Traurige Gesichter – fröhliche Musik. Das Bild an der «Feierlichkeit» der Integration der Stadtpolizei in die Kantonspolizei Solothurn wirkte skurril. Regierungsrat Peter Gomm hatte dies offenbar vorausgesehen. In seiner Einstiegsansprache in der Schützi sagte er: «Einige Anwesende wissen nicht, ob sie heute einer Geburt oder einer Beerdigung beiwohnen.»

Kurzes Auflachen der Anwesenden. «Ich würde eher von einer Heirat sprechen», sagte er. Mit dieser Metapher versuchte er die Stimmung im Saal aufzulockern, der nur etwa zur Hälfte von Uniformierten gefüllt wurde. Die andere Hälfte stammte mehrheitlich aus der Politik, wie zum Beispiel Roberto Zanetti, Ernst Zingg, Johanna Bartholdi und Christian Werner.

Während die Stadträtin Iris Schelbert – schwarz-grau gekleidet – sitzend eine ernste und traurige Miene hatte, sprach sie am Rednerpult mit ermutigendem Ton: «Die Übung der Integration der Stapo in die Kapo erwies sich als komplexer als ursprünglich gedacht.» Trotz einigen Herausforderungen sei die Integration aber nun fast abgeschlossen. «Das wichtigste Charakteristikum der Stadtpolizei ist die Bürgernähe», sagte Schelbert.

Deshalb sei sie froh, dass viele der Stadtpolizisten als Kantonspolizisten weiterhin in Olten tätig sein werden. «So bleibt die Bürgernähe.» Gleichzeitig freue sie sich auf neue Gesichter, die auf den Oltner Strassen anzutreffen sein werden. Und grundsätzlich freue sie sich auf die Zusammenarbeit. «Geht dieser neuen Zeit positiv entgegen und pflegt die Kameradschaft», ermutigte sie die Angehörigen der Stadtpolizei.

Mit Blick auf die Kantonsvertreter warnte sie vor den hohen Erwartungen der Bevölkerung und der Politik an das neue System. «Die Erwartungen sind sehr hoch.» Wie an den servierten Willisauer Ringli würden sie auch an der Stadtpolizei hie und da was zu beissen haben.

Daniel Bürki, Kommandant der Stadtpolizei, gab sich in seiner Ansprache zuversichtlich: «Ich bin überzeugt, dass es gelingen wird, die objektive und subjektive Sicherheit beizubehalten.» Auch er gehörte zu denjenigen mit glänzenden Augen, als die Fahne der Stadtpolizei, vor den Polizeikorps in Achtungstellung, an die Stadträtin abgegeben wurde.

Was wird nun konkret aus den Oltner Stadtpolizisten?

Fast alle der dreissig Angehörigen der Stadtpolizei Olten wissen, wie es für sie ab nächstem Jahr karrieretechnisch weitergeht. Laut dem Stapo-Kommandanten Daniel Bürki werden 21 Stadtpolizisten in das Korps der Kantonspolizei Solothurn integriert.

Davon werden 7 weiterhin im Stadthaus stationiert sein, in einem neuen Posten der Kapo. Die Restlichen werden den Kapo-Posten in der Usego als Arbeitsort haben. Künftig wird man nicht mehr von der Polizeiregion Ost sprechen, sondern nur noch von der Polizeiregion Olten. Diese wird mit rund 65 Mitarbeitenden die grösste Polizeiregion im Kanton.

Uniform und Titel weg

Von den neun Polizisten, die nicht in die Kantonspolizei integriert wurden, sind fünf künftig für «kommunale Aufgaben» zuständig, sprich sie werden die Tätigkeiten der Gewerbepolizei und bestimmte verkehrspolizeiliche Aufgaben ausführen, wie zum Beispiel die Verkehrssignalisation prüfen, bewilligen und erstellen.

Die Uniform sowie den Titel als Polizisten verlieren sie. Sie werden der neuen Abteilung «Sicherheit und Ordnung» der Stadt angehören und im Parterre des Stadthauses ihre Büros haben – getrennt von den Kantonspolizisten, die laut Melanie Schmid von der Kapo «alle polizeilichen Aufgaben übernehmen», zum Beispiel auch das Verteilen von Parkbussen.

Ab nach Afrika: Vom Kommandanten zum Hausmann

Zwei der Noch-Stadtpolizisten werden laut Bürki ab nächstem Jahr ausserkantonal in einer Polizeiorganisation arbeiten. Ein Polizist wird «anderweitig» tätig sein – «wo genau ist noch nicht ganz sicher». Und der Kommandant? Er zieht nach Afrika. «Zumindest für die nächste Zeit.»

Seine Frau, die für eine internationale Organisation arbeitet, hat ein Mandat im Ausland erhalten. «Und ich habe die Gelegenheit ergriffen», sagt Daniel Bürki. «Am 1. Januar 2016 fliege ich erst mal als Hausmann nach Moçambique», sagt er mit einem Schmunzeln. Bereits im Sommer ist das Paar in den südostafrikanischen Staat gezogen.