Wer in Olten mit dem Auto vom Bahnhof über die Tannwaldstrasse zur Haslistrasse fährt, wird gebüsst. Genauso wie die Autofahrer, die von der Haslistrasse über die Tannwaldstrasse eine virtuelle Schwelle zum Bahnhof passieren. Seit gut drei Jahren herrscht an der Tannwaldstrasse grundsätzlich Fahrverbot.

Der gestattete Zubringerdienst erlaubt vom Bahnhof her nur die Durchfahrt bis zur Tannwaldstrasse 129, von der Haslistrasse her auch nur bis zur Tannwaldstrasse 70. Von der Südseite der Aare her ist die Haslistrasse mit dem Auto also legal gar nicht zu erreichen.

«Die Sperrung hatte enorme Auswirkungen auf unser Geschäft», sagt ein Gewerbetreibender an der Haslistrasse. Der rund 80-prozentige Kundenrückgang seit drei Jahren schliesst er auf die neue Verkehrsregelung zurück. «Wird ein Kunde gebüsst, wenn er zu dir kommt, dann kommt er bald nicht mehr.» Auch er werde bei der Durchfahrt gebüsst, obwohl sein Lokal an der Haslistrasse steht. Der Umweg über die Industriestrasse sei für seine Kunden und ihn sehr umständlich. Vor allem bei starker Verkehrsbelastung.

«Das Verbot an sich würde ich am Abend insofern akzeptieren», sagt er. Aber dass auch während des Tages das Verbot auf der Tannwaldstrasse herrscht, könne er nicht nachvollziehen. Am sinnlosesten sei die Verkehrsregelung abends. Dann erreicht man die Haslistrasse nicht mal mehr über die Industriestrasse. Dort herrscht ab 20 Uhr Fahrverbot.

Der einzige erlaubte Weg zur Haslistrasse bleibt dann jener über die Altola-Kreuzung. «Das ist eine Schweinerei», sagt der Gewerbetreibende. Er habe viele Kunden, die ihr Auto erst nach 20 Uhr abholen würden. Der Umweg sei den meisten seiner Kunden kaum bekannt und zudem zu umständlich. Viele riskieren deshalb eine Busse. «Das darf doch aber nicht sein, dass sich Kunden strafbar machen müssen, wenn sie mich erreichen wollen», sagt er enttäuscht und wütend zugleich.

Als die Stadt das Verbot im Jahr 2013 installierte, hätten seiner Meinung nach zumindest die Gewerbetreibenden der Haslistrasse quasi mit einem Anwohner-Status eine Sonderbewilligung erhalten sollen. «Automatisch und kostenlos», betont er. Auch Kurt Jeisy von CTP-Jeisy, dessen Plakatdruck-Firma an der Haslistrasse liegt, findet es nicht richtig, dass sie nicht gleich gratis eine Durchfahrtsbewilligung erhalten haben. Bis jetzt hat keiner der beiden bei der Stadt einen Antrag für die Erlaubnis gestellt. «Ich bin in diesem Fall aus Prinzip dagegen, eine Gebühr zu zahlen», sagt Jeisy. Obwohl er das Verbot an der Tannwaldstrasse als sehr mühsam empfindet.

Sein Geschäftspartner sei in Aarau. Um ihn zu erreichen, müsse er über Schönenwerd auf die Autobahn. Sein Weg verlängert sind mal weniger und mal mehr als 10 Minuten. Auch wenn er seine Lieferungen zur Post bringt, muss er über die Stadt fahren und bleibt oft im Stau stecken. «Wenn ich mal mit der Zeit knapp dran bin, verpasse ich deswegen die Abgabefrist. «Dieses Verbot ist wirklich ein Witz», so sein Fazit.

Auch das Abhollager der Metallhandelsfirma Rekag hat die Sperrung der Tannwaldstrasse zu spüren bekommen. Nach Standortleiter Mario Müller gab es deutliche Einbussen. Zudem hätten sich Kunden schon oft wegen des Zeitverlusts oder Bussen beklagt.

Nur zwei haben Erlaubnis

Eine Durchfahrtsbewilligung für die Tannwaldstrasse haben laut Stadtschreiber Markus Dietler derzeit nur zwei Firmen: die R. Nussbaum AG und die Euböolithwerke AG. Wobei der Stadtrat auf ein Gesuch hin den Kunden und Lieferanten der Firma Nussbaum AG auch gleich die Durchfahrt erlaubt hat. Wie kamen die beiden Firmen aber überhaupt zu der Berechtigung? Beide Firmen haben Standorte, die durch die Tannwaldstrasse verbunden werden, begründet Dietler. «Dürfen sie diese benützen, sparen sie unproduktive Zeit», so der Stadtschreiber.

Über den Umweg via Postplatz und Bahnhof würden sie zirka 10 Minuten verlieren. Mit dieser Begründung erteilte ihnen der Stadtrat die Erlaubnis. Für diese Bewilligung, die jeweils für ein Jahr ausgestellt wird, zahlen die Antragsteller je 30 Franken pro Jahr.

Ein Bewilligungs-Kontingent gibt es laut Dietler nicht. Berechtigt, eine Sondererlaubnis zu besitzen, sind jedoch nicht alle. Aufgrund der ersten zwei bewilligten Anträge stellte die Stadt die Bewilligungskriterien auf. Ein Kriterium ist demnach, dass die Arbeitsstandorte einer in Olten domizilierten Firma durch die Tannwaldstrasse verbunden sein müssen. Zudem muss ein effektiver Zeitverlust durch das Verbot resultieren.

Angesprochen auf den Fall der Gewerbetreibenden an der Haslistrasse, zeigt sich der Stadtschreiber Markus Dietler überrascht. Die Perspektive der Haslistrasse-Gewerbetreibenden auf das Fahrverbot an der Tannwaldstrasse wurde also bisher offenbar noch nicht gross wahrgenommen. «Natürlich steht es allen frei, ein begründetes Gesuch an die Direktion Öffentliche Sicherheit zu stellen», sagt der Stadtschreiber. Und man werde sicher auf die Argumente eingehen. Für die Abgabe einer solchen Bewilligung müsse man aber von Fall zu Fall entscheiden. Ist das Gesuch gut genug begründet, schliesst er nicht aus, dass zusätzliche Kriterien berücksichtigt werden könnten.