Wie am Freitag kurz nach 19 Uhr bekannt wurde, hat die Alpiq ihre Beteiligung an der Alpiq Versorgungs AG (Avag) zum Preis von 312 Millionen Franken verkauft. In Insiderkreisen war man von einem Verhandlungspreis zwischen 200 und 300 Millionen ausgegangen. Käufer ist ein Dreierkonsortium, bestehend aus der EBM Netz AG (Elektra Birseck AG), der sbo (Städtische Betriebe Olten) und der UBS-CEIS (UBS Clean Energy Infrastructure Switzerland).

Die EBM Netz AG hält 67 Prozent am Konsortium, die sbo deren 5 und die UBS-CEIS rund 28 Prozent. Die restlichen 3,3 Prozent der Aktien verbleiben bei 14 Konzessionsgemeinden der Avag. Das Vertragswerk wurde am Freitag unterzeichnet. Die Alpiq hatte im November 2015 bekannt gegeben, den Verkauf ihrer Beteiligung an der Avag zu prüfen. Die Verkaufssumme nutzt der Stromriese dazu, seine Nettoschulden zu reduzieren.

«Für die Mitarbeiter ändert sich mit der Übernahme überhaupt nichts, weil die Avag-Angestellten bereits in der sbo integriert sind. Es wird zu keinen Entlassungen kommen.» Dies sagte Ernst Zingg, Verwaltungsratspräsident der sbo, auf Anfrage. Man sei im Konsortium zuversichtlich, als eines der grösseren Stromversorgungsunternehmen bessere Preise für die Kundschaft herausholen zu können bei den Grosshandelspreisen. Und wie der ehemalige Oltner Stadtpräsident weiter ausführte: «Die sbo finanziert ihren Anteil von 15,6 Millionen Franken, ohne Schulden zu machen.»

Es gab ein Bieterverfahren

Der Verkauf der Alpiq Versorgungs AG war in einem Bieterverfahren zustande gekommen. «Wir haben die finanziell beste Lösung und das wahrscheinlich höchste Angebot berücksichtigt», sagte Alpiq-Mediensprecher Andreas Meier gestern auf Anfrage. Wie viele Angebote es effektiv gab, dazu wollte sich Meier nicht näher äussern.

Der Oltner Stadtpräsident Martin Wey meinte, der Preis liege wohl etwas über den je geäusserten Spekulationen. Er gab sich aber zufrieden mit dem Verhandlungsresultat und sah sich in der städtischen Eigentümerstrategie bestätigt. «Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit sind damit in guten Händen.» Man habe bewiesen, dass die regionalen Player gut vernetzt für Stabilität sorgen könnten.

Die Gemeindepräsidentenkonferenz Niederamt hat sich umgehend in einer Medienmitteilung zum Verkaufsabschluss vernehmen lassen. Man habe mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, dass der Verkauf der Avag an ein Konsortium mit inländischen Wurzeln erfolgt sei. Noch offen bleibe allerdings, was der Verkauf für die vierzehn Einwohnergemeinden im Niederamt bedeute, speziell auch für die vier Elektras Däniken, Dulliken, Obergösgen und Gretzenbach. «Die Gemeindepräsidentenkonferenz erwartet von der neuen Versorgungsgesellschaft weiterhin ein stabiles Stromnetz, eine sichere Stromversorgung auf allen Ebenen, Vermeidung und allenfalls rasche Behebung von Störungen, Ausbau und Unterhalt eines in allen Belangen modernen Netzes sowie niedrige Stromkosten für die Endkunden.» Dies das unmissverständliche Anforderungsprofil aus dem Niederamt.

Region muss wichtig bleiben

Im Zentrum der Interessen sei auch die Beibehaltung der Arbeitsstellen vor Ort. «Dabei denken wir nicht bloss an die ausführenden Tätigkeiten vor Ort, sondern auch an die Arbeitsplätze im Bereich Engineering, welche keinesfalls ‹hinter den Berg› abwandern sollten.» Auch im Beschaffungswesen soll die Region nach Ansicht der Gemeindepräsidentenkonferenz weiter zum Zug kommen. «Die neuen Mehrheitsaktionäre müssen die Verankerung in der Region bewusst weiter leben, damit sich die Versorgungsgemeinden auch langfristig hinter die neue Gesellschaft stellen können.»