Olten/Winznau
Anders als die typische «Hööggli-Tante»

Sie gehört zu den gut 70 Kandidierenden für den Titel in der nationalen Häkelmeisterschaft am Samstag in Olten. Zu ihren Chancen sagt die Winznauerin Angela Näf: «Mal sehen.»

Urs Huber
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Urs Huber

Kettmasche, halbes Stäbchen, abmaschen: keine Fremdwörter für Angela Näf. Im Häkeln kennt sie sich aus. Und aus diesem Tätigkeitsfeld stammen auch die Begriffe. Die Winznauerin ist diesem traditionellen Textilhandwerk nämlich leidenschaftlich verbunden: «Ja, leidenschaftlich, das ist ein grosses Wort, aber ich machs schon gern», sagt die 50-Jährige. Seit Jahren. Mit einem Lottosechser würde sie in Olten, wo die Meisterschaften am kommenden Samstag übrigens stattfinden, ein «Hööggli-Kafi» einrichten. Tja, wenn das nicht das Sahnehäubchen auf die Leidenschaft ist! «Häkeln», sagt sie dann, «ist gemütlich und erlaubt auch ein gewisses Mass an Geselligkeit. Das mag ich.»

Wie die Leidenschaft zur Leidenschaft wurde? Erst Stille. Dann bläst Angela Näf die Wangen auf und lässt die Luft dosiert zwischen Ober- und Unterlippe entweichen. «Der Handarbeitsunterricht in der Schule hat mir immer gefallen», sagt sie dann. Und der sei auch interessant gewesen. Lachen. «Da war ich gut – und im Sport auch.» Während sie erzählt, sortiert sie ihre Häkelnadeln und wirft ab und zu einen prüfenden Blick auf die kleine Auswahl an Häkelsachen, die auf dem Tisch platziert sind: Mützen in vielen Variationen, ebenso Finkli, Halswärmer. Früher habe sie eher dunkle Farben bevorzugt. «Jetzt mag ichs lieber farbenfroh.» Dann präsentiert sie ein rotfarbenes Bolero-Jäggli und meint darauf: «Eben, ein Kleid möchte ich mal in Angriff nehmen.»

Bei aller leidenschaft: Angela Näf ist keine «typischeHöögglitante», die in jeder freien Minute zu den Nadeln greift. Das Leben bietet noch andere Sparten: «Wissen Sie, häkeln hat etwas Entspannendes.» Sie schätze das Kontemplative, die ablaufenden Automatismen, die häufig von Gesprächen, Musik oder TV begleitet sind. «Aber einfach so trocken vor mich hin häkeln: Nein, das wär nicht meine Sache», lacht sie. Und so kennt die gelernte medizinische Praxisassistentin mit Arbeitsort Kantonsspital Olten eben noch andere Freizeitbeschäftigungen: Sie fährt Motorrad, ist ausgebildete Wellnesstrainerin, lehrte Aqua-Gymnastik und Nordic Walking und war im örtlichen Damenturnverein aktiv. Nur gehäkelt– das habe sie schon immer.

Dass sie zusammen mit ihrer 23-jährigen Tochter Nadja an den Meisterschaften teilnehmen kann, freut die zweifache Mutter sehr. Auch darum, weil die Tochter als Schülerin mit dem textilen Werken eigentlich gar nicht so sehr auf Du und Du stand. «Das hat sich dann im Lauf der Jahre einfach so ergeben», meint Angela Näf im Rückblick. Im Handwerk glaubt sie grundsätzlich so etwas wie ein Kulturgut zu erkennen, welches dem Menschen Boden unter den Füssen gibt. «Es tut einfach gut und ist verstärkt im Kommen», sagt sie noch.

Dann sinniert sie völlig unverkrampft an ihren «Wettkampfwerkzeugen» rum. Aufgeregt werde sie nicht sein. Warum auch. Aber ein paar Dinge wollen doch überlegt sein. Die Beschaffenheit der Häkelnadel etwa, von denen es heute solche mit ergonomischen Griffvarianten gibt. «Nicht alle liegen gleich gut in der Hand, nicht alle korrespondieren gleich gut mit der Beschaffenheit des Garns», erzählt Angela Näf. Das richtige Werkzeug aber sei schon Basis des Häkelvergnügens. Über die Lebenspartnerin des Organisators sei sie zur Teilnahme am Wettbewerb gekommen. Wie sie ihre Chancen auf den Titelgewinn einschätze? Sie bläst ihre Wangen auf und lässt die Luft abermals zwischen Ober- und Unterlippe dosiert entweichen. Dann lacht sie. «Mal sehen.»

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