Natürlich lobt man ein Geburtstagskind; manchmal auch zu Recht. Im Falle des Schützenhauses Gnöd in Hägendorf, welches heuer seinen 50. Geburtstag feiert, trifft das Lob ins Schwarze, will man in der Schützensprache bleiben. Abgelegen und trotzdem gut erreichbar ist die Lokalität auf jeden Fall: Ein Umstand, der zumindest Beeinträchtigungen von nicht Schiessinteressierten minimiert. Aber auch sonst ist die Anlage «infrastrukturell und umwelttechnisch top», wie Adrian Fürst, Präsident der Vereinigten Schützengesellschaften, an der Geburtstagsfeier am Samstag hervorhob.

Potenzial ist heute anerkannt

Vielleicht der an Jahren älteste Gast, der einstige Präsident und heutige Ehrenpräsident der Hägendörfer Schützen, der 83-jährige Josef Gut, brachte die Sache auf den Punkt: «Wir haben schon etwas studiert dabei.» Gemeint ist die Tatsache, dass mit der Wahl des neuen Standorts seinerzeit viel Potenzial für die neuzeitliche Gestaltung des Schiesssports geschaffen wurde. Das zahlt sich heute aus. Das 1920 erbaute alte Schützenhaus, rund 100 Meter östlich gelegen, musste seinerzeit dem Autobahnbau weichen. Im Nachhinein ein eigentlicher Glücksfall. Die heutige Anlage auf der damaligen «Schliffi», einer zerfallenen und von Grün überwucherten Befestigungsanlage aus Zeiten des 1. Weltkriegs, ist mittlerweile Heimat für die Schützengesellschaft Hägendorf-Rickenbach, jene von Wangen und die Pistolenschützen Belchen. Seit anderthalb Jahren kommen auch die Stadtschützen Olten zum Gastrecht im Gnöd. Die Anlage entwickelt sich also mehr und mehr zu einem regionalen Schiesszentrum. 20 Scheiben auf der 300-m-Distanz, deren 8 auf 50 m und 5 auf 25 m bietet die Schiessanlage, sanierte Kugelfänge und Läger inklusive.

Kein Brimborium

Nun, wie feiert man den Geburtstag eines Schützenhauses? An einem Brimborium war den Schützen im Gnöd jedenfalls nicht gelegen. Fast liesse sich von genügsamen Schützen sprechen. Aber ein paar bemerkenswerte Angebote gabs schon, auch wenn die Gästeschar dabei überschaubar blieb und man sich im Gnöd hauptsächlich unter seinesgleichen wähnte.

Es gab, sozusagen «draussen vor der Tür», etwa eine kleine Ausstellung von Gewehren, Revolvern und Pistolen zu bewundern, die Waffensammler Eric Kellerhals zusammengestellt hatte und der mit technischen und geschichtlichen Informationen dazu nicht geizte. So beispielsweise bezüglich des einheimischen Vetterli-Repetiergewehrs, mit dem die Schweizer Armee ab 1869 ausgerüstet wurde. «Sie war die erste Armee überhaupt, welche sich so bewaffnete», sagt Kellerhals mit Hinweis darauf, dass zuvor übergangsweise amerikanische Peabody-Einzellader-Gewehre genutzt worden seien. 15 000 davon wurden damals als Übergangslösung in die Schweiz geliefert, ehe die Armee sukzessive auf Repetiergewehre umstellten konnte. Im amerikanischen Bürgerkrieg hatte sich die Überlegenheit der Repetiergewehre über die Einzellader gezeigt.

Mal schiessen mit Sturmgewehr 90

Natürlich liessen sich an der Feier auch Schützenwünsche erfüllen. Walter Lanz aus Hägendorf etwa gab zu verstehen, noch nie mit dem neuen Sturmgewehr 90, der Standardwaffe der Schweizer Armee, geschossen zu haben. «Das würde ich jetzt gerne nachholen», meinte er. Die zivile Version dieses Gewehres ist nämlich auch bei Sportschützen sehr beliebt. Sein Wunsch ging in Erfüllung. Und auch Wangens Gemeindepräsidentin Daria Hof mischte sich unter die Gelegenheitsschützinnen und merkte sich schon mal den Termin für das Nachtschiessen mit der Pistole vor. «Auf der 300-m-Distanz gingen zwei Schüsse ins Grüne», lacht sie. «Aber mit der Pistole kam ich bei meiner Premiere eigentlich ganz gut klar.» Für Adrian Fürst kein Wunder: «Es kommt recht häufig vor, dass sich Frauen als gute Schützinnen erweisen, besser als Männer übrigens.» Vielleicht darum, weil sich Frauen nicht von allem Anfang einbilden, schiessen zu können.

Beim Rundgang durch die Anlage kam Pius Müller, Präsident der Schützengesellschaft Hägendorf-Rickenbach auch auf die Nachwuchsförderung zu sprechen. Er tat dies nicht unkritisch: Langjährige Schützen müssten sich bei der Instruktion von am Schiessen interessierten Jugendlichen vielleicht etwas zurücknehmen. «Sonst machen die auf dem Absatz kehrt, wie das auch schon vorgekommen ist.» Aber des Schützen Lebenselixier ist Optimismus. «Diesbezüglich, sind wir bei uns sicher auf dem richtigen Weg», so Müller.