Peter Schibli, der Oltner «Alt-Kinobetreiber», wie er sich selbst nennt, ist bei Gott kein Unbekannter. Aber wie bloss begann seine Leidenschaft für den Eisenbahnmodellbau, für Kupplungen, Figuren, modellierte Landschaften? Die Frage drängt sich auf, wenn man ihn als einen aus dem Quartett der Wangner Modellbaugruppe anspricht.

Die Gruppe nämlich lädt an den kommenden Wochenenden und Feiertagen ins Oltner Gerolag Center, wo die über 200 Quadratmeter grosse gruppeneigene Modelleisenbahnanlage in Spur 0 genossen werden kann.

Schibli lächelt. «Beim mir hat alles mit einer Packung ‹Buco› begonnen; kurz nach dem Krieg. Eine Lok, zwei Wagen, eine Weiche und ein Prellbock; fertig.» Seither ist der Ruheständler infiziert. «Das geht nicht mehr weg», lächelt er.

Ein Fischer bleibe dem Fischen ja auch treu. Klar. Dann wendet er sich wieder den Zugskompositionen und der Modulanlage zu: 800 Meter Schienenstrang, 70 Weichen und rund 3 km verlegte Kabel halten das Herz der Anlage am Schlagen.

Vieles ist «frei erfunden»

Ein Postzug, ein Güterzug mit leeren Kieswaggons, eine fünfgliedrige Komposition mit Pullmanwaggons und eine Güterkomposition mit mehr als 30 Achsen passieren innert drei Minuten den Gasthof Bären.

«Den gibts nicht wirklich», sagt Schibli. Dafür ähnelt das Lokdepot am Ostende der Anlage doch jenem in Olten. «Stimmt», sagt er und verweist auf die Siloanlage, die ebenfalls jener im Hammer Olten nachempfunden ist. Massstäblich nachgebaut – im Verhältnis 1:45, so eben wie die Eisenbahnmodelle – wurde etwa der Bahnhof Oberrüti (wo übrigens fast nie ein Zug hält) und das Streckenwärterhäuschen, gelegen zwischen Immensee und Arth-Goldau.

Der Rest der Anlage ist frei erfunden. Die Gestaltung der Umgebung sei das Aufwendigste an der ganzen Sache, sagt Schibli. «Wo die Geleise langführen, ist rasch mal klar. Aber welche Szenerie gebe ich dem Modul?»

Panne nur am Auto

Und so kommt es, dass sich auf der Anlage feucht-fröhliche Gesellschaften hoch über den Geleisen tummeln, die Züge Schrebergartenkolonien passieren, sich der Besitzer des Land Rovers unter seinen Wagen legen muss, um eine Panne zu beheben oder sich die rund fünf bis sechs Kilogramm schwere Lok durch Rebhänge zwängt, an denen sich Spaziergänger auf Sitzbänken ausruhen oder am Rande des Abgrunds, zurückgehalten von einer Stützmauer, in die vermeintliche Ferne blicken.

«Eigentlich ist fast alles möglich», weiss Schibli, der sich auf der rein eisenbahntechnischen Seite noch einen Wunsch offenhält: Eine TEE-Komposition bauen, das wär noch sein Traum. Die Gefährte verkehrten ab 1957 während 30 Jahren zwischen den EWG-Staaten, der Schweiz und Oesterreich und wiesen, neben andern Standards, eine einheitliche Lackierung (bordeauxrot/creme) auf. «Das waren Aushängeschilder damals», weiss Schibli.

Was noch bis 5. Januar zum Besuch einlädt, ist üblicherweise auf über 30 Paletten in Rickenbach eingelagert und wird alle zwei Jahre der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. «In 15 Stunden ist die Anlage funktionstauglich zusammengebaut», verrät Schibli.

Eben durchfährt der Postzug, dessen Lok rund zweieinhalbtausend Franken kostet, den Bahnhof Blausee-Mitholz. Aus der Ferne nähert sich eine weitere Komposition, gezogen vom «Krokodil». Man glaubt noch die Stimme des Bahnhofvorstandes zu hören, der «zurücktreten bitte!» ruft. Aber nein, das war doch früher.