Olten

Acrylfarbe, Kreide und Pigmente: Ilse Zellers Ausstellung im Kantonsspital überzeugt

Kunst im KSO - Die Künstlerin Ilse Zeller zeigt mit «Farbe Form Format» Werke im Kantonsspital Olten. Die Künstlerin vor den drei werken mit den Namen Cora, Rosa und Nana.

Kunst im KSO - Die Künstlerin Ilse Zeller zeigt mit «Farbe Form Format» Werke im Kantonsspital Olten. Die Künstlerin vor den drei werken mit den Namen Cora, Rosa und Nana.

Die Oltnerin stellt im Kantonsspital Olten aus; drei Werke verbindet sie dabei speziell mit der aktuellen Coronapandemie.

Sie hat diese redliche Leichtigkeit im Blut, Ilse Zeller. «Eine meiner besten Eigenschaften: Ich bin ein positiver Mensch», erzählt sie. Das ist leicht zu spüren. Ihre Antworten kommen unverkrampft daher, getragen von sprühender Unvoreingenommenheit; charmant, liebevoll, ja fast sanft. Noch bis zum 4. Dezember stellt die Oltnerin im hiesigen Kantonsspital rund 50 ihrer Werke aus. Formenmalerei, Konkretes, Geometrisches, Kubisches, collagierter Dadaismus, Abstraktionen; vieles mit der klaren, kaum übersehbaren Signatur IZ versehen. Eine beeindruckende Zahl an Werken ist da zusammengekommen. «Wenn du so viele Bilder ausstellen darfst, dann kannst du nicht bloss deine eigentlichen Lieblinge zeigen», sagt Ilse Zeller als 77-Jährige fast spitzbübisch, die seit mehr als drei Jahrzehnten malt, zudem Stadtführerin und demnach in Olten ganz ordentlich bekannt ist. «Eigentlich schon», meint sie und erwähnt so nebenbei, sich nicht gern als Künstlerin betiteln zu lassen. «Ach, das tönt etwas abgehoben in meinen Ohren», gesteht sie. «Ich sage jeweils: Ich bin Malerin.»

Bunt und manchmal wild: die Marke Ilse Zeller

Voilà: Auch recht. Sie male bunt. Typisch für sie, die sie sich als emotionale Malerin sieht. «Manchmal arbeite ich auch wild», reicht sie nach. «Bei den drei Corona-Frauen hab’ ich das versucht.» Ihre eigentliche Lieblinge, wie’s scheint. Ernst würden sie in die Welt blicken, die Frauengesichter an der Westwand der Spitalkantine. Auch wenn deren stille Heiterkeit, vielleicht etwas unterschwellig, für den Betrachter dennoch durchzuschimmern scheint. Für die Ausstellung im Kantonsspital jedenfalls wurden die drei Werke mit den wilden Gesichtern auch mit Namen versehen: Cora, Rosa, Nana. «Wenn Sie jeweils die beiden ersten Buchstaben der drei Namen zusammenfügen, so ergibt sich das Wort ‹Co-Ro-Na›». Ilse Zeller gerät in leisen Eifer. Eine Art Hommage an diese Zeiten, die manchmal auf’s Gemüt schlagen würden. Es habe auch lange gedauert, bis die Ausstellung im Kantonsspital habe stattfinden können. «Aber jetzt ist’s soweit», so die Malerin dann.

Vielleicht gelingt die Aufheiterung

Aufheitern wolle sie. Eine der Antworten auf die Frage nach ihrem inneren Antrieb. Können Bilder das überhaupt? Sie stutzt. «Gute Frage», sagt sie. Und dann: «Vielleicht, wir wissen’s nicht.» Und wahrgenommen wolle sie auch werden als Malerin. Klar. Und schon beim nächsten Satz schimmert sie wieder durch, diese redliche Leichtigkeit. «Wissen Sie, wenn mir ein Bild gar nicht gefällt, übermale ich das Motiv. Lasse mir was einfallen. Arbeite mit Klebstreifen, um zu sehen, was nach deren Abzug vom ursprünglichen Bild unter der Deckschicht sichtbar geblieben ist.»

Sie hat was Experimentierfreudiges, das sich aber nicht hauptsächlich vor bitter-intellektuellem Hintergrund entfaltet, sondern von Eifer, Neugierde, lustbetontem Spieltrieb zeugt. Ihre künstlerische Handschrift: eine breite: Ihre Werke lassen sich darum nicht «mit links» wiedererkennen. Das macht die dreifache Mutter und auch Grossmutter zur überraschenden Figur in der Szene. Mit einer Vorliebe für zeitgenössische Malerei. Die österreichische Künstlerin Maria Lassnig etwa gehört zu ihren Lieblingen, früher auch der Fotorealist Franz Gertsch, heute noch Roman Candio. Ilse Zeller lächelt ein bisschen.

Das Auge schulen und dann loslegen

«Wissen Sie, das realistische Zeichnen schult das Auge», sagt sie. Aber warum soll denn das Auge geschult werden, wenn man doch emotional malen will? «Ach, das lässt sich nicht so leicht voneinander trennen», meint Ilse Zeller. Das gehöre eben zusammen und sei an sich auch kein Widerspruch. Die Malerin nutzt übrigens häufig Acrylfarbe, diese schier untilgbare Paste, die vor allem gut deckt und – klebt. Ilse Zeller lächelt. «Ich weiss», sagt sie ungerührt. Und meint tröstend, sie nutze auch Kreide, Pigmente. «Beim Aquarellieren dagegen muss ich eher passen, das mache ich sehr selten. Dafür bin ich einfach zu ungeduldig.» Auch Ölfarbe brauche ja ewig für’s Trocknen.

«So etwas kann man doch nicht vorher wissen»

Sie ist vif, die Seniorin mit dem Flair fürs Entwerfende, Gestalterische. Nach dem Vorkurs an der Kunstgewerbeschule Basel folgte die Ausbildung zur Dekorationsgestalterin. «Ich hätte gerne die Fachklasse besucht», sagt sie heute. Aber damals war das nicht so gängig. «Mein Vater fand, der Vorkurs wäre genug.»

Später folgten Weiterbildungen in Kursen der Schule für Gestaltung Basel, Studienaufenthalte in Griechenland, Italien, Jordanien, Ägypten und China. Das Ende ihrer malerisch-gestalterischen Arbeit ist nicht abzusehen, die Aufgabe ihres Ateliers ebenso wenig. «So etwas kann man doch nicht vorher wissen», kommentiert Ilse Zeller diese Frage doch leicht amüsiert. Da ist sie wieder: diese redliche Leichtigkeit.

Hinweis

Ilse Zeller, «Farbe Form Format», Ausstellung im Kantonsspital
Olten bis zum 4. Dezember 2020.

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Autor

urs huber

urs huber

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