Ist Alphornunterricht musikschultauglich? Propagandaarbeit für dieses symbolträchtige Instrument leistet die Schaffhauserin Lisa Stoll, das minderjährige Alphornsternchen am Schweizer Volksmusikhimmel, welches im Alter von zehn Jahren die Liebe zum Alphorn entdeckte. Sollte Lisa etwa nicht ein paar «Gschpänli» bekommen?

In Laupersdorf jedenfalls hat sich der Gemeinderat dafür entschieden, den Antrag von Musikschulleiter Walter Vonarburg zur Schaffung eines Alphornunterrichts abzulehnen (vgl. OT-Ausgabe vom Mittwoch). Nach Aussage vom Vizepräsidenten des Gemeinderates, Dieter Bruttel, waren folgende Umstände der Beweggrund für das Nein: «Dieser Entscheid richtet sich weder für noch gegen das Alphorn. In erster Linie müssen die Kosten im Rahmen gehalten und wenn möglich reduziert werden. Die Musikschule Laupersdorf bietet ein sehr breites Fächerangebot an, was auch schon so teuer zu stehen kommt.»

Gemeinde steht dem Vorhaben nicht im Weg

Jedoch bedeute der Entscheid nicht das Ende dieser Angelegenheit. Bruttel empfiehlt, dass die Musikschule im Hinblick auf die nächste Fächerausschreibung die Bedürfnisse der Schüler und Schülerinnen im Vorfeld aufnehmen solle. Falls aus der Bedarfsabklärung ein grösseres Interesse für den Alphornunterricht resultiere, könne dieser zulasten eines anderen Faches in die Reglemente aufgenommen und die Ausschreibung angepasst werden.

«Die Gemeinde steht dem Vorhaben von Herrn Vonarburg sicherlich nicht im Wege, wenn er das nächste Mal auf diese Weise vorgeht und auch die Bereitschaft äussert, ein anderes Fach aufzugeben. Schliesslich soll die Musikschule auch mit einer gewissen Freiheit agieren können.»

Musikschule rentiert finanziell nie

Auf Anfrage dieser Zeitung betont Initiant Walter Vonarburg, dass das Instrument momentan einen Boom erlebe und bei den verschiedensten Veranstaltungen, wie beispielsweise Schwing- oder Turnfesten und Berggottesdiensten, eine stetige Präsenz verzeichne. Deshalb sei ein solches Angebot notwendig. Reicht denn das bisherige Angebot seiner Meinung nach nicht aus? Und würde mit der Einrichtung eines neuen Unterrichtsgefässes das Budget nicht strapaziert? «Für mich ist es wichtig, dass das Instrument als vollwertig angesehen wird und deswegen auch unterrichtet werden sollte», so Vonarburg.

Seiner Meinung nach rentiere die Musikschule, welche vorwiegend von der Gemeinde subventioniert werde, aus finanzieller Sicht nie. Hingegen umso mehr aus der Sicht jedes einzelnen Schülers, ist Vonarburg überzeugt. «Schliesslich geht es um die Abwägung, wie viel grundsätzlich in Bildung investiert werden soll.» Darum werde er den Antrag für das nächste Schuljahr nochmals stellen.

Der Exote Alphorn

Doch welchen Stellenwert nimmt dieses Schweizer Nationalsymbol in anderen Musikschulen der Region ein? Barbara Zamarian, Leiterin der Musikschulen Gäu und Oensingen/ Kestenholz vertritt einen ähnlichen Standpunkt wie Vonarburg. Sie stehe für Vielfältigkeit ein, weshalb auch so viel wie möglich angeboten werden solle. «Oft werden solche Fächer auf politischer Ebene aufgrund der verursachenden Kosten als ‹Exoten› bezeichnet, was ich sehr schade finde.»

Die Musikschule Gäu sei sehr offen für eher randständige, eben exotische Musikinstrumente und versuche in diesen Fällen auch ausserschulische Lösungen zu finden. Doch eine konkrete Anfrage nach Alphornunterricht habe sie noch nie verzeichnet. Gäbe es hingegen mehrere Anfragen, so würde man für die Interessierten entsprechende Strukturen schaffen.

Regionale Zusammenarbeit

Ein bisschen anders sehe die Situation in der Musikschule Oensingen/ Kestenholz aus: Die zuständige Kommission stehe den oben genannten Exoten kritisch gegenüber. Auf jeden Fall fände es Barbara Zamarian sehr sinnvoll, wenn die Musikschulen der Region vermehrt zusammenarbeiten würden. Beispielsweise könnte Alphornunterricht an einem einzigen Standort angeboten werden, der für alle interessierten Schüler der Partner-Musikschulen offen wäre. «Dadurch wäre nur eine Anstellung nötig und man könnte die Schüler bündeln.» Zamarian stellt ausserdem noch die interessante Vermutung auf, dass bei geschaffenem Angebot vielleicht auch eine Nachfrage aufkommen würde.

Angebot folgt Nachfrage

Diesem Standpunkt diametral entgegengesetzt steht die Haltung von Sabine Eleganti, Präsidentin der Musikschule Obergösgen: «Zuerst soll die Nachfrage bestehen, dann wird auch ein Angebot geschaffen.» Vonarburgs Argumentation der Notwendigkeit einer Förderung aufgrund des Status als «schweizerisches Nationalinstrument» bezeichnet sie als «schräg».

Das Prinzip Angebot und Nachfrage sei ausschlaggebend, lässt sie verlauten. An ihrer Musikschule habe bis jetzt noch keine Person nach Alphornunterricht verlangt, lediglich eine Lehrperson habe sich schon einmal danach erkundigt. Eleganti fügt hinzu, dass vor der Realisierung zudem noch einige Punkte im Voraus abgeklärt werden müssten: «Unter anderem geht es um die dafür benötigte Infrastruktur aufgrund möglicher Lärmbelastung.»

Alphorn soll zweite Geige spielen

Auch in Niedergösgen habe noch niemand Interesse am Alphornunterricht bekundet, wie Musikschulleiter Thomas Maritz aussagt. Er sei offen für neue Ideen und stehe auch für eine breite Palette an angebotenen Instrumenten ein. Jedoch äussert er die Zweifel, ob ein Alphorn aufgrund seiner Grösse für Kinder geeignet sei.

Hingegen könne er sich ein kombiniertes Lernen von einem Blechblasinstrument und Alphorn vorstellen: «Zuerst könnten die Kinder ein Blechblasinstrument erlernen und später Alphorn als Nebeninstrument spielen.» Auf jeden Fall müsste die Schaffung eines Angebotes im Falle einer vorhandenen Nachfrage diskutiert werden, stellt er klar.

Experimentierfreudige Lehrer treffen auf spärliche Nachfrage

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch Sandra Rupp Fischer, Leiterin der Musikschule Olten: «An unserer Musikschule gibt es kein spezifisches Angebot für Alphorn. Unsere Musiklehrerinnen und -lehrer ermöglichen den Schülerinnen und Schülern innerhalb ihres Fachbereiches musikalisch vielseitige Erfahrungen und leichte Zugänge, indem die Kinder und Jugendlichen auch auf «verwandten» Instrumenten musizieren können.» In diesem Rahmen bestehe auch die Möglichkeit, Alphorn zu spielen.

Offensichtlich scheint die spärliche Nachfrage dem Projekt im Weg zu stehen, korreliert negativ mit den grösstenteils experimentierfreudigen und offenen Musikschulleitern. Folglich bleiben die Alphörner vorerst ein lediglich peripherer Aspekt im Musikschulunterricht. Lisa muss sich noch ein bisschen gedulden.