Olten
Alte Stadtsauna-Zeiten sollen aufleben — Yachtclub sammelt Unterschriften

Der Yachtclub Olten lanciert eine Unterschriftensammlung für eine städtische Sauna. Die Stadt hat bereits Ideen dazu.

Fabian Muster
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Badigebäude Olten mit früherer Oltner Stadtsauna in der Schützenmatte.

Badigebäude Olten mit früherer Oltner Stadtsauna in der Schützenmatte.

Bruno Kissling

Regelmässiges Saunieren stärkt das Immunsystem, verjüngt die Haut und schützt vor Erkältungen. Damit die breite Bevölkerung in den Genuss dieser Vorteile kommt, soll es in Olten wieder eine städtische Sauna geben.

Der Yachtclub Olten hat vergangenen Samstag anlässlich des zweiten St.-Niklaus-Schwumms eine Unterschriftensammlung zum Thema lanciert. «Die Stadt Olten erarbeitet zusammen mit interessierten Dritten ein Konzept zur Errichtung und dem Betrieb einer städtischen Saunaanlage», heisst es dazu im Vorschlag ans Gemeindeparlament. Dabei sei zu prüfen, ob nicht wiederum die Synergien mit der Badi-Infrastruktur genutzt und wie Dritte sinnvoll in eine Partnerschaft einbezogen werden können.

«Wir sind in alle Richtungen offen», sagt Yachtclub-Präsident Stefan Nünlist auf Anfrage zum Thema – sei es betreffs Standort, Betreiber oder zur Frage der Finanzierung. Bei Bedarf sind der ehemalige Gemeindeparlamentarier und seine Mitstreiter bereit, konstruktiv mitzuarbeiten, etwa um private Sponsoren zu suchen.

Zwar ist er sich bewusst, dass eine Sauna zu betreiben keine Kernaufgabe der Stadt sei. Doch er will das Thema wieder zur Diskussion bringen, sagt der derzeitige FDP-Kantonalpräsident und verweist auf die ehemalige Stadtsauna im Badigebäude, die ein beliebter Treffpunkt war. Damit der Volksauftrag zustande kommt, muss der Yachtclub 30 Unterschriften sammeln. Bis Anfang Januar 2018 geben sich die Initianten Zeit dafür.

Stadtpräsident ist Sauna-Fan

Unterstützung findet die Idee einer städtischen Sauna von höchster Ebene: Stadtpräsident Martin Wey wagte beim St.-Niklaus-Schwumm vergangenen Samstag ebenfalls den Sprung in die kühle Aare und unterschrieb das Anliegen. «Ich bin ein Sauna-Fan», sagt Wey und ergänzt, dass eine städtische Sauna besonders in der Nähe der Aare und der Badi-Infrastruktur sich fast anbieten würde. Zudem sähe er darin eine Attraktivitätssteigerung für die Stadt.

Offene Fragen sind in seinen Augen neben dem Standort auch diejenige der Finanzierung und des Betriebs: Weder muss die Sauna zwingend von der Stadt finanziert noch betrieben werden. Wie bei der früheren Stadtsauna auch könnte sich Wey ein Privater vorstellen, der auf eigene Rechnung arbeitet, etwa in einer von der Stadt zur Verfügung gestellten Liegenschaft.

Begeistert von der Idee zeigt sich Badmeister Thomas Müller, der zudem ausgebildeter Saunameister ist. Er ist indes der Meinung, dass eine Sauna von der öffentlichen Hand finanziert und auch von der Stadt betrieben werden sollte. So könnten Synergien mit dem Badi-Personal genutzt werden. Für ihn ist klar, dass ein Konzept so ausgearbeitet sein muss, dass mehrere Saunen vorhanden sind inklusive Aufenthalts- und Ruheräumen, damit sich die Sache finanziell lohnt und die Bevölkerung anspricht.

Die Baudirektion bestätigt auf Anfrage, dass bei der Verwaltung Ideen für eine städtische Sauna vorhanden sind. Baudirektor Thomas Marbet führt dazu aus, dass diese Ideen bisher aber nicht weiterverfolgt wurden. «Es gibt weder ein fertiges Konzept noch eine Finanzierung dazu», sagt er. Zudem käme das Anliegen in seinen Augen zu spät: «Eine Sauna müsste man eher mit einem Winterbetrieb wie dem Hallenbad an der Kanti kombinieren.» Dieses wurde letzte Woche nach der Sanierung allerdings wieder eröffnet.

Stadtsauna bis 2008 in Betrieb

Bis 2008 gab es im Badigebäude rechts neben des Eingangs die Stadtsauna, geschenkt von der damaligen Seifenfabrik Sunlight. Nach dem Tod des langjährigen Pächters Peter Andreani im Dezember 2005 ging es mit dem Betrieb bergab. Das neue Pächterehepaar eröffnete zwar den Betrieb im Juni 2006 erneut, die Stadt kündigte ihnen allerdings im September 2008, weil sie mit der Zahlung der Mietzinse im Rückstand waren.

Nach einer erfolglosen Nachfolgesuche entschied die Stadt im November 2008 jedoch, die Sauna nicht mehr zu eröffnen. Grund: Die Infrastruktur entspreche nicht mehr den heutigen betrieblichen, hygienischen und technischen Erfordernissen. Man sprach damals von Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Franken, würde die Stadtsauna mit einem Wellness-Bereich ergänzt und in den Badi-Betrieb eingebunden.

Der heutige Standort der Stadtsauna steht für eine Neuauflage nicht mehr zur Verfügung: Er wird von der Badi benutzt und eine Trafostation der Städtischen Betriebe sbo wurde eingebaut. Wer heute in Olten saunieren will, muss sich ein Abo bei den Fitnesscentern FlowerPower oder Kraftwerk leisten – oder zu Hause eine Sauna einbauen.