Keine Einkäufe mehr schleppen, kein Altglas mehr entsorgen und damit auch noch Gutes tun? Klingt absurd, ist aber ab kommenden Samstag möglich. Dann nimmt der neue Velo-Hauslieferdienst von Collectors unter der Leitung von Tobias Vega (38) und Matthias Tschopp (30) ) in Zusammenarbeit mit der Bildungswerkstätte Oltech seine Arbeit in Olten auf.

Der Startschuss fällt am Samstag im Coop City, einem der Oltner Partner-Geschäfte von Collectors. Die ersten 30 Lieferungen sind kostenlos. Der ehemalige SP-Stadtrat Peter Schafer wird die erste Fracht persönlich auf dem in Holland produzierten Cargo-Bike austragen. Veloliebhaber Schafer ist Präsident des im April gegründeten Vereins Velo-Lieferdienst Olten. Mit anderen gut vernetzten Personen aus Stadt, Gewerbe und der Oltech steht er mit dem «Velo-Lieferdienst Olten» hinter dem gemeinnützigen Projekt.

Die Marke Collectors kommt ursprünglich aus Solothurn. Im Juli 2016 startete Philipp Keel (35) dort mit einem gleich «vierfach profitablen» Velo-Hauslieferdienst. «Zum einen müssen die Privatkunden ihre Ware nicht mehr schleppen, zum anderen können Geschäfte unsere Velokuriere als Lieferanten nutzen. Weil ausschliesslich Sozialhilfeempfänger angestellt werden, bekommt auch deren Alltag wieder einen Sinn und zu guter Letzt schont Collectors die Umwelt», sagt Keel. Im April wurde das Konzept bereits in Thun aufgenommen.

Jetzt ist Olten dran. «Wir sind froh, dass wir von der Vorarbeit von Keel profitieren können», sagt Vega anlässlich der Infoveranstaltung im neuen Oltner Büro von Collectors an der Feldstrasse 30 im Säli-Quartier. Gegen einen «fairen Preis» haben sich die Oltner bei Keel eingekauft. Der Wirtschaftsingenieur ist aber vor allem froh, dass seine Idee durch den neuen Standort Olten weiter verbreitet wird. «Die Integration von Sozialhilfebezügern in den Arbeitsmarkt ist ein grosses Ziel von uns. Als Velo-Kurier haben unsere Mitarbeiter das Gefühl, gebraucht zu werden und einen Grund, am Morgen aufzustehen», sagt er.

Zehn Kilo Gewicht abgenommen

In gut zwei Jahren haben die neun Solothurner Velokuriere schon mehr als 55'000 Kilometer zurückgelegt. «Jede Strecke, die wir mit dem Velo fahren, fährt ein Auto weniger. Und das in einem Umkreis von nur zehn Kilometern», rechnet Philipp Keel vor. Einer seiner Fahrer hat durch das tägliche Strampeln sogar schon zehn Kilo abgenommen. Momentan führen sie mit 540 Stellenprozenten monatlich rund 700 Lieferungen durch. Doch um das gestreckte Ziel zu erreichen und im kommenden Jahr selbsttragend zu sein, benötigt es eine Verdopplung der Aufträge.

Auch die Oltner Collectors wollen drei Jahre nach dem Start selbstfinanziert sein. Vega und Tschopp haben schon viele Ideen, wie das gelingen könnte. Zum einen wollen sie natürlich möglichst viele Abos an Privatkunden verkaufen. Der Velo-Hauslieferdienst funktioniert ganz simpel: Die Kunden kaufen ein, füllen im Geschäft einen Lieferschein aus, geben die Einkaufstasche im Geschäft ab und bekommen die Einkäufe innert drei Stunden nach Hause geliefert.

6.50 Franken kostet die Lieferung, von der das Partnergeschäft 2 Franken übernimmt. Ausser Olten beliefert Collectors auch die Nachbargemeinden Trimbach und Starrkirch-Wil. Andere umliegende Dörfer könnten nach der Anlaufphase ebenfalls bald integriert werden. Das Angebot von Collectors richtet sich an alle, die unbeschwert einkaufen und entsorgen möchten.

Weitere Angebote sind geplant

Das gemeinnützige Projekt bietet auch einen Abholservice an. Für 6.50 Franken können Abholmarken erstanden werden. Ein kurzes Telefon, Marke auf den Sack und schon werden die lästigen Flaschen und Büchsen abgeholt. Als Konkurrenz zum ähnlichen Pilotprojekt von den Umweltfreunden und der Suchthilfe Ost sehen sich Vega und Tschopp nicht. «Wir stehen in Kontakt und sprechen uns ab. Olten verträgt mindestens zwei solcher Unternehmen», sagt Vega. Während die Umweltfreunde hauptsächlich Privatkunden haben, zielt Collectors auch auf das Gastrogewerbe.

Im Hintergrund planen Vega und Kollege Tschopp schon weitere Angebote: «Der Online-Shop-Versand von lokalen Kleinfirmen könnte über uns laufen, wir könnten Postfächer leeren, Pakete von A nach B fahren oder einen Express-Lieferdienst anbieten...» Die beiden jungen Geschäftsführer sind zuversichtlich, ihr Ziel zu erreichen: In drei Jahren wollen sie 1300 Fahrten im Monat machen und dazu beitragen, dass Olten umweltfreundlicher und zukunftsorientierter wird.