Als sie vor einem Jahr ihre Stelle antrat, beschied ihr der «Blick», «den härtesten Job der Schweiz» zu haben. Jasmin Staiblin übernahm trotzdem das Steuer des schlingernden Alpiq-Konzerns. Erst letzte Woche gab sie bekannt, weltweit 200 Stellen zu streichen.

Am Mittwoch Abend hatte Alpiq-Chefin Staiblin am Energiepodium der Solothurner AEK einen ihrer seltenen öffentlichen Auftritte. Am Rande der Veranstaltung antwortete sie auf Fragen zur Situation in der Stadt Olten. «Selbstverständlich sehen wir, was dort passiert. Wir pflegen den Dialog mit der Stadt», sagte Staiblin.

Bevor Alpiq letzte Woche die Restrukturierungsmassnahmen kommuniziert habe, habe sie den Oltner Stadtpräsidenten persönlich informiert. «Wir kommunizieren offen mit der Stadt und dem Kanton und erklären, wo wir den Sparhebel ansetzen müssen und wo wir uns strategisch neu ausrichten wollen.»

«Wichtige Standorte in der Schweiz»

Zur Frage, wie viele Stellen in Olten vom Abbau betroffen sind, konnte sich Staiblin nicht äussern. Ihre Pressesprecherin verwies darauf, dass die Konsultation mit den Personalvertretern am Laufen sei. Möglichst viele Stellen sollen durch natürliche Fluktuation entfallen.

«Sowohl Olten wie auch Lausanne sind für uns wichtige Standorte in der Schweiz», bekräftigte Staiblin, stellte gleichzeitig aber auch klar, Alpiq müsse sicherstellen, dass es keine Doppelspurigkeiten innerhalb des Konzerns gebe. «Das können wir uns nicht leisten.»

«Für uns als Unternehmen ist es ganz wichtig, uns in Bezug auf Geografie und Portfolio zu diversifizieren», sagte Staiblin angesprochen auf die Oltner Finanzlage. Als Kritik an der Stadt wollte sie dies aber explizit nicht verstanden wissen. «Es steht uns überhaupt nicht zu, die Stadt zu kritisieren.» Alpiq äussere sich zu politischen Fragen grundsätzlich nur, wenn es um Rahmenbedingungen der Energiepolitik gehe.

«Die Bedingungen sind schwierig»

Nur ein Lächeln übrig hatte die Chefin des Milliardenkonzerns für die Frage, wann Alpiq wieder Steuern zahlen werde. «Die Wettbewerbsfähigkeit von Alpiq steht im Vordergrund.» Ihr primäres Ziel sei jetzt die Repositionierung im Interesse der Firma. Steuerabgaben wären eine logische Konsequenz.

«Die Bedingungen sind im Moment aber sehr schwierig», dämpfte Staiblin Erwartungen auf allzu schnelle Besserung. Allein im letzten Jahr sei der Strompreis auf den Grosshandelsmärkten um 25 Prozent gesunken. Durch Überkapazitäten, billigen Kohlestrom und Subventionen von Wind- und Sonnenenergie in Deutschland werde der Markt verzerrt und die für die Schweiz wichtige Wasserkraft dadurch geschwächt. «Die Rede ist immer wieder von einer Strom- beziehungsweise Energiewende.

Was wir jedoch brauchen, ist eine Klimawende und somit einen klimagerechten CO2-Preis», so Staiblin. Der Schaden für die Strombranche und somit für die Schweizer Volkswirtschaft sei beträchtlich, wenn man mit Wasserkraft kein Geld mehr verdienen könne.

Keine Investitionssicherheit mehr

Kritik übt die Konzernchefin auch an den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen, die viel Unsicherheit bergen würden. «Die Investitionssicherheit ist nicht mehr da. Die gesamte Branche fährt Investitionen zurück.»

Als Bereiche, in denen sich Alpiq vermehrt engagieren will, nannte Staiblin unter anderem die Energieeffizienz, die Elektromobilität und den Dienstleistungsbereich. Wichtig werde für den Konzern künftig das Retailgeschäft und der damit verbundene Zugang zu Kunden – etwa in Zusammenarbeit mit Partnern wie der AEK. «Wir werden den Zugang zu den Endkunden ausbauen», so Staiblin.