Sonntagnachmittag: Sonnenschein, 35 Grad warm, Idylle in der Badi Olten, wo sich gegen 3500 Gäste tummeln. Aber dann: gegen 14.45 Uhr, Hilferufe aus der Aare; ein rund 50-jähriger Schwimmer erleidet, wie sich später herausstellt, auf seinem Weg zwischen Chessiloch und Strandbad einen Muskelkrampf, verpasst deshalb den Ausstieg beim Freiluftbad, wird von der Strömung mitgerissen.

Seine Hilferufe werden von einer Aufsichtsperson, welche den Aare-Abschnitt längs des Freibades ebenfalls zu überwachen hat, wahrgenommen. Subito alarmiert sie per Funk den diensthabenden Bademeister Simon Grieder, der ebenso flugs zusammen mit einer weiteren Aufsichtsperson im Rettungsboot in die Aare sticht und den Mann, der sich – mittlerweile von der Strömung mitgerissen und 20 Meter vom rettenden Ufer entfernt im Wasser treibt – schliesslich an einem Pfeiler der Holzbrücke festkrallen kann, in Sicherheit bringt.

«Die ganze Rettungsaktion hat wohl nicht mal fünf Minuten gedauert», sagt Grieder am Tag danach. Aber einmal mehr habe sich gezeigt, wie wenig es doch braucht, bis sich ein an sich geübter Schwimmer in einer lebensbedrohlichen Notlage befinde. «Zum Glück konnte sich der Mann an den Brückenpfeiler krallen», sagt Grieder noch. Alles andere hätte schlimm enden können, wie Badi-Betriebsleiter Thomas Müller seinerseits nachschiebt.

Sonst wohlauf

Die eigentliche Rettungsaktion an sich war dann nicht mehr kompliziert. Geschickt lenkt Grieder das Boot so, dass dieses ruhig und der Strömung trotzend am Brückenpfeiler verharrt und der Mann aus eigener Kraft ins Boot zusteigen kann. «Ich habe dann rasch festgestellt, dass dem Mann weiter nichts fehlt und keine weiteren Massnahmen unsererseits notwendig sind», sagt der Diensthabende.

Der Vorfall zeige zwei Dinge, meint Müller: «Auch geübte Schwimmer können leicht in Not geraten. Das ist das eine. Zum andern hat die Zahl derer, sie sich zum freien Schwimmen in die Aare begeben, enorm zugenommen.» Die Zahl lässt sich zwar nicht festmachen, aber Müller spricht in diesem Zusammenhang von Hunderten. «Und darunter gibt es sicher viele, die ihre eigenen Schwimmkünste nicht richtig einzuschätzen wissen», wie er vermutet. Müller, seit 2008 in Oltens Diensten, rät jeder «Wasserratte», sich in Selbstrettung auszubilden. «Sich zu helfen wissen kann in solchen Momenten Leben retten», bilanziert er.

Übung macht den (Rettungs-)meister

Aber auch die Handhabung der Rettungsinfrastruktur gehört zum dringlichen Präventionsgebot. Dazu gehören Übungen und zeitgemässes Material. Das aktuelle Rettungsboot ist 20-jährig und Müller ist froh und dankbar darüber, dass zu Beginn der kommenden Saison ein neues Rettungsboot seinen Dienst aufnehmen wird.

Rund fünf Mal pro Saison wird dieses durch die Crew der Badmeister zu Rettungszwecken gebraucht. Aber bei seinen Einsätzen gehts nicht immer um die Rettung von Menschen aus Notsituationen. Feuerwehr und Polizei sind ebenfalls mit dem Boot zu Gange, welches von den meisten Beobachtern als eines im Wartezustand wahrgenommen wird. Bis es drauf ankommt; so wie am letzten Sonntag.