Olten
Als die Stadt sich selber regieren durfte - ein Rückblick auf 200 Jahre Selbstverwaltung

Dem 200-Jahr-Jubiläum der Oltner Selbstverwaltung ist im Kunstmuseum eine Sonderausstellung gewidmet.

Lucien Rahm
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Belebte Strassenszene vor der Stadtkirche: Ausstellungsgemälde «Kirchplatz von Olten» aus dem Jahr 1833, gemalt von Johann Christian Flury.

Belebte Strassenszene vor der Stadtkirche: Ausstellungsgemälde «Kirchplatz von Olten» aus dem Jahr 1833, gemalt von Johann Christian Flury.

Zur Verfügung gestellt

Als 1798 die Franzosen in die Schweiz einmarschierten, begrüssten dies die Oltner. Die Einwohner der damaligen Untertanenstadt der Republik Solothurn «feierten die Franzosen als Befreier», beschrieb es Stadtarchivar Marc Hofer an der am Samstagabend abgehaltenen Vernissage zur Sonderausstellung «Olten regiert sich selber!» von Stadtarchiv und Historischem Museum. Aufgrund des Umbaus in Letzterem wurde der Anlass im Kunstmuseum abgehalten. Die Zeit der Französischen Revolution und der damit verbundene französische Einmarsch in die Schweiz waren der Beginn politischer Entwicklungen, die letztlich zum Selbstregierungsrecht Oltens führten.

Bis zu dieser Selbstregierung brauchten die Oltner dann allerdings noch etwas Geduld. Die durch die französische Einflussnahme (Olten erreichten die Truppen Napoleons am 8. März 1798, nachdem Bern und Solothurn kapituliert hatten) ermöglichte Errichtung der Helvetischen Republik änderte die Machtverhältnisse zunächst nur kurzfristig. Während dieser Zeit (1798-1803) «durften die Gemeinden sich als ‹Munizipalitäten› neu konstituieren und selber verwalten», schreibt Hofer in den diesjährigen Oltner Neujahrsblättern.

 Arbeiten für die Sonderausstellung zusammen: Stadtarchivar Max Hofer (Mitte), Luisa Bertolaccini , Leiterin des Historischen Museums (links), und Kunstmuseumsdirektorin Dorothee Messmer.  

Arbeiten für die Sonderausstellung zusammen: Stadtarchivar Max Hofer (Mitte), Luisa Bertolaccini , Leiterin des Historischen Museums (links), und Kunstmuseumsdirektorin Dorothee Messmer.  

Lucien Rahm

Aufstände gegen Solothurn

So erlangte auch Olten neue Verwaltungsautonomie, die es jedoch zunächst zu überfordern schien. «Die Oltner Magistraten wurden bald Opfer von Parteistreitigkeiten, was zum kollektiven Rücktritt aller gewählten Behördenmitglieder im Mai 1802 führte», schreibt Hofer. Mit dem 1802 eingeleiteten Ende der Helvetischen Republik wurde Olten dann ohnehin wieder zur Stadt «ohne eigenständige Selbstverwaltung». Und nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wurde auch dessen für die Schweiz bis dahin geltende Mediationsverfassung wieder aufgehoben, und die alten Solothurner Patrizier richteten die vorrevolutionäre Ordnung im Kanton wieder her.

Dies nahmen die Oltner jedoch nicht ohne weiteres hin. 1814 kam es zu zwei Aufständen gegen die wiederhergestellte alte Solothurner Regierung, an welchem auch der spätere Bundesrat Josef Munzinger beteiligt war. Diese revolutionären Aktivitäten bewegten Solothurn letztlich dazu, Olten 1817 das Recht zur Selbstregierung zu erteilen. Olten erhielt somit seinen eigenen «Stadtrath», welcher die gerichtlichen und verwaltungstechnischen Aufgaben von nun an selbst übernahm.

Sonderausstellung:

«Olten regiert sich selber – 200 Jahre Selbstverwaltung»:
Bis 19. November 2017, Kunstmuseum Olten, www.historischesmuseum-olten.ch

Solothurn bestimmte weiter mit

Uneingeschränkte Autonomie war damit jedoch noch nicht verbunden. Nicht die Oltner Stimmbürger, sondern Solothurn bestimmte die Wahl von Amman, dessen Stellvertreter («Statthalter») und den zehn Gerichtssässen, welche alle mit der Bewerkstelligung des Gerichtswesens betraut waren. Die Solothurner Regierung wählte diese Amtsträger jeweils aus einem Dreiervorschlag aus. «Der Regierung nicht genehme Kandidaten konnten so ohne weiteres Aufsehen aussortiert werden», schreibt Hofer.

Immerhin durfte die Oltner Stimmbevölkerung jedoch bestimmen, welche sechs Personen den zehn Gerichtssässen zur Erledigung der Verwaltungsaufgaben beiseitegestellt wurden. Dieses Stimmrecht war allerdings lediglich privilegierten Oltnern – und sowieso keinen Oltnerinnen – gegeben. Zur Wahl berechtigt waren ausschliesslich Männer ab 24 Jahren, die «wirtschaftlich selbstständig und nicht bevormundet sind, nicht mit Verlust gepfändet wurden und nicht durch ein Strafurteil ihr Bürgerrecht verloren haben», wie es in der Museumsausstellung heisst.

Weitere Dokumente und Bilder

Die auf dem zweiten Stock des Kunstmuseums befindliche Ausstellung zeigt nebst originalen Urkunden wie der Kantons- und Bundesverfassung unter anderem diverse Gemälde der damaligen Oltner Protagonisten sowie das Protokoll des Verhörs Josef Munzingers, dem das Anführen der Aufstände 1814 zum Vorwurf gemacht wurde. Daneben steht das Feuerwehrwesen im Fokus, für dessen Organisation die Oltner Stadtverwaltung mit der Selbstregierung neu selber verantwortlich war.