Olten
60 Köpfe wirkten an der Realisierung der Neujahrsblätter mit

Die 74. Ausgabe der Oltner Neujahrsblätter kommt dieser Tage unter die Leute. Das Werk ist Rück- und Ausblick zugleich.

Urs Huber
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Christof Schelbert, Madeleine Schüpfer, Peter André Bloch und Heidi Ehrsam als Redaktionsmitglieder bei der Vernissage.

Christof Schelbert, Madeleine Schüpfer, Peter André Bloch und Heidi Ehrsam als Redaktionsmitglieder bei der Vernissage.

BRUNO KISSLING

Selten, dass ein Herbstbild auf der Titelseite eines Magazins erscheint, welches per se als Auftaktprodukt zum neuen Jahr gilt. Die Rede ist von den Oltner Neujahrsblättern 2016, deren Name – logisch – Programm ist und die in diesen Tagen unter die Leute kommen.

Heuer aber scheint die Sache etwas anders gelagert; nicht themen-, aber stimmungsmässig.

«Reichen wir uns also an Weihnachten und Neujahr die Hände, um miteinander wieder an die eigentlichen Prioritäten des Lebens zu denken, auch an unsere geistige und soziale Eingebundenheit in gesellschaftliche Prozesse, an denen alle teilhaben, in Frieden und sozialer Gerechtigkeit.» So mahnend äussert sich Peter André Bloch in seinem Vorwort.

Der Mann, seit 1979 an Bord des Redaktionsteams und seit vielen Jahren als Präsident der Gruppe aktiv, versteht diese, wie er an der Vernissage am Montagabend sagte, nicht als «Besserwisser», sondern als Schmelztiegel einer Maxime, die da heisst: Bürger schreiben für Bürger. «Genau so isches, joo», reichte er wie zur Bekräftigung nach.

116 Seiten, mehr geht nicht

Der Umfang des Magazins: seit vielen Jahren 116 Seiten. «Mehr können wir uns nicht leisten», so Bloch etwas schelmisch. Dafür haben über 60 Köpfe an der Realisierung der 74. Ausgabe mitgewirkt.

«In Olten schreiben die Leute ihre Geschichten selber», bringts der Redaktionspräsident auf den Punkt. Wohl so etwas wie das Geheimnis des in 10 000 Exemplaren aufliegenden Produkts, mit welchem im vergangenen Jahr noch ein Reingewinn von rund 4500 Franken erwirtschaftet werden konnte, wie Heidi Ehrsam als Rechnungsführerin vermeldete.

Fürs neue Jahr stehen die Zeichen weniger gut. Aber: «Zuversicht ist die Mutter der Porzellankiste» – ums in etwas abgewandelter Form auszudrücken. Bloch lächelt.

Aber nun zum Inhalt, der sich, da macht die aktuelle Auflage keine Ausnahme, in der üblichen Dichte zeigt, Heimweholtnerinen und -oltnern den lieblichen Schauer über den Rücken fliessen lassen mag: Oltens Panoptikum ist eben nur schwerlich mit einem Blick zu kredenzen.

Herbst-Gedichte (Madeleine Schüpfer), Unentgeltliches Stadtmarketing (Pedro Lenz), Martin Eduard Fischers Trouvaillen aus René Messerlis Ansichtskartensammlung, Max Affolters Präsentation der Krähe als wunderliches Tier, Lukas Hohlers Beitrag über den 100. Geburtstag seines Grossvaters Hans Hohler.

Die Stadt breitet ihren Fächer aus, lässt auch den ehemaligen Oltner und jetzt Neuseeländer Peter Sommerhalder (wer kennt ihn noch?) zu Wort kommen, der in seinem Essay über Ferien auf dem Hasliberg sinniert, wo die einstige Aare-Tessin ein Ferienhaus unterhielt. Goldene Zeiten.

Zimmer fre(y)

Nicht fehlen darf auch die Geschichte rund um Karl Frey, der sich mit einer Erlebniserzählung aus dem Jahre 1943 ein Zimmer im Hotel Schweizerhof ergatterte, welches jetzt nach ihm benannt ist.

Der 99-jährige Oltner wird in Luzern also im selben Atemzug genannt wie Leo Tolstoi, Mark Twain oder Winston Churchill, die Freys «Schicksal» teilen. Wie hatte Bloch zu Beginn der Vernissage gesagt: Das Werk ist Aus- und Rückblick zugleich.