Auf Hüfthöhe ein voller Tisch, den Kopf gesenkt, wie man das sonst nur vom Blick auf das Smartphone kennt – etwa so hat es am Samstag am Buchfestival in Olten ausgesehen. An vielen freistehenden Tischen konnten die Besucher ungehindert flanieren, hier ein wenig schmökern, da den Klappentext lesen, dort einfach vorbeigehen. Fred Stähli von der Buchhandlung Lüthy nennt dies auch gleich als einen der grössten Unterschiede zwischen Festival und Buchhandlung: «Am Buchfestival werden alle Titel frontal präsentiert.»

Zudem merkt er an, dass fast alle der 2000 bis 3000 ausgestellten Bücher diesen Herbst erschienen sind. Wie viele es tatsächlich sind, weiss er nicht genau, obwohl er sie – mit Ausnahme der Kinder- und Jugendbücher – alle selbst ausgesucht hat. «Ich habe Listen durchgeschaut und einen Mix aus Bestsellern und eigenen Vorlieben zusammengestellt», meint er ganz selbstverständlich. Soweit nichts anderes als an der Buchmesse. Doch etwas hat sich grundlegend geändert: An der Buchmesse fand alles im Stadttheater statt, während beim Buchfestival die Schützi zwar das Zentrum ist, aber bei weitem nicht alle Veranstaltungen dort stattfinden. Stähli sagt: «Für uns war die Buchmesse das ideale Szenario, jetzt kommen viel weniger Leute in die Schützi, der Freitag ist zum Beispiel sehr schlecht gelaufen. Aber wir haben uns darauf eingestellt.»

Einzigartige Stimmung

Noch kein Fazit ziehen will Thomas Knapp, ehemals Veranstalter der Buchmesse und auch an der Organisation des Buchfestivals beteiligt. Er meint: «59 Veranstaltungen an 20 Orten ist viel, wir müssen am Schluss mit allen Beteiligten zusammensitzen und auswerten.» Doch grundsätzlich ist er positiv gestimmt. Es habe immer Publikum gehabt. Sogar ein Besucher, der am Vortag bis um Mitternacht am Festival war, ist anzutreffen. Er meint: «Die Stimmung war sehr speziell um diese Zeit, einzigartig.»

Gleichzeitig wie sich die Portemonnaies leerten und die Taschen füllten, traten auf der Schützi-Bühne verschiedene Autoren und Künstler auf. Am Samstag präsentierten zum Beispiel die Autoren Blanca Imboden und Frank Baumann ihre Jugendbuchreihe «Schule ist doof», musikalisch untermalt von Christian Schenker. Der Kinderliedermacher eröffnete die Samstagsveranstaltungen in der Schützi, wobei er anfangs noch gegen Lärm ankämpfen musste, der auch durch die geschlossenen Türen drang.

Vor der Schützi zogen über 2000 Demonstranten vorbei. Drinnen war das Publikum weitaus bescheidener, rund 50 Personen hatten sich auf den Stühlen zwischen den Büchertischen eingefunden. Anders als sonst bei Christian Schenker waren bedeutend weniger Kinder als Erwachsene im Publikum, die Beschreibung «für Menschen von 10 bis 100 Jahren» traf also ziemlich gut zu.

Ein Schauplatz unter vielen

In der Pause wanderten nebst Büchern auch etliche Getränke über die Theke. Die Schützi-Bar war während des ganzen Festivals geöffnet und verpflegte die Besucher des Festivals, darunter auch viele Kinder. Anschliessend präsentierte das Büro für Erklärungsnotstände das Buch «Warum haben Bananen immer die Nummer 1?». Die vier Autoren erklären auf sehr ungewöhnliche, teils absurde Weise Fragen, die sich im Alltag manchmal stellen, zum Beispiel: «Was hat das Ohr mit einer Feige zu tun?»

Weiter ging es mit Roger Strub, der in der Schützi sein neustes Buch vorstellte. Darin stellt eine Bloggerin einem Krimi-Autoren unbequeme Fragen. Genau so war auch seine Lesung: Er schlüpfte in die Rolle des Autors und eine Dame aus dem Publikum übernahm das Fragenstellen. Gleichzeitig zu alldem fanden in der ganzen Stadt verteilt verschiedenste andere Bücher-Veranstaltungen statt. Viele davon waren ganz oder zumindest beinahe ausverkauft, ein Erfolg für die Organisatoren. Das führte allerdings dazu, dass in der Schützi weniger Publikum anzutreffen war, was das eigentliche Zentrum des Buchfestivals mehr wie ein Schauplatz unter vielen daherkommen liess.