Exodus

Ab zur Konkurrenz: Das Oltner Bouygues-Kader geht zur BKW

Vom Kader-Exodus betroffen: Der Oltner Sitz der Gebäudetechnikfirma Bouygues E&S InTec AG.

Vom Kader-Exodus betroffen: Der Oltner Sitz der Gebäudetechnikfirma Bouygues E&S InTec AG.

Das Kader der früheren Oltner Alpiq InTec wechselt vom französischen Bouygues-Konzern zu einer neu gegründeten Konkurrenzfirma.

Kader-Exodus bei Bouygues E&S InTec Schweiz AG in Olten: Nicht nur der Leiter des Regionalstandortes, Fredy Dubach, verlässt die frühere Alpiq InTec, sondern mit ihm zusammen auch zehn weitere Kadermitarbeiter. Pikant: Sie wechseln alle zu einem direkten Konkurrenten – zu der vom Berner Energiekonzern BKW erst kürzlich gegründeten AEK Build Tec AG mit Sitz in Solothurn.

Die Abgänge erschüttern die Elektro- und Gebäudetechnik-Firma Bouygues E&S InTec Schweiz AG in Olten genau ein Jahr nach dem Vollzug der Übernahme der damaligen Alpiq InTec durch den weltweit tätigen französischen Bouygues-Konzern. Dieser hat rund 90 Standorte und über 5000 Mitarbeitende in der Schweiz, davon rund 200 in Olten. Bouygues hat die Kunden des Regionalstandortes Olten Ende Juni in einem Brief aktiv über die Abgänge informiert. In dem Brief wurde ihnen versichert, dass «das lokale Team von 200 engagierten Mitarbeitenden die Arbeiten in gewohnt hoher Qualität und termingerecht» ausführen werde.

Standortleiter hat sein Pult bereits geräumt

Während die anderen Abgänger noch bis zum Ablauf ihrer Kündigungsfrist Ende November weiterarbeiten, hat Fredy Dubach sein Pult in Olten bereits geräumt: Mails an ihn kommen an den Absender zurück, mit dem Vermerk, dass «die angeschriebene Person die Firma verlassen» hat.

Dass die Kader direkt zum neuen direkten Konkurrenten, der AEK Build Tec AG mit Sitz in Solothurn «übergelaufen» sind, dürfte die Abgänge für Bouygues noch schmerzlicher machen. Dies schimmert auf Nachfrage am Schweizer Hauptsitz in Zürich denn auch aus einzelnen Antworten von Mediensprecher Stephan Kurmann durch: Bouygues habe «mit dem Kauf der Gebäudetechniksparte von Alpiq substanziell dazu beigetragen, dass die Verkäuferin ihre Schulden begleichen konnte und Arbeitsplätze in der Schweiz gesichert wurden.»

Über die Gründe der Kündigung gebe es «viele Spekulationen, die wir nicht kommentieren», sagt Kurmann. Dies zu Aussagen von Insidern, wonach die abspringenden Kadermitarbeiter mit der neuen Situation und Firmenkultur nach der Übernahme von Alpiq InTec durch Bouygues unzufrieden seien. «Obschon Bouygues schon lange in der Schweiz tätig ist, bringen solche Firmenübernahmen immer auch Veränderungen mit sich», räumt der Mediensprecher aber ein. Aber: «Der Standort Olten ist und bleibt ein wichtiger Standort für uns. Wir möchten lokal verankert bleiben und weiterhin in die Gebäudetechnik und Innovationen im Kanton Solothurn investieren.» Entsprechend laufe auch die Neurekrutierung auf Hochtouren.

Das zeitliche Zusammentreffen kann kaum Zufall sein

Von den elf Abgängern selber ist zu ihren Motiven nichts zu erfahren: Sie hüllen sich in Schweigen und verweisen auf Anfrage an die Bouygues-Medienstelle. Bemerkenswert ist aber das zeitliche Zusammentreffen der Ereignisse: Am 20. Mai wurde die AEK Build Tec AG gegründet, mit der die BKW künftig erklärtermassen ihr «Geschäft im Bereich der Elektro- und Gebäudetechnik ausbauen und verstärkt im Raum Aargau und Solothurn tätig werden» will. Gleichzeitig wurden Stellen für entsprechendes Personal ausgeschrieben, und Ende Mai reichte das Oltner Bouygues-Kader seine Kündigungen ein.

Ist die BKW beim Konkurrenten aktiv auf Personalfang gegangen? «Wir haben keine Mitarbeitenden von Bouygues abgeworben», kommt sec die Antwort der BKW-Medienverantwortlichen Sabrina Schellenberg. Über die Vorgänge bei Bouygues habe man «keine Kenntnisse», könne aber bestätigen, dass «auch Mitarbeitende dieser Firma in unser neues Unternehmen eintreten werden».

BKW plant einen Ausbau auf 200 Mitarbeiter

Der Aufbau der neuen BKW-Tochter AEK Build Tec AG, mit Sitz in Solothurn, laufe plangemäss, wie die Mediensprecherin erklärt. Hauptstandort der Firma werde Rickenbach bei Olten sein, weitere Standorte seien geplant. «Ab Anfang 2020 wird die Firma AEK Build Tec AG operativ tätig sein», schildert Sabrina Schellenberg den Zeitplan. Geplant sei in der wachsenden Mittellandregion in den nächsten Jahren ein nachhaltiger Ausbau auf rund 200 Arbeitsplätze in den Bereichen Elektro, Sanitär, Heizung, Klima und Solar – je nach Auftragslage und der verfügbaren Fachkräfte.

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Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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