Olten

50'000 Franken weniger für die Schulleitung irritiert

Das Schulhaus Bannfeld in Olten.

Das Schulhaus Bannfeld in Olten.

Die Kosten für die Schulleitung werden in Olten um 50'000 Franken reduziert, hat das Gemeindeparlament entschieden. Das irritiert die Bildungsdirektion – sie sieht die Qualität der Schule in Gefahr.

Die Irritation hallt nach; und auch nach einer guten Woche ist sie noch immer spürbar auf der Direktion Bildung und Sport im Oltner Stadthaus. Ein Antrag der CVP/EVP/GLP-Fraktion im Gemeindeparlament zur Reduktion der Kosten für Schulleitungen (Löhne Verwaltung und Betreuungspersonal) um 50 000 Franken wurde an der Budgetdebatte mit 25 zu 20 Stimmen bei 3 Enthaltungen angenommen.

«Wir haben den Entscheid mit einer gewissen Erschütterung zur Kenntnis nehmen müssen», sagt Martin Wey, Stadtpräsident und verantwortlicher Stadtrat Bildung und Sport. Aber klar, der Entscheid werde im Jahr 2016 ungesetzt. Wie? Das hingegen ist wieder eine andere Frage. «Derzeit steht noch keine Lösung im Raum», so Ueli Kleiner, Direktionsleiter Bildung.

Fest steht aber, dass unter den neuen Umständen der Auftrag der Schulleitung nicht mehr in gewohntem Rahmen ausgeführt werden kann. Was bislang an städtischen Schulen bei einem Schulleitungspensum von 419 Prozent bewältigt werden konnte, steht nach dem überraschenden Parlamentsentscheid urplötzlich zur Disposition.

Die Zahlenlage

In aller Kürze: Die Absicht des Stadtrates war es, mit besagten, im Jahr 2015 bereits von 496 auf 419 reduzierten Stellenprozenten im Schulleitungsbereich die neue Leistungsvereinbarung zwischen Kanton und Einwohnergemeinde für den Zeitraum 2015 bis 2018 abzuschliessen. Dies, nachdem sinkende Schülerzahlen auf der Sekundarstufe I eine Pensenreduktion um 77 Prozent zur Folge hatten, womit Einsparungen über gut 130 000 Franken einhergingen.

Zu wenig. Haken an der Geschichte nämlich: Der Berechnungsschlüssel, festgehalten im Konzept Geleitete Schule (vom Parlament im Jahr 2008 genehmigt), eruiert tatsächlich die von den Antragstellern angepeilten 370,5 Stellenprozent. Dass in just diesem Konzept der Stadtrat als jene Kraft ausgewiesen ist, die über das Pensenvolumen im Schulleitungsbereich befindet, steht in einem gewissen Widerspruch zur praktischen Regel im Parlament, wie das aktuelle Beispiel zeigt.

Aufträge an die Schule

An den 370,5 Stellenprozenten aber war nicht festzuhalten, nachdem die Bildungsdirektion das Aufgabenfeld der Schulleitungen im Hinblick auf die neue Leistungsvereinbarung erweitert hatte. «Erziehungs-, Bildungs- und Integrationsaufträge, welche die Schule als Ganzes zu leisten verpflichtet ist, gehen heute, speziell im urbanen Raum, mit einer grossen Komplexität einher», erklärt Kleiner. Eine heterogene Gesellschaft erfordere im Umgang mit Schülerinnen und Schülern mehr individuelle Strategien und Betreuung, sei in jedweder Hinsicht klar aufwendiger geworden.

Schlussfolgerung: Das elementare Ziel, die Kinder zu befähigen, nach der obligatorischen Schulzeit eine Anschlusslösung in Angriff nehmen zu können, ist eine gemeingesellschaftliche Aufgabe. Und der Weg dorthin kann ein steiniger sein: «Das beginnt bei Integrationsanstrengungen von fremdsprachigen oder verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern, umfasst die Begleitung und Stützung von Kindern und deren Familien in konfliktbeladenen Situationen bis hin zum Berufsfindungsangebot», erklären die beiden Schulleiter Hansueli Tschumi (Sek I) und Kerem Yildirim (Primarschule Bannfeld).

Wolle die Schule diese Aufgabe zielführend bewältigen, so brauche sie die dafür notwendigen Ressourcen. Was auf gut Deutsch heisst: Geld und Personal.

Dass in all diesen Prozessen auch Führungsaufgaben (Beurteilung, Förderung der städtischen Lehrkräfte) eingeschlossen sind, versteht sich von selbst. «Zudem sind die Schulleitungen bemüht, Lehrerinnen und Lehrer an der Front zu entlasten, damit sich diese vor allem auf den Unterricht konzentrieren können», weiss Kleiner. Und auf das offenkundig immer mächtiger werdende Aufgabenfeld der Schulleitungen angesprochen: «Wir geben uns die Aufträge nicht selber, diese sind in der Regel kantonal definiert.»

Die vom Parlament verabschiedete Reduktion schmerzt nicht zuletzt, weil die Direktion Bildung und Sport im Hinblick auf die neue Leistungsvereinbarung auch Pensenvergleiche mit den Kantonshauptstädten Solothurn und Aarau gezogen hat.

Und siehe da: «Die auf Schuljahr 2015/16 vorgenommene Pensenreduktion in Olten führt dazu, dass aus dem gesamten «Bereich Führung und Administration» Stellenumfang (779 Prozent) ganze 0,56 Stellenprozente auf jede Schülerin und jeden Schüler (1400) entfallen», so der Direktionsleiter Bildung. In Solothurn (0,61 Prozent bei 1350 SuS/830 Stellenprozent) und Aarau (0,65 Prozent bei 1647 SuS/1064 Stellenprozent) liegen die Eckwerte deutlich höher. In Olten könne man sich diesbezüglich durchaus sehen lassen, sind sich Kleiner und Wey gleichermassen einig.

Was nun?

Das aktuelle Szenario kommt für die Verantwortlichen überraschend. Über mögliche Konsequenzen aber hat man sich bei der Direktion durchaus Gedanken gemacht. So sieht man dort den gegenwärtig ruhigen Schulbetrieb gefährdet, die Schulführung geschwächt, werden zusätzliche Pensen notwendig für administrative Aufgaben vor Ort, schwebt über allem die drohende Verzichtsplanung: «Die Frage wird sich stellen: Welche Aufgaben können nicht mehr erfüllt werden», so Kleiner. Es sieht so aus, als gehe die Schule Olten unruhigeren Zeiten entgegen.

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