Wie aus Beton gegossen wirkte die Eröffnung damals, wie in Stein gehauen: Die Rede ist von der Kick-off-Veranstaltung im November letzten Jahres. Die Zeit der neuen, strukturierten Jugendarbeit im einstigen «Provisorium 8» hatte damit begonnen. Nun hiess die Idee «Garage 8» und «Jugendwerk Olten» und schien auf guten Wegen: Die 152 000 Franken seien im Budget aufgenommen, so die zuständige Stadträtin Iris Schelbert damals gegenüber dieser Zeitung. Aufgenommen schon. Bloss das Budget fiel durch und mit dem montäglichen Entscheid des Stadtrates, mit dem Notbudget auch im zweiten Quartal die Jugendarbeit nicht mit den notwendigen finanziellen Mittel ausstatten zu können (siehe Ausgabe vom 3. April), wird die Bremsspur der einst so hoffnungsvoll lancierten Idee länger und länger.

Totalausfall der Jugendarbeit

Was aber bedeutet nun dieser Ausfall konkret? Gibt’s aktuell überhaupt noch eine Jugendarbeit bis zum 1. August? Sind die Räumlichkeiten für andere private Nutzer noch zugänglich? Welches sind die Auflagen vom Amt für Wirtschaft und Arbeit, damit eine Betriebsbewilligung erteilt werden kann?
Die eine Frage beantwortet Iris Schelbert heute frontal: «Nein, derzeit ist keine Jugendarbeit in irgendeiner Form möglich.» Der Stadtrat habe im Vorfeld der Diskussion um das Budgetreferendum zwar von der Möglichkeit eines reduzierten Angebots gesprochen, infolge der Kurzfristigkeit der Lösung aber schliesslich davon abgesehen, zumal auch noch Auflagen des Amts für Wirtschaft und Arbeit zu erfüllen seien, damit der Betrieb im Eventlokal «Garage 8» überhaupt aufgenommen werden kann. «Die Situation ist im Moment wirklich nicht einfach», so Iris Schelbert. Immerhin: Ab 1. August 2019 soll die mobile und projektorientierte Jugendarbeit wieder aufgenommen werden, fussend auf einer einjährigen Leistungsvereinbarung. Ab 2021 soll ein Vertragswerk über drei Jahre gelten.

Tiefe sechsstellige Summe nötig

Bezüglich der baulichen Auflagen des Amtes für Wirtschaft und Arbeit meint Kurt Schneider, Leiter Direktion Bau: «Die Instandstellung der Räumlichkeiten für die Jugendarbeit an der Rötzmatt 8 lösen Investitionen im niedrigen sechsstelligen Bereich aus. Die Nutzflächen umfassen ca. 600 m2 im Nordwestflügel der Baute auf drei Geschossen.» Da das Betriebskonzept des Jugendtreffs einen Eventraum im Erdgeschoss Rötzmatt beinhaltet, setzt dieser eine gewisse Infrastruktur wie Elektroinstallation, Installation einer Bar, Instandstellung der WC-Anlage, Immissionsschutzmassnahmen, Unterhalt an Oberflächen wie Boden, Wände und Decken voraus. Zudem sind im 1. und 2. Stock die Räumlichkeiten durch Modernisierung sicherer zu machen, sprich Bodenbelag, Wände, Sanitär- oder Kücheneinrichtung. «Diese Massnahmen sind erforderlich, da die im Jahr 2008 erfolgten Investitionen auf sehr niedrigem Ausbaustandart beruhten und nach der intensiven Nutzung für einen Betriebsstart Sanierungsarbeiten erforderlich sind», so Schneider weiter. Und: Die Infrastruktur werde aus Kostengründen auf einen eingeschränkten Ausbaustandart und eine Betriebszeit von rund zehn Jahren ausgelegt.

Und was sagen die Betreiber der offenen Jugendarbeit? «Grundsätzlich bedauern wir die aktuelle Situation sehr», sagt Lukas Vogt, Co-Geschäftsführer des Vereins für Jugend und Freizeit (VJF), welcher die Jugendarbeit im Auftrag der Stadt betreibt. Das Potenzial in Olten sei sehr gross. «Seit wir in der Stadt tätig sind, erfahren wir von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie auch von weiteren Schlüsselpersonen sehr viel positive Resonanz.» Auch die Zusammenarbeit mit der Direktion Bildung und Sport sei sehr konstruktiv. Der VJF setze alles daran, für diese Übergangszeit eine gute Lösung für die im Auftrag des VJF tätigen Angestellten des Jugendwerk Olten zu finden. Und: «Wir sind zuversichtlich, dass wir im August 2019 wieder gestärkt weiter fürs Jugendwerk Olten arbeiten können.»

Was geschieht mit Nebennutzern?

Neben der Jugendarbeit halten sich auch Mitnutzer in den Räumlichkeiten an der Rötzmatt 8 auf. Eine Theatergruppe, eine Band, Nutzende des Fotolabors. Wie weit sind diese von der Sistierung der Jugendarbeit betroffen? «Dies werden wir in den nächsten Wochen klären», sagt Thomas Küng, Leiter Direktion Bildung und Sport, auf Anfrage. Und nennt als Sticktag den 24. April. Als primäre Zielgruppe sieht das Konzept Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren vor. Und in der Jugendkultur sollen junge Erwachsene bis 25 Jahre mitwirken können. «Allem voran stellt sich die Frage, wer mit welchen innovativen oder kreativen Ideen neu hinzukommt und durch die Profis der Jugendarbeit gecoacht und unterstützt werden kann », sagt Küng.