Klang, Dynamik, Volumen, Intonation. Nicht nur für Liebhaber von Klängen des österreichischen Operettenpapstes ein genussreicher Moment. Dass der Stolzschen Christrose «O du fröhliche» folgt, war einer geglückten Dramaturgie des Konzertprogramms zu verdanken. Und natürlich durften die Zugaben nicht fehlen, «die wir gerne bereit sind zu geben», wie Ansager Paul Hagmann in amüsiertem Tonfall bekannte.
Der Chor machte schliesslich den eingangs erwähnten Sprung zurück ins ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, als im salzburgisch Oberndorf «Stille Nacht» komponiert wurde und von dort aus dem Siegeszug um die Welt antrat. Der Klassiker berührte auch in Kappel die Herzen der Zuhörer. Der lang anhaltende Applaus, der die Männern bei ihrem Auszug begleitete, war ein sicht- und hörbares Zeichen der Anerkennung.