Olten

Alles geschieht ohne ein rechtskräftiges Budget

Die «Frozen Crocodiles» mit Ita Müller (links) und Fiona Lehmann heizten der Apérogesellschaft ein.

Die «Frozen Crocodiles» mit Ita Müller (links) und Fiona Lehmann heizten der Apérogesellschaft ein.

Einen pointierten Anlass in musikalischer wie politischer Hinsicht gabs für die Gäste des Neujahrsapéros. Trotz drückender Finanzlage gab man sich optimistisch und feierte nebenbei mit den «Frozen Crocodiles» auch noch eine heimische Jugendband.

Knapp anderthalb Stunden dauerte die formelle Neujahrsfeier; und zwar in selten erlebter Kurzweiligkeit. Das hatte zwei Gründe. Zum einen sorgten die «Frozen Crocodiles» unter Roman Wyss, ganz entgegen ihrem Namen, für aufgetaute Herzen und lockere Stimmung im grossen Saal des Stadttheaters, wo der Neujahrsanlass der Stadt Olten jeweils über die Bühne zu gehen pflegt.

Zum andern gabs schon zum Auftakt des Anlasses pikante humorige Bemerkungen. Logisch: zur finanziellen Situation der Stadt; und zwar in selten gehörtem und wohltuendem «Zynismus light» aus offiziellen Kreisen und Mündern.

Anders jedenfalls lässt sich die Bemerkung von Stadtschreiber Markus Dietler nicht interpretieren. Der Anlass mit Tradition finde trotzdem statt, meinte er bei seiner Begrüssung. Und schob zur Präzisierung nach: «Alles ohne ein rechtskräftiges Budget.» Lachen in der vielköpfigen Neujahrsgesellschaft, welche verstand. Eine Anspielung auf das heute Freitag erwartete Referendum gegen den vom Parlament beschlossenen Voranschlag 2014.

Auf Normalnull angekommen

Später ging Stadtpräsident Martin Wey in seiner Neujahrsansprache nur noch kurz explizit auf diese Situation ein. Olten sei ohne Steuergelder der Alpiq im Normalbereich angekommen.

Damit sei nun umzugehen. Er wolle die Volksrechte – und damit meinte er das Referendumsrecht – nicht kommentieren. Aber er wies schon auf die schwierige Situation hin, in welche die Stadt durch eine allfällige Annahme der Vorlage geraten könnte: «Sollte das Budget 2014 an der Urne verworfen werden, kann dies zu einer Blockade der Stadt führen.»

Im Weiteren warnte Wey vor der Verfechtung von Partikularinteressen und liess durchblicken: Auch sparen ist eine Gemeinschaftsleistung und könne zu grösserer Verbundenheit untereinander beitragen. Sein Wort in Gottes Ohr. Daneben sei Olten, so Wey – jenseits der angespannten Finanzsituation – dennoch eine Stadt im Aufbruch: Fachhochschule, Kirchgasse, ERO. Grundlagen erhoffter Prosperität in naher wie in ferner Zukunft.

Ab nach den USA

Wie eingangs erwähnt: Der sehr gut besuchte Anlass war auch gespickt mit tollen Rhythmen, geglückten Arrangements und zwei Sängerinnen, die dem Gig der «Frozen Crocodiles» die Sahnehaube aufsetzten. Ita Müller und Fiona Lehmann hätten zusammen mit den übrigen «Gefrorenen» mit Bestimmtheit für befreite Hüften gesorgt, wäre das Publikum nicht gesessen.

Die «Frozen Crocodiles» jedenfalls sorgten für eine musikalische Entführung in die USA: Unter den Nummern stachen «Sweet Home Alabama» aus der Feder der US-amerikanischen «Southern Rock»-Band Lynyrd Skynyrd, aber auch «Proud Mary», besser bekannt unter «Rolling on the River», hervor. Und manch einer hätte sich noch das Cover einer Bruce-Springsteen-Nummer gewünscht, wie sich später beim Apéro im Konzertsaal unschwer feststellen liess. «Born in the U.S.A.» etwa wäre dann aber wohl doch ein bisschen zu viel des Guten gewesen; bei all dem leicht aufrührerischen Geist, der unter den Glückwünschen leise mitschwang.

In Olten ist doch noch mehr «Rolling on the River» angesagt. «Es muss ja nicht zwingend gegen den Strom sein», wie einer aus der Gesellschaft meinte.

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