Nach dem gewitterhaften Montag war zu befürchten, dass die Serenade des Stadtorchesters Olten wie schon oft, wieder im Stadtsaal stattfinden müsste. Zunehmend heiterte sich der Himmel aber gegen Abend auf und so fand der ungarische Sommerabend bei angenehmen Temperaturen und ohne störende Windstösse auf dem Ildefonsplatz statt.

Kurz vor dem Konzert wurde auch klar, dass wohl kein WM-Hupkonzert zu erwarten war. Somit blieb die Turmuhr als alleiniger Störfaktor übrig, die sich dafür zwei Mal frech unter die Trompeten mischte.

Schönes Trompetensolo

Franz Dopplers Instrumentierung der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt begann mit einem schönen Trompetensolo in tiefer Lage. Virtuose Kadenzen der Klarinette und der Violine setzten Glanzpunkte. Die temperamentvolle und einfühlsame Interpretation des Dirigenten Andrè Froelicher mit den vielen geforderten Tempo- und Stimmungswechseln war für das Stadtorchester im rhythmischen Zusammenspiel nicht immer einfach umzusetzen. Besonders schön agierten die Holzbläser im Vivace, pizzicato unterstützt von den Streichern. Das Orchester steigerte sich zu einem klangvollen Finale.

Die vom Wiener Hoftrompeter Anton Weidinger gebaute Klappentrompete erlaubte es dem Spieler erstmals, nicht nur Naturtöne wie ein Alphorn, sondern alle Töne der chromatischen Tonleiter zu spielen. Joseph Haydn war begeistert von den neuen Möglichkeiten dieses Instrumentes und schrieb dafür 1796 sein Trompetenkonzert. Mit Trillern und schnellen Läufen gespickt, die auf herkömmlichen Trompeten nie möglich gewesen wären, erregte dieses Meisterwerk damals riesige Aufmerksamkeit. Johann Nepomuk Hummel, Haydns Nachfolger als Hofkapellmeister beim Fürsten Esterházy, schrieb sieben Jahre später für den gleichen Trompeter ein neues Werk, das dieselben technischen Finessen aufweist. Beide Stücke gehören heute zum Standardrepertoire der Trompetenvirtuosen.

Mit viel Gefühl

Der Aargauer Trompeter Christian Bruder wurde vom Orchester aufmerksam begleitet. Er interpretierte Hummels Trompetenkonzert mit viel Gefühl im zweiten Satz. Sauber und problemlos wurden auch die virtuosen Ecksätze gemeistert, was das Publikum mit grossem Applaus verdankte.

Im 19. Jahrhundert war die romantische Musik geprägt von nationalen Einflüssen. Besonders beliebt war damals die ungarische Zigeunermusik. Die Erfolge von Franz Liszt inspirierten auch den Hamburger Komponisten Johannes Brahms. Seine Ungarischen Tänze, ursprünglich als vierhändige Klavierstücke geschrieben, waren so populär, dass sie von verschiedenen grossen Musikern als Orchesterwerke instrumentiert wurden. André Froelicher ist in dieser Musik offensichtlich in seinem Element. Stilsicher wechselt er die Tempi. Mal schwelgend, mal tänzerisch, mal energisch wird das ganze Potenzial dieser Musik ausgeschöpft.

Im Ungarischen Tanz Nr. 4, vom Schweizer Paul Juon instrumentiert, fiel das Piccolosolo mit der Staccatobegleitung auf, eine unorthodoxe Mischung, die sauber interpretiert wurde. Besonders schön waren auch die Nummern 6 und 5, beide im klassischen Stil orchestriert von Martin Schmeling. Der kurze Tanz Nr. 7 brachte die Oboe charmant zur Geltung, der Schwede Andreas Hallén hat dies instrumentiert. Vom grossen böhmischen Komponisten Antonin Dvorák stammen die Instrumentationen der folgenden Tänze. Nr. 17 in fis-moll zeigte ein feines Zusammenspiel der Oboen und der Fagotte, während im ruhigeren Tanz Nr. 20 klagende Violinen den Ton angaben. Als Schlusspunkt wurde der Ungarische Tanz Nr. 1 gesetzt. Von Brahms selbst meisterhaft instrumentiert, blühte hier das Orchester noch einmal voll auf. Zur Freude des begeistert applaudierenden Publikums wurde der wohl beliebteste Ungarische Tanz Nr. 5 wiederholt.