Maturaarbeit

«Alle Stricke in den Händen zu halten ist eine vielseitige Herausforderung»: Junge Oltnerin inszeniert Theaterstück

Sina Wilhelm im Theaterstudio, wo ihr Stück heute Abend Premiere hat.

Sina Wilhelm im Theaterstudio, wo ihr Stück heute Abend Premiere hat.

Sina Wilhelms grosse Leidenschaft ist die Bühne. Deshalb inszeniert die 18-jährige Kantischülerin aus Olten im Rahmen ihrer Maturaarbeit ein Theaterstück.

Als vierjähriges Mädchen reiste Sina Wilhelm erstmals ins Theaterlager. Jetzt steht die Oltnerin erstmals als Regisseurin und Produzentin hinter dem Lichtpult.

Damals, im Lager, stand sie eine halbe Minute auf der Bühne, wie sie erzählt. Weil Mama Mirella kochte und ihr älterer Bruder Lino auf der Bühne stand, blieb ihr nichts anderes übrig als mitzugehen. Spätestens nach acht Theaterlagern war Sina Wilhelm vom Theatervirus infiziert. Es folgten zwei Teilnahmen beim Theater JUcKT, eine kleine Tournee mit dem Stück «Die unendliche Geschichte», ein Auftritt mit der Kanti-Theatergruppe Phare und im vorletzten Sommer schlüpfte sie bei «Romeo und Julia» auf Schloss Falkenstein in eine Rolle.

Schön sein um jeden Preis

«Beim Theater erlebte ich Gruppendynamik, welche du sonst nirgends findest», sagt Sina Wilhelm. Deshalb entdeckte sie eine grosse Leidenschaft für die Bühne. Im vergangenen Frühsommer entschied die 18-Jährige, im Rahmen der Maturaarbeit ein Theaterstück zu inszenieren. Von der Adaption über die Regie bis zur Produktion. «Alle Stricke in den Händen zu halten ist eine vielseitige Herausforderung», sagt die Oltnerin.

Sina Wilhelm begab sich noch vor den Sommerferien auf die Suche nach einem Buch. Ihre Wahl fiel auf «Das Bildnis des Dorian Gray», den einzigen Roman von Oscar Wilde. Dorian Gray äussert in dieser Geschichte einen folgenschweren Wunsch: Sämtliche sichtbaren Zeichen von Alterung und Sünde übertragen sich auf ein Porträt und ermöglichen dem Protagonisten ewige Jugend. Beeinflusst von seinem Freund Henry Wotton führt Dorian Gray ein ausschweifendes Leben. So unversehrt Grays Gesicht ist, so zerrissen ist seine Seele.

Einzig Henry Wotton findet Gefallen daran, Dorians Kampf zwischen Moral und Unmoral zu studieren. Wotton führt ihn immer tiefer in den Abgrund. «Es ist eindrücklich zu sehen, wie ein Mensch alles um sich vergisst und kaputt macht, um jung und schön zu bleiben», sagt die Neo-Regisseurin.

Sina Wilhelm im Theater-Studio Olten, wo die Inszenierung am Mittwochabend Premiere feiert.

Sina Wilhelm im Theater-Studio Olten, wo die Inszenierung am Mittwochabend Premiere feiert.

Nachdem Sina Wilhelm die Zusage ihrer fünf zwischen 18 und 29 Jahre alten Schauspieler hatte, begann sie die Geschichte für die Bühne zu adaptieren. Während der Sommerferien analysierte sie Spannungsverläufe und Figurenkonstellationen, aktualisierte den gesellschaftlichen Rahmen. «Die Botschaft bleibt die gleiche, die zentralen Aussagen sind immer noch drin», sagt Wilhelm. «Ihren» Dorian Gray inszeniere sie eher modern und zeitlos. Das Bühnenbild sei sehr reduziert, die Theaterform beinhalte viel Bewegung: «Ich will kein statisches Dialogtheater.»

Trotz intensiver Vorbereitung sei sie ihres Stücks nie müde geworden. Nach bald vier Monaten Probezeit kommt für Sina Wilhelm der grosse Tag. Viel Zeit für Genuss bleibt der Maturandin nicht. Ihre Regiearbeit ist zwar getan, nun wartet die Produktion. Und bei ihrer Inszenierungspremiere am Mittwochabend im Theaterstudio Olten rückt sie ihre Schauspieler gleich noch selbst ins rechte Licht.

Theaterstudio Olten, «Das Bildnis des Dorian Gray», Mittwoch/Donnerstag, 13./14. Dezember, Beginn um 20.15 Uhr, Eintritt frei, Kollekte. Reservationen unter: sina.wilhelm@kantiolten.ch

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