Olten

Abtretender Stadttheater-Chef Herbert Schibler: «Ich wollte keine Preiserhöhungen»

Im Konzertsaal fand am Donnerstagabend die letzte Vorstellung statt, die Geschäftsführer Herbert Schibler in seinen vierzehneinhalb Jahren Amtszeit verantwortete.

Im Konzertsaal fand am Donnerstagabend die letzte Vorstellung statt, die Geschäftsführer Herbert Schibler in seinen vierzehneinhalb Jahren Amtszeit verantwortete.

Herbert Schibler tritt heute definitiv als Geschäftsführer des Stadttheaters Olten ab. Der 65-Jährige hat seinen Job um ein paar Monate verlängert, um die Mutterschaftsabwesenheit seiner Nachfolgerin Edith Scott zu überbrücken. Gegenüber dieser Zeitung sagt er, welche Rolle das Stadttheater im Oltner Kulturangebot spielt.

Mit dem Parlamentsentscheid, dem Kulturlokal Coq d’Or 20'000 Franken zu sprechen, ist in Olten eine Diskussion ausgelöst worden, mit wie viel Geld Kultur unterstützt werden soll. Wie sehen Sie den Entscheid als bisheriger Geschäftsführer einer städtischen Institution?

Herbert Schibler: Grundsätzlich freut es mich, wenn Gelder von der öffentlichen Hand für die Kultur gesprochen werden. Die alternative Kultur wie ein «Coq d’Or» hat seine Berechtigung. Dazu braucht es aber auch eine bürgerliche Kultur, wie sie das Stadttheater darstellt. Das soll aber kein Gegeneinander sein, sondern das eine ist die Bedingung für das andere und umgekehrt.

Das Oltner Stadttheater erhält mehrere Hunderttausend Franken pro Jahr. Wie zufrieden sind Sie damit?

Ich habe mich inzwischen an die Höhe des Beitrags gewohnt. Dies, nachdem es in der Anfangszeit meines Engagements als erster Geschäftsführer seit 2005 zu Kürzungen von 150'000 Franken auf 600'000 Franken kam, was aber im Businessplan so vorgesehen war. Nach einer letzten Kürzung wegen der Aufgabe von Büroräumlichkeiten zahlt uns die Stadt Olten derzeit 556'000 Franken aus. Davon werden 205'000 Franken pro Jahr für die Miete abgezogen. Das macht netto 351'000 Franken. Mit diesem Betrag erhalten Olten und die Region ein sehr gutes Angebot im Verhältnis zum gesprochenen Geld. In meinen Augen ist das Stadttheater der Leuchtturm des hiesigen Kulturangebots – von der Qualität, vom Publikumsinteresse aber auch von den Finanzen her gesehen. Und wenn es zu Finanzierungslücken kam oder Spezialprojekte intendiert wurden wie die vier Vorstellungen der Lautten Compagney Berlin vergangenen November, dann sorgte ich dafür, dass die mit anderen Geldquellen finanziert werden konnten: Private, Mäzene oder Sponsoring. Vom kantonalen Lotteriefonds erhalten wir beispielsweise für die nächsten drei Jahre 20'000 Franken mehr als bisher.

Stadtpräsident Martin Wey hat letzte Woche gegenüber dieser Zeitung angetönt, dass die Politik die Schwerpunkte und Ausgaben bei der Kultur nochmals neu bestimmen könnte. Was halten Sie davon?

Die letzten paar Zeilen dieses Interviews haben mich schon etwas irritiert. Ich kann aber die Folgen nicht abschätzen. Es ist klar, dass er als Diplomat sagt, dass die Unterstützungen überdacht werden sollen – das wird wohl auch laufend im Stadtrat passieren. Ich bin aber dagegen, dass Kulturplayer gegeneinander ausgespielt, als grosser EHC-Olten-Fan darf auch Sport und Kultur nicht einander gegenübergestellt werden. Es sollte zum Selbstbewusstsein einer Stadt wie Olten gehören, eine Institution wie das Stadttheater zu erhalten, die punktuell Vorstellungen in absoluter Weltspitze-Qualität bietet.

Wie war das Verhältnis zwischen Ihnen und dem Stadtrat?

Sehr gut. Zudem waren die Beiträge ans Stadttheater im Gemeindeparlament immer unbestritten – diesen Eindruck hatte ich zumindest.

Es gibt in dieser Beziehung allerdings ein leidiges Thema: das Bühnenhaus. Immerhin ist für dieses Jahr nun ein Abklärungskredit von 150'000 Franken vorgesehen.

Ein neues Bühnenhaus ist zwingend notwendig, auch aus Sicherheitsgründen. Dass diese Sache noch angepackt wird, war eines meiner Ziele. Bei diesem Thema ist auch die Geschichte dahinter wichtig: 2004 vor meinem Amtsantritt wurde der Grundsatzentscheid gefällt, dass es nur eine Teilrenovation mit neuer Bestuhlung und Klimatisierung gibt für rund vier Millionen Franken. Daher gab es keine Volksabstimmung. So sei man auf der sicheren Seite und hätte zumindest schon etwas, lautete der Tenor damals.

Aus Ihrer Sicht hätte der Entscheid anders ausfallen müssen?

Ganz klar, die Stadt hätte damals gleich eine Gesamtrenovation vornehmen sollen. Vielleicht gab es eine gewisse Furcht, dass ein solches Sanierungsprojekt beim Volk durchfallen könnte. Aus meiner Sicht unbegründet: Die Stadt Solothurn hat 2014 für knapp 20 Millionen das Stadttheater renoviert – das Vorhaben wurde an der Urne mit 82 Prozent gutgeheissen. Das hätten wir in Olten nicht geschafft, aber rund 60 Prozent Ja-Anteil hätte es gegeben. Auch Langenthal oder Burgdorf haben ihr Stadttheater inzwischen renoviert.

Die Auslastung betrug letzte Saison hohe 88 Prozent, die letzten vier Vorstellungen waren ausverkauft: Müsste die Kapazität – auch im Rahmen einer nächsten Sanierung – erhöht werden?

Nein, im Gegenteil. Zum Teil ist es sehr eng. Wir sind ein Multifunktionsbetrieb ohne feste Bestuhlung und im Vergleich zu den heutigen Standards nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Es gibt zum Beispiel auf dem Balkon Plätze, auf denen gross gewachsene Personen fast nicht sitzen können. Der Oltner Kinounternehmer Konrad Schibli zeigt, wohin es gehen könnte: Weniger Sitzplätze, dafür mehr Beinfreiheit und Komfort, aber auch höhere Eintrittspreise. Ich könnte mir vorstellen, dass bei einer Bühnenhaus-Sanierung ebenfalls das Konzept überdacht und bei den Sitzen mehr Beinfreiheit gewährt wird.

Dafür würden die Preise erhöht?

Seit 2005, als ich als Geschäftsführer angefangen habe, war der Preis bei der Sparte Schauspiel immer gleich. Aus dem Verwaltungsrat gab es allerdings Stimmen für Preiserhöhungen, doch ich wollte dies nicht. Eine Vorstellung im Stadttheater soll für alle erschwinglich sein – Schüler, Studenten und Armutsbetroffene mit Kulturlegi zahlen zudem weniger als der Normalbürger. Jemand soll sagen können, eine Stadttheater-Vorstellung interessiert mich nicht; aber er soll nicht sagen müssen, ich kann mir diese nicht leisten. Darum sind Sponsoren, Mäzene und Stiftungen so wichtig für uns.

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