Amtsgericht Olten-Gösgen
Drogensüchtiger Kosovare wandert in Klinik statt ins Gefängnis – und dann in die «Heimat»

Ein mehrfach verurteilter Kosovare muss die Schweiz für fünf Jahre verlassen. Statt ins Gefängnis kommt der Drogensüchtige allerdings vorerst in eine stationäre Behandlung.

Philipp Kissling
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Das Amtsgericht Olten-Gösgen.

Das Amtsgericht Olten-Gösgen.

Bruno Kissling

Der Kosovare Tariq*, der in Trimbach im Drogenrausch mehrere Einbrüche verübt hatte, ist zu 18,5 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem muss er 2500 Franken Busse bezahlen und die Schweiz für fünf Jahre verlassen sowie die Verfahrenskosten in der Höhe von 27'050 Franken berappen.

Der Vollzug der Gefängnisstrafe wird aufgrund der Drogensucht des Beschuldigten zu Gunsten einer auf drei Jahre befristeten Stationären Behandlung aufgeschoben. Der geständige 34-Jährige hatte sich letzte Woche vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen für seine Taten verantworten müssen.

Nun gehen aus dem Urteil unter anderem Schuldsprüche für mehrfachen Diebstahl, mehrfachen Hausfriedensbruch, mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und Sachbeschädigung hervor.

Der Forderung der Anklage nach einer Verurteilung wegen räuberischen Diebstahls kam das Gericht nicht nach. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, eine Stationäre Massnahme, 1500 Franken Busse sowie einen fünfjährigen Landesverweis gefordert.

Als Siebenjähriger in die Schweiz, trotzdem kein Härtefall

Während der Aufschub der Gefängnisstrafe zu Gunsten des Klinikaufenthalts dem Beschuldigten im Kampf gegen die Sucht (Alkohol, Medikamente, Heroin, Kokain) entgegenkommen dürfte, trifft ihn der Landesverweis empfindlich. Tariq war als Siebenjähriger in die Schweiz gekommen, durchlief hier die Schule und machte eine Lehre als Koch.

Sein Lebensmittelpunkt liegt unbestritten in seiner Wahlheimat Schweiz. Das allein hilft ihm jedoch nicht gegen seine Ausschaffung in die Heimat Kosovo. Der langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz stehen zahlreiche Phasen der Arbeitslosigkeit und um die 30 Verurteilungen wegen Straftaten gegenüber.

Tariq sei kein Härtefall, so das Amtsgericht, er spreche albanisch und habe in der Vergangenheit Entzugskuren in Kosovo besucht. Überdies lebten die Eltern teilweise in Kosovo, wo ihn auch die Geschwister besuchen könnten.

* Name geändert

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