Messe in Olten
An der MIO – «Es braucht nicht überall Kebab-Stände»

Die 71 Ausgabe der MIO – Messe in Olten – will ihr «Fress-Messe-Image» loswerden. Ist die heuer schon gelungen? Wir haben uns umgesehen.

rahel bühler
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REMO FROEHLICHER 0041 79 288817

«Sönd Willkomm» steht in weissen Lettern auf einem grünen Banner, das hoch über der Bifangstrasse hängt. Falsche Schreibweise des Willkommensgrusses oder bewusster Blickfang? Eher Letzteres.

Das Banner heisst die Besucherinnen und Besucher im Appenzellerland Willkommen, der Gastregion an der diesjährigen MIO. Beim Stand bzw. den Ständen angekommen, fühlt sich Herr und Frau Besucher schon fast wie im Appenzellischen selbst: Trachten prägen das Erscheinungsbild, im Hintergrund ertönen Hackbrett-Klänge, Appenzeller Spezialitäten wie Bier oder Käse werden angeboten.

Barbara Streule, die Projektleiterin Marketing von Appenzellerland Tourismus und selbst in einer roten Tracht, erklärt das Konzept ihrer Stände: «Wir möchten mit unserem Angebot alle Sinne erreichen und gute Werbung für die Region machen.»

Auch das Appenzeller Kunsthandwerk kommt nicht zu kurz: Ein Bauernmaler und ein Weissküfer präsentieren ihr Können. Bei den Besuchern scheints anzukommen, stehen sie doch, genüsslich Bier trinkend und Biberli essend, an einem der Stehtischchen am Strassenrand. «Doch, doch, mir gefällts», berichtet eine Frau mit breitem Grinsen und vollem Mund.

«Mix hat sich verbessert»

Der Kontakt zu Appenzellerland Tourismus entstand Anfang dieses Jahres. Es hätte auch andere Interessenten gegeben, schaut Mike Zettel, der Organisator der MIO zurück. «Mit Appenzellerland Tourismus hat es aber wunderbar geklappt.» Sein Plan ist es, den Besuchern jedes Jahr eine Gastregion präsentieren zu können.

Auch sonst hat er ambitionierte Ziele: Er will aus der Fress-Messe, für die die MIO bekannt ist, verstärkt eine Gewerbemesse machen. «Die Festwirtschaften sind wichtig», erklärt er sich. «Aber es braucht nicht an jeder Ecke einen Kebab- oder Wurststand.» Die neue Ausrichtung der MIO hängt mit zwei wesentlichen Aspekten zusammen: fehlende Aussteller und ausbleibende Besucher.

Sind bereits die erwünschten Veränderungen eingetreten? Zettel bejaht dies: «Der Mix aus Foodanbietern und Ausstellern hat sich massiv verbessert.» Manchen Besuchern scheint dies aufgefallen zu sein: «Ich finde, es hat immer noch recht viele Essensstände», erzählt ein junger Mann mit Karo-Hemd, der die Messe bereits zum dritten Mal besucht.

«An den Festwirtschaften will ich festhalten», sagt Zettel. Neu an der diesjährigen Ausgabe gibt es eine Seniorenmesse: Eine Art Messe in der Messe für Senioren, die sich Tipps für Ferien, Finanzlösungen oder Bestattungen holen können.

25 Aussteller abgewiesen

Veränderungen wahrgenommen haben auch langjährige Aussteller wie zum Beispiel Alex Antener von der Firma Türenprofi.ch aus Oftringen. Gemeinsam mit seinem Vater stellt er seit 37 Jahren an der MIO aus. «Es kommt immer viel Neues vonseiten der Organisatoren», erzählt er und weist dabei auf die Parkordnung oder die standardisierten Zelte hin.

Die Besucher bezeichnet er als bunten Mix zwischen «Pensionierten und Jungen». Auch einem Mitarbeiter der Oltner Firma Resa Haustechnik AG sind die Zelte aufgefallen: «Weil sie vorher schon aufgestellt werden, sind wir viel schneller.»

Dass der MIO ein verändertes Konzept zugrunde liegt, scheint den Ausstellern nicht aufgefallen zu sein. «Zu beschäftigt mit ihrem eigenen Stand» berichten die einen, «nicht in der Lage, dies zu beurteilen», sagen die anderen.

Mit 127 Ausstellern ist die diesjährige MIO-Ausgabe die bislang grösste. Und hätte gar noch grösser werden können, musste der Organisator doch 25 Aussteller abweisen. Weiteres Potenzial für den Image-Wandel ist also vorhanden.

71. Messe in Olten (MIO): Noch Sonntag und Montag von 12 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Festbetrieb jeweils bis 22 Uhr bzw. 21 Uhr.

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