Hauenstein
Ab in den Stollen! So wurde vor 100 Jahren der wichtigste Tunnel gebaut

Die Ausstellung «100 Jahre Hauenstein-Basistunnel» vermittelt Einblicke in die Arbeit unter Tag. «Interessant sind Tunnels, bevor und während sie gebohrt werden», so der Museumskommissionspräsident.

Urs Amacher
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Museumsleiterin Luisa Bertolaccini und Museumskommissionspräsident Ruedi Moor präsentierten die Ausstellung im Historischen Museum Olten.Bruno Kissling

Museumsleiterin Luisa Bertolaccini und Museumskommissionspräsident Ruedi Moor präsentierten die Ausstellung im Historischen Museum Olten.Bruno Kissling

Am Samstag, dem 8. Januar 1916, wurde die neue Eisenbahnlinie durch den Hauenstein-Basistunnel dem Betrieb übergeben. Auf den Tag genau 100 Jahre später, am vergangenen Freitag, eröffnete das Historische Museum Olten eine Ausstellung zu diesem Ereignis.

Mit Werkzeugen und Geräten, mit Dokumenten, Plänen und zahlreichen Fotos vermittelt die Ausstellung einige Eindrücke vom Bau der Röhre durch den Jura. Die Objekte stammen aus dem Historischen Museum selber oder von Leihgebern.

Wenn ein Tunnel fertig gebaut und in Betrieb steht, ist er eigentlich etwas Langweiliges. Beim Hauenstein ist es eine siebenminütige Fahrt durch ein muffiges, dunkles Loch – ohne Aussicht.

Interessant sind Tunnels hingegen, bevor und während sie gebohrt werden, stellt Museumskommissionspräsident Ruedi Moor in seiner Vernissagerede fest. Tatsächlich endet der Rundgang durch die Präsentation im Historischen Museum mit den Fahrplänen. Diese zeigen, dass durch den Bau des zweiten Hauensteintunnels mehr als doppelt so viele Züge zwischen Olten und Basel verkehren konnten.

Ansonsten setzt die Ausstellung drei thematische Schwerpunkte, erklärte Museumsleiterin Luisa Bertolaccini. Die ersten beiden umfassen die Vorgeschichte und die Auswirkungen des 1. Weltkriegs. Der dritte Bereich widmet sich dem Arbeiten im Stollen und dem Leben im Arbeiterdorf Tripolis vor dem südlichen Tunnelportal.

Die alte Hauensteinlinie durch das Homburgertal wies Steigungen bis zu 26,3 Promille auf und stiess 1900 allmählich an ihre Kapazitätsgrenzen. Wie Pläne und Originaldokumente aus dem Archiv der SBB (SBB Historic) zeigen, wurden verschiedene Varianten diskutiert, wie man das Hindernis Jurakette mit einer flacheren Bahn überwinden könnte.

Arbeiter beim Hauensteintunnel
3 Bilder
Die meisten Arbeiter waren Italiener...
... und die Arbeitsmittel primitiv.

Arbeiter beim Hauensteintunnel

Markus Wolf

Der Aargau setzte sich beispielsweise für den Juradurchstich unter der Schafmatt ein. Diese Linie wäre beim heutigen Installationsplatz für den Eppenbergtunnel scharf Richtung Norden abgebogen und bei Obererlinsbach in einem 5,5 km langen Tunnel verschwunden. Schliesslich setzte sich aber das durch die SBB von Anfang an favorisierte Hauensteinprojekt durch.

Wie hart die Jobs im entstehenden Tunnel waren, lässt sich in der Ausstellung bloss erahnen. An der Stirn des Stollens arbeiteten sich die Tunnelbauer damals mit Sprengstoff und Pressluftbohrern durch den Fels.

Der Rest war Muskeleinsatz: pickeln, schaufeln und mauern. Eine wichtige Rolle spielten auch die Zimmerleute. Auf Fotos fällt auf, wie viel Holz im Stollen verbaut wurde. Und verschiedenartige Sägen und andere Zimmermannswerkzeuge illustrieren die Arbeit der «Hölzigen».

Zwar ereignete sich keine Katastrophe wie beim Bau des Scheiteltunnels, trotzdem gaben zwölf Arbeiter ihr Leben beim Bau des Hauenstein-Basistunnels. Während der gesamten Bauzeit meldeten die Arbeiter 4826 Unfälle.

Das Unfallverzeichnis der SBB von 1912 ist in einer Vitrine ausgestellt; in das dicke Buch wurden alle gemeldeten Verletzungen eingetragen. Die aufgeschlagene Seite zeigt acht Namen: Vier davon sind Italiener, nämlich zwei Handlanger, ein Betonierer und ein Tunnelarbeiter, wobei der eine Handlanger erst 19 Jahre alt war.

Auch zwei Zimmerleute erlitten Verletzungen, dem Namen nach ein Deutscher und ein Luzerner. Ein weiterer Handlanger, Theo Burkhard, stammte wohl aus der Gegend.