Olten

An der Bundesfeier in Olten war alles ein bisschen anders

Der neue Stadtpräsident Martin Wey richtete an einer speziellen Bundesfeier auf der neu gestalteten Kirchgasse mahnende Worte an die Anwesenden. «Was können wir uns noch leisten?», fragte er im Hinblick auf die finanzielle Situation der Stadt Olten.

Es war fast alles speziell an dieser Bundesfeier in Olten: sowohl Ort als auch Programm. Da war die Amtsübergabe von alt Stadtpräsident Ernst Zingg an seinen Nachfolger Martin Wey, die Vereidigung der Exekutivmitglieder Peter Schafer, Iris Schelbert-Widmer, Thomas Marbet, und Benvenuto Savoldelli, die ihre neue Amtsperiode mit dem gestrigen Tag gestartet haben, ihrer Direktionen aber noch nicht gewiss sind.

Hinzu kam, dass eine junge Dame die Landeshymne sang. Und speziell war auch das Ambiente: Wer an der erstmaligen Bundesfeier auf der Kirchgasse dabei war, war gleichzeitig auch Gast und Zeitzeuge des Sommerkafi, welches seit 2007 in der Sommerferienzeit den Platz vor der Stadtkirche prägt. Ein schöner Ort, von dem aus aber das Feuerwerk ab 22.15 Uhr nur teilweise zu sehen war.

Impressionen vom 1.-August-Feuerwerk in Olten

Impressionen vom 1.-August-Feuerwerk in Olten

Ein Schlusswort zum Anfang ...

Es sei bei dieser Bundesfeier alles ein bisschen anders, hatte Stadtschreiber Markus Dietler bei der Begrüssung gesagt. Und so kam es, dass ein Schlusswort schon zu Beginn der Feier fiel, jenes von alt Stadtpräsident Ernst Zingg. Und auch bei seinem quasi letzten offiziellen Auftritt konnte er es nicht lassen – Olten als sympathisch und gastfreundlich, kulinarisch und sportlich, poppig und klassisch oder etwa kabarettistisch und bildend zu schildern. Aber: «Wer weiss das schon?», fragte Zingg und wies alle Anwesenden dazu an, alle andern ebenfalls Mitwisser dieser «Frohbotschaft» werden zu lassen.

Es folgte die Festansprache Martin Weys, die der neue Stadtpräsident nicht als eine vaterländische, sondern als «vaterstädtische» verstanden haben wollte. Er brachte sein politisches Credo rasch auf den Punkt: Solidarität und Selbstverantwortung sollten das politische Handeln prägen.

Wey stützte sich dabei auf jene Artikel der Bundesverfassung, welche unter allgemeine Bestimmungen zu finden sind. Darüber hinaus rückte er Olten zu Beginn seiner Worte ins schöne Licht, lobte die erfolgreich abgeschlossenen Projekte wie ERO, Fachhochschule oder eben – die Kirchgasse. Grund genug, sich daran zu freuen, auch wenn «wir Oltnerinnen und Oltner manchmal sehr selbstkritisch sind, uns manchmal auch selber im Weg stehen und unser Licht unter den Scheffel stellen», wie er meinte.

... Mahnung zum Schluss?

Allerdings gabs auch Mahnendes. «Neben aller Freude wird uns auch die angespannte finanzielle Situation in unserer Stadt beschäftigen. Was können wir uns noch leisten?», so Martin Wey weiter. Ungewohnte Töne in der Dreitannenstadt. «Wo werden in der städtischen Finanzplanung die Prioritäten gesetzt, wie wollen und können wir unsere Stadt auch in der neuen Amtsperiode erfolgreich weiterentwickeln? Fragen, die wir uns alle stellen und wo Entscheide über das ‹wie weiter?› getroffen werden müssen.»

Fragen gabs viele, Antworten keine. Aber Wey gab sich zuversichtlich. «Als Stadtrat und Kollegialbehörde werden wir die Herausforderungen motiviert und mit Freude angehen.» Ihm als Stadtpräsident sei dabei wichtig, dass im Stadtratsgremium Führungsverantwortung wahrgenommen und eine gute Streitkultur gepflegt werde. «Und letztlich wollen wir als Kollegialbehörde geschlossen gegenüber der Bevölkerung auftreten», so Wey noch, bevor Karen Schwegler eine Landeshymne intonierte, die zwar phasenweise funkig, aber meist zu fragmentarisch daherkam und auf viel Unverständnis stiess.

An dieser Bundesfeier war eben alles ein bisschen anders.

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