Die Alpiq Holding AG (Alpiq) erzielte im ersten Halbjahr 2013 ein zufriedenstellendes Ergebnis; in Anbetracht des verkleinerten Geschäftsportfolios nach Devestitionen und der anhaltend schwierigen Marktbedingungen, versteht sich. Dies wurde an der Medienkonferenz vom Montag in Olten kommuniziert. Der Nettoumsatz im ersten Halbjahr 2013 betrug 4'791 Mio. Franken und das Ebitda 401 Mio. Franken. Dank des Devestitionsprogramms, der Hybridfinanzierung und des Mittelzuflusses aus Unternehmenstätigkeit konnte die Nettoverschuldung substanziell reduziert werden. Zudem wurde ein umfassender Strategieprozess lanciert, wie Alpiq-CEO Jasmin Staiblin gestern weiter ausführte.

Im ersten Halbjahr erzielte Alpiq einen konsolidierten Nettoumsatz von 4'791 Mio. Franken (Vorjahr: 6497 Mio.) und ein Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) von 401 Mio. Franken (Vorjahr: 468 Mio.). Das Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) beträgt 257 Mio. Franken (Vorjahr: 151 Mio.); der Gruppengewinn liegt bei 115 Mio. Franken (Vorjahr: –34 Mio.).

Erwartungen erfüllt

«Das erwirtschaftete Ergebnis entspricht unseren Erwartungen. Im ersten Halbjahr haben wir mit der Aufnahme eines Hybridkapitals von mehr als 1 Mrd. Franken unsere Finanzen gestärkt, die sich uns bietenden Marktchancen ergriffen, konsequent unsere Kosten gesenkt und einen umfassenden Strategieprozess lanciert», so Jasmin Staiblin. Letzterer wird aber erst Mitte des kommenden Jahres spruchreif sein, wie die Geschäftsführerin mehrfach betonte.

Dass sich der Energiekonzern in einem Umfeld mit zunehmend regulatorischen Unsicherheiten bewegt, (Energiestrategie des Bundes 2050, Subventionsfluss), die Strompreise markant nach unten driften (die Rede war von mehr als 20 Prozent gegenüber 2012) oder etwa steigende Überkapazitäten zu konstatieren sind, wurde ebenfalls nicht verschwiegen. Die sinkenden Strompreise schlagen allerdings verzögert durch, weil Verträge für künftige Lieferungen zu aktuellen Preisen abgeschlossen werden, wie Patrick Mariller, Finanzverantwortlicher Alpiq, zu verstehen gab.

Die Produktionsmenge aus neuen erneuerbaren Energien war deutlich höher. Positiv entwickelt hat sich auch das Grosshandelsgeschäft in Zentraleuropa sowie das Vertriebsgeschäft in Frankreich. Positive Wirkung haben die Einstellung des spanischen Vertriebsgeschäftes und deutlich bessere Ergebnisse in der thermischen Produktion in Spanien gezeigt. Zudem greifen die in 2011 und 2012 eingeleiteten Kostensenkungsmassnahmen. Im Vergleich zum Vorjahr etwa hat sich der Stellenetat um gut 3000 Einheiten verkleinert; 120 Stellen wurden auch in der Schweiz gestrichen.

Tiefere Vermarktungsmenge

Im Vergleich zu 2012 fiel die Vermarktungsmenge jedoch tiefer aus, was sich bremsend auf die Ergebnisse ausgewirkt hat. Gründe dafür waren die geplanten Instandhaltungsarbeiten in der nuklearen Produktion sowie im Vergleich zum Vorjahr tiefere Bezugsmengen aus Langfristverträgen an Schweizer Grenzen. Zudem führten die Investitionen zur Erhöhung der Sicherheit in der nuklearen Erzeugung zu höheren Gestehungskosten. Der Geschäftsbereich Energy Services liegt leicht unter dem Vorjahreswert; der Rückgang ist vor allem im internationalen Anlagenbau zu verzeichnen. Einmalige Auswirkung haben gerichtlich zugesprochene Entschädigungen für die 2009 unrechtmässig erhobenen Systemdienstleistungskosten in der Schweiz sowie Wertberichtigungen einzelner Projekte und Lieferverträge.

Substanziell reduziert

Durch die Weiterführung des Ende 2011 angekündigten Devestitionsprogramms hat Alpiq 2013 einen Mittelzufluss von 512 Mio. Franken erzielt. Dies wurde durch den Abschluss des Verkaufs der 24,6-Prozent-Beteiligung an Repower AG, die Veräusserung der Beteiligung an Romande Energie Holding SA und die Übertragung der Netzgesellschaften an Swissgrid AG erreicht.

Insgesamt wurde dank der Devestitionen bis dato ein Mittelzufluss von mehr als 1,2 Mrd. Franken erzielt. Die Nettoverschuldung konnte aufgrund dieser Devestitionen, der Hybridfinanzierung und des ansprechenden Mittelzuflusses aus der Unternehmenstätigkeit auf 2,2 Mrd. Franken reduziert werden (Vorjahr: 4 Mrd.). «Unser operatives Ergebnis zeigt, dass der Entscheid richtig war, sich von nicht-strategischen Beteiligungen und unrentablen Geschäften zu trennen. Daran halten wir fest», sagt Jasmin Staiblin. Der kontinuierliche Schuldenabbau wurde als eines der Hauptziele definiert.

Erwartungen nicht allzu hoch

Aufgrund des verkleinerten Geschäftsportfolios nach Devestitionen, regulatorischer Anpassungen, wie des kürzlich in Kraft getretenen spanischen Energiereformgesetzes, und des länger dauernden Stillstands des Kernkraftwerks Gösgen wegen des Einbaus eines neuen Generators rechnet Alpiq für das Gesamtjahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr mit einem tieferen operativen Ergebnis. 2012 waren dies 212 Mio. Franken.

Der Ausblick sei einerseits durch die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen schwer zu prognostizieren; die anstehenden Entscheide zur Finanzierung der Stilllegungs- und Entsorgungsfonds und der damit verbundenen Gestehungskosten zeigten dies. Andererseits sanken in der laufenden Berichtsperiode die Strompreise erneut, während sich Abgaben und Netzbeiträge erhöhten. «Sofern sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, wird dies negative Auswirkungen auf die Werthaltigkeit der Kraftwerkparks und die Profitabilität von Energieunternehmen haben», so Staiblin und Mariller, unisono. Jedenfalls zeigte der Ausblick fallende Tendenz bei Nettoumsatz, Ebitda, Ebit und Ergebnis. Im Gegensatz dazu stehen eine geringere Nettoverschuldung und eine steigende Eigenkapitalquote in Aussicht.

Strategieprozess gestartet

Aufgrund dieses herausfordernden Umfelds haben Geschäftsleitung und Verwaltungsrat von Alpiq im ersten Halbjahr 2013 einen umfassenden Strategieprozess gestartet. «Die Energiebranche befindet sich in der grössten Transformation, die der Sektor je durchlebt hat: Die Energiemärkte sind unter Druck und das regulatorische Umfeld ist unstet. Alpiq braucht deshalb eine klare mittel- und langfristige Neupositionierung. Im Laufe von 2014 werden wir unsere Neuausrichtung bekannt geben», sagte Jasmin Staiblin.