Kienberg
Alte Gipsfabrik muss neuem Gebäude Platz machen

Die alte Gipsfabrik im Kienberger Oberdorf war einst das Wahrzeichen der Gemeinde. Jetzt wird es abgerissen. An seine Stelle bauen die Eigner ein Ausstellungs- und Demonstrationsgebäude für Baumaschinen.

Beat Wyttenbach
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Gipsfabrik in Kienberg wird abgerissen
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Urs Wanger (links) und Sohn Marvin besprechen Details des Abbruchs.
Die Gipsfabrik in früheren Jahren.
Damals zogen noch Pferde den mit Gips beladenen Wagen.

Gipsfabrik in Kienberg wird abgerissen

Bruno Kissling

Jahrzehntelang hat sie das Dorfbild von Kienberg geprägt und bis in die 1970er-Jahre hinein Menschen Arbeit geboten, die Gipsfabrik im Kienberger Oberdorf (siehe Kasten). Nun wird sie abgerissen. Urs Wanger und Sohn Marvin, die 2006 die Unirespo GmbH, ein Familienunternehmen, gegründet hatten, haben das 7832 m2 umfassende Gelände im vorigen Jahr gekauft; zuvor war die Firma in der alten Parkettfabrik in der aargauischen Nachbargemeinde Wittnau

Gipsabbau

Die Anfänge von Gipsabbau und -verarbeitung in Kienberg gehen auf die 1840er-Jahre zurück, als der Sohn des damaligen Müllers Josef Rippstein, Jakob, eine kleine Gipsmühle am Dorfbach errichtete. 1903 wurde sie zusammen mit der Gipsfabrik unterhalb des Dorfes an die Gips-Union AG verkauft. Wegen Wegrechtsstreitigkeiten mit diversen Fricktaler Gemeinden kam der Gipsabbau 1905/06 zeitweilig zum Erliegen. Erst 1923, auf Initiative von Ernst Rippstein, einem Enkel Jakob Rippsteins, wurde die Produktion wieder in einer eigenen Fabrik aufgenommen.

Die Gips-Union AG ihrerseits wollte dieser Konkurrenz nicht tatenlos zusehen und errichtete 1929 die neue Fabrik, welche nun abgerissen wird, im Oberdorf in unmittelbarer Nähe zu den Steinbrüchen am Lindacker. 1937 übernahm sie zusätzlich den Betrieb von Ernst Rippstein. Produziert wurden in dem neuen Unternehmen unter anderem Spezialgipse, welche hauptsächlich in keramischen Werken, Giessereien und Ziegeleien gebraucht wurden.

Die Blütezeit der Gipsproduktion in Kienberg war in der Zwischenkriegszeit. Neue, synthetische Baustoffe und die Suche der Arbeiter nach anderen Tätigkeiten drängten die Gipsproduktion nach und nach zurück, bis der Betrieb 1976 eingestellt werden musste. (bw)

Quelle: Louis Rippstein: «Kienberg - Die Geschichte einer Juragemeinde», Trimbach 1991, Seiten 229ff.

Ziel des Unternehmens, welches als Generalimporteur für Baumaschinen wie Kettenbagger, Walzen oder Gabelstapler aus China operiert, sei es, auf dem einzigen Industriegelände im Oberdorf ein Ausstellungs- und Demonstrationsgebäude für diese Baumaschinen aufzustellen; eine Industriebaute, welche neben den Fahrzeugen auch Platz für ein Ersatzteillager bieten soll.

Sanieren oder abreissen?

Ein deutsches Unternehmen habe ihnen das Gelände verkauft, die Gemeinde habe daran aber Auflagen geknüpft, so Vater und Sohn Wanger. So hätten sie entweder die Gebäulichkeiten sanieren oder sie aber abreissen müssen; dies deshalb, weil einige Gebäudeteile einsturzgefährdet seien. «Nachdem wir beide Varianten durchgerechnet hatten, haben wir uns für einen kompletten Rückbau entschieden», so Marvin Wanger. Dieser werde das Unternehmen «wohl einige 100000 Franken kosten».

Vater und Sohn Wanger nehmen den Abriss in Eigenregie vor; schon im letzten Jahr haben sie damit begonnen, und bis Januar 2014 wollen sie damit fertig sein. Bis dahin dürfte sich auch konkretisieren, wie der Industriebau später einmal aussehen soll. Parallel dazu gleisen Vater Urs Wanger, gelernter Maschinenschlosser, und Sohn Marvin – er hat Wirtschaftswissenschaften studiert – den Import der Baumaschinen aus China weiter auf. Bereits nächste Woche werden sie Interessenten auf dem Gelände der alten Gipsfabrik die Liugong-Maschinen – Liugong sei, so Marvin Wanger, «der weltgrösste Hersteller von Radladern» – präsentieren.

«Froh, dass etwas geht»

Kienbergs Gemeindepräsident Christian Schneider erklärt auf Anfrage, der Gemeinderat sei «sehr froh, dass in der Sache etwas geht». Es sei «ein Glücksfall», dass sich nun jemand der Sache annehme und das Gebäude abreisse.