Olten
Am Markt Dinge in Sachen Kunst tun, die man sich sonst nie getraut

Der Kunstmarkt auf der Alten Holzbrücke ist seit Jahr und Tag ein wichtiger Bestandteil der lokalen Kulturszene. Die Wechselwirkung zwischen den Kunstschaffenden, dem Publikum und den Werken verändert dabei die Sichtweise, Dinge zu sehen und zu tun.

Madeleine Schüpfer
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Geschichten in Farbe geschichtet: Arbeiten von Giulio Cemin aus Wolfwil – im Hintergrund der Maler Martin Heim aus Neuendorf

Geschichten in Farbe geschichtet: Arbeiten von Giulio Cemin aus Wolfwil – im Hintergrund der Maler Martin Heim aus Neuendorf

Bruno Kissling

Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Oltner Kunstmarkt zum 45. Male auf der Alten Brücke stattfindet und sich immer noch grosser Beliebtheit erfreut. 65 Kunstschaffende präsentieren an diesem Wochenende vom 11. und 12. September bis 22 Uhr ihre vielschichtigen Arbeiten.

Malerei, Zeichnung, Grafik

Das Publikum erlebt Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie, Objekte oder fantasievolle Verfremdungen, immer so, dass man gefordert, aber zugleich auch auf eine wundersame Art unterhalten wird. Die bildende Kunst im Kleinformat hat ihren Zauber, manchmal sogar ein Stück Magie, der man sich nicht entziehen kann. Im Hintergrund des Marktstandes hängen die grösseren Bilder. Die kleineren Arbeiten breiten sich auf Tischen aus. Man darf berühren, Fragen stellen, diskutieren und Dinge in Sachen Kunst tun, die man sich sonst nie getraut zu tun.

Auf Tuchfühlung mit Kunst

Man geht auf der Alten Brücke mit der Kunst auf Tuchfühlung und begegnet den Kunstschaffenden in einer einmaligen, persönlichen Art, die neue Perspektiven eröffnet. Man erkennt, dass das Schöpferische nie nur eine Angelegenheit der Kunstschaffenden ist, sondern in jedes menschliche Leben hineingreift, weil nur in solchen Befindlichkeiten ein Freiraum liegt, der uns mitnimmt in eine Welt der Fantasie, der Magie, der Träume. Witziges, Hintergründiges, Skurriles sind auszumachen, aber auch Besinnliches, leise Wehmut, weil das Leben alle Seiten in sich hat, die dunklen und die hellen. Man geniesst die Schönheit in den Dingen und lässt sich vom Augenblick begeistern.

Das nicht Fassbare

Vieles entwickelt sich auch aus dem Zufall heraus, weil man über die Alte Brücke geht, gehen muss, und manchmal bleibt man an einem Stand hängen und kommt fast nicht mehr davon los. Man lässt sich vielleicht sogar zu einem spontanen Kauf hinreissen. Es ist wichtig, zu wissen, wer das Kunstwerk geschaffen hat, welches die Motivation dazu war, und vielleicht erkennt man dadurch auch, dass es Dinge gibt zwischen den Dingen, die wesentlicher sind als das alltäglich Fassbare. Jeder Mensch hat in sich kreative Begabungen, wenn er sie zulässt, und dank ihnen wird das Leben auf eine besondere Art lebendig,

Die Oltner Künstlerin Katrin Schelbert hat wie jedes Jahr wieder ein besonders attraktives Plakat geschaffen. Man erkennt im hellen Grund ein Konzentrat an dunkleren und helleren Linien, eine Widerspiegelung des Gebälks der Alten Brücke, uralt in seiner Geschichte und doch immer wieder neu und anders.