Abstimmung
Der Ofen bleibt: Oltner sagen Nein zur Stilllegung des Kremationsofens im Friedhof Meisenhard

Die Stimmbevölkerung hat die für eine Stilllegung erforderlichen Änderungen im Bestattungs-Reglement mit 53,9 Prozent Stimmenanteil abgelehnt.

Sophie Deck
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Die Sanierung des Kremationsofen im Friedhof Meisenhard geht nun in Planung.

Die Sanierung des Kremationsofen im Friedhof Meisenhard geht nun in Planung.

Bruno Kissling

Die Oltner wollen ihren Kremationsofen behalten: Sie lehnten die Vorlage «Krematorium, Änderung Reglement infolge Stillegung/Referendungsabstimmung» ab - und zwar mit mit 2564 Nein-Stimmen und 2191 Ja-Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von 43,9 Prozent. Das heisst: Das Referendum wurde mit 53,9 Prozent angenommen.

Formell wurde darüber abgestimmt, ob das Reglement über Bestattungs- und Friedhofswesen an zwei Stellen angepasst werden sollte. Ein Ja hätte die Stilllegung des Kremationsofens im Friedhof Meisenhard mit sich gebracht.

Ein Erfolg für das Referendumskomitee

Bereits im Herbst 2020 kam das Gemeindeparlament zum Schluss, dass es am sinnvollsten wäre, den Kremationsofen im Friedhof Meisenhard stillzulegen. Es konnten nicht mehr genügend wöchentliche Kremationen durchgeführt werden, damit es finanziell rentiert hätte - und eine Stilllegung wäre günstiger gewesen als eine Sanierung.

Deshalb haben sie Anpassungen des Reglements über Bestattungs- und Friedhofswesen genehmigt, die man im Falle einer Stilllegung hätte vornehmen müssen.

Diese Idee gefiel einigen Oltnern jedoch nicht: Ein paar Stimmen meldeten sich bei SVP-Kantonsrat Rolf Sommer, wie er selbst berichtet. So entstand unter seiner Führung das Referendumskomitee «Wir sind Olten», durch deren erfolgreiches Referendum die Änderungen zur Abstimmung kamen.

«Wir sind überglücklich», sagt Sommer zum Ergebnis. Er hätte mit einem noch klareren Nein gerechnet, sei aber absolut zufrieden. «Ob 100 Prozent Nein sagen oder etwas mehr als 50 Prozent, spielt ja keine Rolle. Wir können unseren Ofen behalten», sagt er.

Für ihn ist das Ergebnis der Abstimmung vor allem auf die Geschichte des Krematoriums zurückzuführen: «Es gibt das Krematorium seit 1918 und es gehört einfach zum Friedhof dazu. Das ist für die Bürger klar.» Ausserdem meint er zu seiner Führung des Komitees: «Die Leute vertrauen mir einfach.»

Auch Baudirektor und Stadtrat Thomas Marbet, der zusammen mit der Parlamentsmehrheit für eine Stilllegung war, sieht den Grund in der emotionalen Bindung der Oltner zum Krematorium: «Ich glaube, die Menschen haben Verlustängste. Sie haben das Gefühl, dass man ihnen durch die Stilllegung etwas wegnehmen würde», erklärt er.

Gibt es jetzt einen neuen Gasofen?

Er habe das Ergebnis der Abstimmung vorher nicht abschätzen können: «Es war eine emotional aufgeladene Abstimmung, deswegen dachte ich, es würde knapp werden», sagt er.

Obwohl er und seine Stadtratskollegen sich ein anderes Ergebnis gewünscht hätten, sei die Stimmung bei ihnen gut: «Das Stimmvolk hat so entschieden und das respektieren wir. Und mit fast 400 mehr Nein-Stimmen ist es ja klar kein Zufallsentscheid. Wir sind jetzt motiviert, ein neues Projekt zu starten.»

Das neue Projekt wäre die Sanierung des Kremationsofens. Was genau gemacht wird, das muss die Baudirektion allerdings noch prüfen. «Es geht vermutlich schon in diese Richtung, dass der jetzige Ofen mit einem Gasofen ersetzt wird», sagt Marbet. Dies aufgrund von Abklärungen, die 2020 schon gemacht wurden.

Die damaligen Berechnungen waren aber nur grob, wie es bei einer Abklärung laut Marbet normal sei, und werden nun noch genauer durchgeführt. 2022 möchte der Stadtrat beim Parlament und der Bevölkerung einen Kredit anfordern und Ende Jahr dann den neuen Ofen in Betrieb nehmen.

Bis dahin wird der alte Ofen weiter benutzt. Dabei könne es natürlich aufgrund von dessen Alter und Zustand schon zu Ausfällen kommen, sagt Marbet. Damit müsse man einfach rechnen.

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