Olten

«Alles ist ein bisschen einsamer geworden»

Walter Bucher mit dunklen Weinflaschen, verziert mit Blumenmotiven.

Walter Bucher mit dunklen Weinflaschen, verziert mit Blumenmotiven.

Walter Bucher ist auch mit seinen 90 Lenzen noch immer täglich in der Oltner Galerie Au Tresor anzutreffen.

Seit 37 Jahren betreiben Walter Bucher und Margot Todisco ihre Galerie und ihren Rahmungsbetrieb Au Tresor an der Leberngasse 5 in Olten. Und nun feierte Walter Bucher vergangenen Montag seinen 90. Geburtstag.

Für jeden, der ihm gegenübersitzt: fast nicht zu glauben. Er sieht immer noch gleich vital aus und erzählt, dass er und seine Geschäftspartnerin die Oltner Bevölkerung und alle Interessierten im Sinne eines Dankeschöns zu einem Apéro am 8. Dezember von 10 bis 20 Uhr in die Galerie einladen möchten. Diese Einladung sei zugleich die Vernissage seiner Flaschenkunst, die er präsentieren möchte und die ihm beim Gestalten so viel Freude bereite.

Malbegabung entdeckt

Es sind dunkle, leere Weinflaschen, die er mit Blumenmotiven bemalt, wunderschön formuliert. Man hat das Gefühl, die Blumen begännen zu duften. Bucher hat seine Malbegabung erst im hohen Alter entdeckt, vorher verlor er sich in der Tätigkeit des Einrahmungsgeschäftes, wobei sich Margot Todisco bis heute sich auf das Ausstellen und Einrichten versteht, und dies mit viel künstlerischer Begabung, die sie sich schon im Elternhaus aneignete, praktiziert.

Zusammen schufen sie ein Werk, das Akzente setzte, in der Stadt, unter Kunstschaffenden, unter Kunstsammlern. Vorerst begann alles im kleinen Rahmen, völlig bescheiden an der Klarastrasse, dann an der Martin-Disteli-Strasse und seit 2001 an der Leberngasse 5; ein bisschen versteckt im Untergrund, aber voller Zauber in der Ausstrahlung mit dem vorgelagerten Sitzplatz und den grossen Fenstern.

Rahmengeschäfte weniger gefragt

Fragt man Walter Bucher, was sich heute in seiner Arbeit in der Stadt geändert hat, so meint er mit einem Hauch von Resignation: «Einiges.» Man brauche die Rahmengeschäfte nicht mehr wie früher. «Die Leute decken sich oft an anderen fabrikähnlichen Orten mit Leinwand, Holzgestell, Farben und anderen Requisiten ein», sagt Bucher und bedauert: «Schade, weil dadurch ein Stück lebendige Kultur in der Stadt verloren geht.»

Die Einrahmungsgeschäfte, oft mit einer Galerie verknüpft, hätten viele Kunstinteressierte angezogen, man hätte Handel unter der Hand betrieben, Gedanken und Ideen ausgetauscht und viel zum Kunstbetrieb beigetragen, auch mit internationalen Kunstschaffenden. «Jetzt ist alles ein bisschen einsamer geworden, und dies nicht einfach, weil man älter ist, sondern weil sich die Einkaufsgewohnheiten völlig verändert haben», meint der 90-Jährige.

Spannendes Wirken

Doch sein Leben, seine Tätigkeiten spezialisiert auf Einrahmungen, die Arbeit in der Galerie mit seiner Geschäftspartnerin seien spannend gewesen, und seien es auch heute noch. Und beide freuen sich auf jeden Besucher, der die Galerie betritt und ein Anliegen hat. Ein Leben ohne dieses Umfeld, ohne Bilder an den Wänden, ohne Kunst könnte er sich nicht vorstellen. Vielleicht sei dies alles das Geheimnis seines hohen Alters und seiner inneren Zufriedenheit, sinniert Bucher zum Schluss.

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