Olten
«Absolut inakzeptabel»: Fitness-Branche wirft sich nach Entscheid zur Schliessung in Pose

Die neuen, ab Freitag gültigen Coronaregeln im Kanton Solothurn stossen vor allem in der Kraft- und Beweglichkeitsbranche Olten sauer auf. In einem offenen Brief bittet die Branche um die Wiedereröffnung ihrer Geschäfte.

Urs Huber
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Sogar Trennwände zwischen den Geräten hat Pascal Jörg in der FitnessFactory hochziehen lassen.

Sogar Trennwände zwischen den Geräten hat Pascal Jörg in der FitnessFactory hochziehen lassen.

Oltner Tagblatt

Die Aufregung ist gross: Mit den neuen Coronamassnahmen im Kanton Solothurn, gültig ab kommenden Freitag, wird doch einigen Betrieben die Luft abgedreht. Tanzschulen, Bars und Fitnessstudios etwa müssen geschlossen bleiben. Das gefällt nicht allen, teilweise fallen die regierungsrätlichen Entscheide auch auf grossen Unmut.

«Ich verstehe die Welt nicht mehr»

Einer, der sich dabei besonders echauffiert, ist Pascal Jörg, Inhaber der FitnessFactory. Er hat seine Meinung bereits auf verschiedenen Kanälen geäussert. Auf Anfrage erklärt er: «Ich finde den Entscheid absolut inakzeptabel.» Seiner Ansicht nach sind Fitnessstudios überhaupt kein Ort, wo man sich infiziert. «2000 Personen gehören zu meinem Kundenstamm; Krankheit – Fehlanzeige.» Er habe seine Lokalitäten weit über das erforderliche Mass aufgerüstet, um dem Virus zu begegnen.

«Spezielle Lüftung, Mundschutz im ganzen Betriebsbereich, Trennwände zwischen den einzelnen Geräten, Sprechverbote, Verbot der Gruppenbildung, Fenster, die sich zum Lüften eignen. «Wenn ich da sehe, wo sich Menschen deutlich näher kommen und deutlich weniger geschützt sind, dann verstehe ich ob der Schliessung von Fitnessstudios die Welt nicht mehr. Denn verstehen Sie, der Winter ist unsere Hauptgeschäftszeit.» Eine Regelung mit verkürzten Betriebszeiten und etwa geschlossenem Sonntag wäre für ihn akzeptabel gewesen. «Aber so? Bis Ende Januar 2021? «Das ist einfach ungerecht.»

Jörg ist nicht allein. In einem offenen Brief an diverse Politiker und Regierungsräte des Kantons bittet Marco Thoma, Verwaltungsratspräsident von KraftwerkTrainingscenter AG unter anderem um die Wiedereröffnung der Fitnesscenter unter Wahrung der bisherigen, erfolgreichen Schutzkonzepte, die schnelle und unkomplizierte Auszahlung der in Aussicht gestellten «A-fonds-perdu-Kredite» sowie etwa eine Regelung über einen Mieterlass für die Zeit des zweiten Lockdowns.

«Der Entscheid hat mich völlig überrascht»

Völlig überrascht vom regierungsrätlichen Entscheid wurde Victoria Gsell, Leiterin der Russischen Kinderballettschule Olten. «Es hat uns wie aus heiterem Himmel getroffen», sagt sie gegenüber dieser Zeitung. Nun sei die Verunsicherung natürlich gross. «Wir warten, was jetzt auf uns zukommt.»

Bislang habe man sich an die Weisungen der Behörden gehalten, gelüftet mit Durchzug, dafür die Pausen zwischen den Lektionen verlängert, Abstandsmarkierungen angebracht, desinfizierte regelmässig all jene Einrichtungsteile, die berührt werden könnten. 120 bis 130 Schülerinnen und Schüler zählt die Schule von Victoria Gsell. «Im Frühling haben wir uns zum Teil mit Online-Unterricht geholfen, was für die Kleinsten aber schwierig nachzuvollziehen war», erklärt sie.

So habe man Videos verschickt, die letztlich einfacher zu verstehen waren. Im Übrigen aber ist die Schulleiterin sehr zufrieden mit der unkomplizierten Abwicklung der Zahlungen während der Kurzarbeit im Frühling. «So kam alles doch weniger schlimm heraus als erwartet», gibt sie zu verstehen. Ob das für die kommende Zeit auch so praktiziert werde, sei natürlich abzuwarten. Die Lage sei schwierig abzuschätzen, aber die Ballettschule stehe finanziell doch recht solid da.

«Das Schlimmste ist die Ungewissheit»

Das vorläufige Ende wartet auf die Bar Café Vaudois. «Noch am Donnerstag habe ich geöffnet, dann schliesse ich mein Geschäft», sagt Lotti Scognamiglio am Telefon. Das Schlimmste sei die Ungewissheit.

Bis Ende Januar? Auch sei seit Corona die Zahl der Barbesucher um weit mehr als die Hälfte zurückgegangen. Üblicherweise waren 25 bis 30 Gäste zu Besuch, in den letzten Wochen vielleicht noch deren 10. «Mal sehen», bilanziert die Barbetreiberin.