Für rund 770'000 Franken hatte die Stadt Olten seinerzeit die Anlegestelle für den hiesigen Ruderklub Olten an der Gösgerstrasse saniert. Das war im Jahr 2012. Öffentliche Gelder, für welche die Öffentlichkeit mittlerweile auch eine Gegenleistung erwartet: In diesem Fall den freien Zugang zur Wiese am Aarebord. Denn der Druck auf ein Recht für alle auf den Zugang ans Wasser nimmt stetig zu.

Nutzungserweiterung vorgesehen

Dass mit der Sanierung der Stelle auch eine gewisse Nutzungsänderung einhergehen würde, war von allem Anfang an klar. Der seinerzeitige Baudirektor und heutige Stadtpräsident Martin Wey hatte denn auch davon gesprochen, dass mit der abgeschlossenen Uferbefestigung auch die Zugänglichkeit zum Gelände hergestellt werden müsse. Gespräche mit dem Ruderklub seien am Laufen. Und: Der Verein habe signalisiert, dass er sich nicht gegen eine massvolle Nutzung der Uferparzelle wehre. Nachdem aber hinsichtlich dieser Öffnung keinerlei Bemühungen festzustellen waren, eine Kette den Zugang zum Gelände via Gösgerstrasse mit schöner Regelmässigkeit versperrte, lancierte das Gemeindeparlament Mitte 2017 einen breit abgestützten Vorstoss, welcher versuchte, den Platz öffentlich zugänglich zu machen (wir berichteten).

Ein gutes Jahr später lässt sich festhalten: Zumindest die Absperrkette ist verschwunden. Für Stadtrat Thomas Marbet ein Teilerfolg. Allerdings räumt er ein: Um dem ufernahen Platz auch den vollständigen Charakter der öffentlichen Nutzbarkeit zu verleihen, wären weitere Investitionen notwendig. So müsste der Platz auch für Rollstuhlfahrende zugänglich gemacht, der Uferbereich zusätzlich gesichert werden. Denn die Stadt als Besitzerin des Geländes würde haftbar, während der Ruderklub das Haus im Baurecht nutzt. «Die Sache ist zwar nicht neu geregelt, aber sie funktioniert», stellt Marbet fest. Bereits heute werde der Ort gelegentlich von Sonnenbadenden genutzt. Ruderer und Gäste würden gegenwärtig aneinander vorbeikommen.

Baurechtsvertrag bis 2057

Mit dem erreichten Resultat ist auch Dieter Ulrich (SP) zufrieden, Erstunterzeichner des Vorstosses vom Mai 2017. «Mir war wichtig, dass diese doch sehr abweisend wirkende Kette verschwindet, nachdem die Stadt die Anlegestelle saniert hatte», sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. Es sei ihm auch nicht darum gegangen, den Zugang zum Platz rollstuhlgängig zu gestalten oder sonst wie noch gesichert zu haben. «Es war wirklich die Kette, die zwar gemäss Ruderclub vor allem Autos abhalten sollte, aber «dieses Problem ist mit Pollern auch zu lösen», so Ulrich. Die Zusammenkunft mit dem Ruderclub im letzten Sommer aber habe ihm schon gezeigt, welche Schwierigkeiten eine Öffnung des Geländes für den Club mit sich bringen würde.

Auch für Roland Hahn, Präsident des Ruderclubs Olten, hat sich an der rechtlichen Situation nichts geändert. Der bis 2057 gültige Baurechtsvertrag sieht nämlich keinen öffentlichen Zugang vor. Also haftet noch immer der Club für Geschehnisse auf dem Terrain. Aber: «Die Kette ist weg», bestätigt er auf Anfrage. Allerdings würden Gäste, die sich auf der Wiese niederlassen, wie bis anhin freundlich darauf hingewiesen, dass diese sich auf Privatgrund bewegen würden. «Das ist alles, weggewiesen wird niemand.» Im Übrigen hat der Ruderclub schon vor Jahren festgestellt, dass die Wiese vor allem auch nachts genutzt wird. «Wir finden Spritzen, Kondome und natürlich jeden weiteren erdenklichen Abfall, den wir als Verein entsorgen, um die Anlegestelle sauber zu halten», sagt Hahn. Seine Befürchtung, der Platz könnte durch die Öffnung zu einem verlängerten Ländiweg werden, ist nicht unbegründet.