Hinter dem etwas verrosteten Tor öffnet sich ein langer Korridor, der als Personaleingang gedacht ist. Eine Luftschutztüre verhindert den Eingang in die Schleuse dahinter. Gleich daneben: ein rechteckiger Raum, schmucklos ohne Tür.

«Das ist der Leichenraum», sagt Thomas Lüthi, Leiter Logistik Zivilschutz der Stadt Olten. Spätestens hier ist klar, dass es sich nicht um eine normale Zivilschutzanlage handelt.

Geschützte Sanitätsstelle darf sich die Anlage nennen und beherbergt ein kleines Spital. Wobei klein etwas untertrieben ist. Immerhin könnten hier im Notfall bis zu 210 Versehrte gepflegt werden.

Der Charme der Siebzigerjahre

Es riecht, wie es in solchen Räumen immer riecht, leicht muffig. Die beiden Operationssäle im Zentrum der Anlage versprühen einen sterilen Charme der 70er-Jahre, als die Bedrohung eines Atomkriegs noch etwas realer war als zur heutigen Zeit.

Auf dem Tisch im Operationssaal 2 liegt altes Operationsbesteck. Ein Blick auf die Instrumente: man erschaudert. Der Handbohrer sieht weniger nach Gesundheit als viel mehr nach einer Requisite aus einem drittklassigen Horrorfilm aus.

«Früher haben Geschichtslehrer der Kanti ihren Schülern diese Werkzeuge gezeigt», sagt Lüthi. Damit ausgerüstet ist die Anlage aber nicht mehr. Wenn heute etwas passieren würde, bringen die Ärzte modernes Material mit.

Auch sonst hat die Anlage seit der Bauabnahme 1977 sichtlich gelitten, an undichten Stellen haben sich erste Stalaktiten heimisch gemacht, Eimer fangen das durch die Decke tropfende Wasser auf, Entfeuchter kämpfen gegen die Feuchtigkeit. Diesen Mängeln soll im Zuge der Gesamtsanierung der Kantonsschule zu Leibe gerückt werden.

2008 der letzte Einsatz

Mit lecken Stellen verfehlt eine geschützte Sanitätsstelle halt auch einfach ihren Sinn. Zumindest sind momentan die Schleusen, welche man im Ernstfall von beiden Eingängen her – Personal- und Patienteneingang – zu passieren hat, wertlos.

Eigentliches Ziel dieser Schleusen war oder ist es, dass man sich darin den atomaren Staub vom Leib waschen konnte, um dann frisch geduscht und nicht kontaminiert die Anlage zu betreten. Zum Glück sieht es momentan nicht nach einem atomaren Ernstfall aus.

Es ist auch nicht weiter erstaunlich, dass die Anlage nicht mehr mit allem notwendigen Material ausgestattet ist. Vor gut fünf Jahren habe man medizinisches Material, welches entweder das Haltbarkeitsdatum überschritt oder nicht mehr zeitgemäss war, entsorgt.

Und seither ist die Anlage auch nicht mehr hochgefahren worden. Dies musste im Jahr 2008 das letze Mal gemacht werden. Während der Euro 08 war die Anlage im Notfallkonzept der Rettungsdienste vorgesehen.

In Schuss gehalten sein muss sie aber trotzdem: einmal im Monat gibt es eine kurze Begehung, dreimal im Jahr einen kleinen Unterhalt, jährlich einen grossen Unterhalt durch Angehörige des Zivilschutzes.

Zwischen den Operationssälen liegt ein Vorbereitungsraum mit zwei Tanks zum Destillieren des Operationsbestecks. Rundherum sind sechs Patientenräume, die Betten schmal, Platz für persönliche Dinge gibt es keinen.

Dafür gibts einen gesonderten Raum für die Habseligkeiten der Patienten. Ein kleines Büro mit einer Schreibmaschine, ein Bettenraum für das Personal, ein Aufenthaltsraum, eine Küche und ein Serviceraum komplettieren die Anlage.

Highlight im Serviceraum: eine Waschmaschine aus den 70er-Jahren, ein grosses, grünes Ungetüm. Für die Stromversorgung sorgen zwei Stromaggregate, drei Tanks dafür, dass die Anlage gut zwei bis drei Wochen autonom betrieben werden kann.

Apropos Betrieb: Die Raumtemperatur liegt das ganze Jahr bei angenehm kühlen 15 bis 18 Grad. Die elektronische Heizung wird aus Kostengründen nur im Bedarfsfall eingeschaltet, also hoffentlich nie.