Max Pfenninger
Abgewählt nach 36 Jahren: «Als ich neu im Parlament war, wurde noch über Rasenmäher diskutiert»

Insgesamt 15 Parlamentsvertreter mussten bei den Oltner Gemeindeparlamentswahlen über die Klinge springen. Darunter auch FDP-Politiker Max Pfenninger. Im Kurzinterview spricht er über seine Niederlage und was er sich vom neuen Gemeindeparlament erhofft.

Melina Aletti
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Max Pfenninger, FDP

Max Pfenninger, FDP

Zur Verfügung gestellt

Haben Sie eine Idee, wieso es nach 36 Jahren nicht mehr ins Gemeindeparlament gereicht hat?

Max Pfenninger: Nein, ich kann mir spontan keinen Grund vorstellen, weshalb gerade ich abgewählt worden bin. Ich habe das nicht erwartet und war dementsprechend schon etwas überrascht davon. Allerdings war es klar, dass bei einer Verkleinerung des Parlaments von 50 auf 40 Sitze nicht alle wiedergewählt werden können. Dass gerade in diesem Jahr mit Olten Jetzt! noch eine weitere Partei angetreten ist, hat die Sache zusätzlich erschwert. Schade finde ich aber, dass das Oltner Tagblatt in dem Artikel zu den Vorstössen, Wortmeldungen und Absenzen nur gerade die letzte Legislatur betrachtet hat und nicht die gesamte Amtszeit. Das wäre auch interessant gewesen. Übrigens kannte ich nur einen Parlamentarier, der länger im Amt war als ich.

Wie fühlen Sie sich nach dieser Niederlage?

Gut. Ich bin nicht enttäuscht und kann den Entscheid gut akzeptieren. Die Stimmbürger haben so entschieden. Ich kann gut damit leben, dass jetzt viele jüngere ins Parlament gewählt worden sind.

Diese bisherigen Gemeindeparlamentarier wurden ebenfalls abgewählt:

Moritz Segna (43) CVP
15 Bilder
Nenad Skalonja (32) CVP
Sonja Meier Bossart (42) CVP
Ernst Eggmann (62) SVP
Anton Brügger (72) SVP
Gökhan Karabas (31) SP
Fritz Buser (70) SP
Paul Dilitz (68) SP
Luc Nünlist (27) SP
Beate Hasspacher (60) Grüne
Raphael Schär (29) Grüne
Christian Ginsig (44) GLP
Olten Gemeindeparlament abgewählte
David Tschan (44) FDP
Markus Wyss (47) FDP

Moritz Segna (43) CVP

zvg

Was machen Sie in nun mit der frei gewordenen Zeit?

Die Fraktions- und Parlamentssitzungen sind am Donnerstag, genauso wie die meisten Ärztefortbildungen. Diese kann ich nun wieder in aller Ruhe besuchen, ohne am Abend aus einer anderen Stadt nach Olten zurück zu hetzen. Aber auch sonst wird mir ganz sicher nicht langweilig.

Sie sind erster Ersatz auf der FDP-Liste. Würden Sie ins Parlament zurückkehren, falls Sie nachrücken könnten?

Das habe ich mir noch gar nicht überlegt. Ich fälle erst einen Entscheid, wenn dieser Fall tatsächlich eintrifft. Es ist zu früh, jetzt darüber zu befinden.

Welches ist die grösste Veränderung, die Sie in Ihrer Zeit im Gemeindeparlament erlebt haben?

Die ergab sich beim Budget. Heute wird nicht mehr um kleine Posten gekämpft, sondern man legt lediglich Leitplanken fest. Als ich neu im Parlament war, wurde sogar noch über Rasenmäher und Ähnliches diskutiert. Heute werden Kennzahlen festgelegt, mit denen der Stadtrat dann arbeiten muss. Das hat sich stark verbessert.

Aus diesen Mitgliedern setzt sich das neue 40-köpfige Parlament zusammen:

Luisa Jakob (bisher) Junge SP, 1991, Historikerin 1086 Stimmen
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Simon Gomm Junge SP, 1990, Student PH 994 Stimmen
Corina Bolliger Junge SP, 1990, Studentin PH 535 Stimmen
Marlen Wälchli-Schaffner (bisher) EVP, 1958. Berufsschullehrerin 433 Stimmen
Beatrice Schaffner (bisher) Grünliberale, 1964, Ingenieurin 840 Stimmen
Daniel Kissling Olten jetzt!, 1987, Geschäftsführer 1526 Stimmen
Laura Schöni Olten jetzt!, 1993, Studentin 1171 Stimmen
Tobias Oetiker Olten jetzt!, 1969, Unternehmer 999 Stimmen
Denise Spirig Olten jetzt!, 1988, HR Marketing Manager 988 Stimmen
Felix Wettstein (bisher) Grüne, 1958, Dozent FH 1606 Stimmen
Myriam Frey Schär, (bisher) Grüne, 1972, dipl. Arch. ETH 1534 Stimmen
Michael Neuenschwander (bisher) Grüne, 1958, Musiker/Musiklehrer 1116 Stimmen
Anita Huber (bisher) Grüne, 1968, Redaktorin 1101 Stimmen
Heidi Ehrsam- Berchtold (bisher) CVP, 1955, Hausfrau/Bibliothekarin 1116 Stimmen
Christoph Fink (bisher) CVP, 1952, Arzt 939 Stimmen
Muriel Jeisy-Strub (bisher) CVP, 1982, Juristin 939 Stimmen
Beat Felber, CVP, 1980, Architekt 925 Stimmen
Christian Werner (bisher) SVP, 1984, Rechtsanwalt 1351 Stimmen
Matthias Borner (bisher) SVP, 1982, Ökonom 1191 Stimmen
Philippe Ruf (bisher) SVP, 1989, Kaufmann 1030 Stimmen
Doris Känzig (bisher) SVP, 1952, Sonderpädagogin 1018 Stimmen
Franziska Erzinger (bisher) SVP, 1958, Sachbearbeiterin/Chef de Service 956 Stimmen
Monique Rudolf von Rohr (bisher) FDP, 1955, Berufsfachschullehrerin 1964 Stimmen
Daniel Probst (bisher) FDP, 1973, Ökonom lic. rer. pol. 1841 Stimmen
Heinz Eng (bisher) FDP, 1960, Stv. Geschäftsführer 1708 Stimmen
Urs Knapp (bisher) FDP, 1958, Unternehmensberater 1683 Stimmen
Reto Grolimund FDP, 1987, MSC Bauing. ETH 1622 Stimmen
David Plüss FDP, 1984, Dr. sc. ETH/Chemiker 1605 Stimmen
Alexandra Kämpf (bisher) FDP, 1977, Rechtsanwältin 1564 Stimmen
Deny Sonderegger (bisher) FDP, 1977, Geschäftsleiter 1561 Stimmen
Simone Sager (bisher) FDP, 1979, Immobilienbewirtschafterin 1546 Stimmen
Arnold Uebelhart (bisher) SP, 1953, Arzt 1977 Stimmen
Ruedi Moor (bisher) SP, 1954, Physiker 1972 Stimmen
Dieter Ulrich (bisher) SP, 1977, Leiter Finanzen 1955 Stimmen
Huguette Meyer Derungs (bisher) SP, 1972, Sek-I-Lehrerin 1905 Stimmen
Yabgu Ramazan Balkaç (bisher) SP, 1971, dipl. Architekt/Dozent 1799 Stimmen
Christine von Arx (bisher) SP, 1971, Gerichtsschreiberin 1785 Stimmen
Eugen Kiener (bisher) SP, 1955, Amtsrichter 1744 Stimmen
Renata Pfeiler (bisher) SP, 1969, Kaufm. Angestellte 1706 Stimmen
Andrea Leonhardt Mohr SP, 1975, Fachfrau Gesundheitsförderung 1699 Stimmen – Moor rutscht für Stadträtin Marion Rauber nach.

Luisa Jakob (bisher) Junge SP, 1991, Historikerin 1086 Stimmen

zvg

Welches Geschäft lag Ihnen in diesen 36 Jahren am meisten am Herzen?

Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, es ist der Gestaltungsplan Kleinholz und Bornfeld. Ich habe damals einen Vorstoss gemacht, der zum Bau der Bornfeldstrasse geführt hat.

Was wollen Sie als «alter Hase» den neu gewählten Parlamentariern mit auf den Weg geben?

Sie sollen nicht alles glauben, was im Parlament gesagt wird. Es ist wichtig, Aussagen zu hinterfragen und bei Unklarheiten selbst zu recherchieren.