Olten

5. Nationale Arkadis-Fachtagung «Selbstbestimmt mitgestalten!»

«Selbstbestimmt mitgestalten! Behinderung im Fokus individueller und gesellschaftlicher Emanzipation» wurde bei der Arkadis-Fachtagung aus verschiedenen Perspektiven behandelt. (Symbolbild)

«Selbstbestimmt mitgestalten! Behinderung im Fokus individueller und gesellschaftlicher Emanzipation» wurde bei der Arkadis-Fachtagung aus verschiedenen Perspektiven behandelt. (Symbolbild)

Bereits zum fünften Mal hat die Oltner Stiftung Arkadis eine nationale Fachtagung durchgeführt. Renommierte Referentinnen und Referenten aus dem In- und benachbarten Ausland haben das Thema «Selbstbestimmt mitgestalten! Behinderung im Fokus individueller und gesellschaftlicher Emanzipation» aus verschiedenen Perspektiven behandelt.

Mitbestimmung kann auf verschiedene Art und Weise konzeptualisiert werden. An dieser Fachtagung wurde die Mitbestimmung im Sinne eines multidimensionalen Zugangs auf alle Bereiche bezogen, die zur Inklusion von Verschiedenheit relevant sind, nämlich: Autonomie und Mitbestimmung an der Gestaltung des eigenen Lebensbereiches, Recht auf Arbeit und politische Rechte. Emanzipation umfasst dabei immer individuelle, kollektive und strukturelle Prozesse, die grundsätzlich politischer Natur sind, wie auch Dr. Dagmar Domenig, Direktorin der Stiftung Arkadis, in ihrer Eröffnungsrede betonte. Denn Förderung des selbstbestimmten Mitgestaltens von Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung sei im Betreuungsalltag oft aufwändiger und daher nur möglich, wenn dazu auch die notwendigen Ressourcen bereitgestellt würden. Doch Sparprogramme der öffentlichen Hand führten dazu, dass oft genau hier Abstriche gemacht werden müssten.

Der französische Soziologe Prof. Dr. Eric Fassin ging der Frage nach, ob eine Gesellschaft Unterschiede anerkennen oder im Gegenteil ausser Acht lassen sollte. Dabei zeigte er auf, dass sich diese Frage in den diversesten Diskussionen stelle, sei es in der Geschichte des Feminismus, in der Rassendiskussion oder eben auch im Behindertenbereich.

Prof. Dr. Ingeborg Hedderich gab einen Überblick über die Entstehungsgeschichte und Systematik der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) und legte dann den Stand der Umsetzung in der Schweiz dar. Aus dem Spannungsfeld von menschenrechtlichem Anspruch der UN-BRK und der gesellschaftlichen Wirklichkeit leitete sie Herausforderungen ab, die sich sowohl aus nationaler als auch aus internationaler Perspektive auf dem Weg hin zu inklusiven Gesellschaftsstrukturen ergäben.

Prof. Dr. Elisabeth Wacker nahm eine Standortbestimmung in Bezug auf Teilhabe am Berufsleben respektive Beteiligungschancen von Menschen mit Behinderungen am Erwerbsleben vor. Dabei wurden drei Aspekte besonders hervorgehoben: Die individuellen Teilhabeansprüche, die Wechselwirkung zwischen Autonomieanspruch und Angewiesensein sowie die grundsätzlichen Beteiligungschancen.

Die Westschweizer Organisation Orif (Organisation romande d’intégration et de formation) setzt sich für die dauerhafte berufliche Integration von Personen ein, die in ihrer Gesundheit eingeschränkt sind. Der Geschäftsführer Dominique Rast stellte die Organisation in seinem Referat «Es ist die Wirtschaft, die sich integrieren muss!» vor und betonte dabei die Wichtigkeit von Teilhabe und Selbstbestimmung beim Zugang zur Arbeit bei Menschen mit Behinderungen.

Prof. Dr. Monika Seifert betrachtete in ihrem Referat die gegenwärtigen Beteiligungschancen von Menschen mit Behinderungen im Bereich des Wohnens und des Lebens in der Gemeinde und konkretisierte notwendige Weiterentwicklungen auf individueller Ebene, Gruppenebene und auf institutioneller Ebene.

Das Linzer Kompetenzzentrum Proqualis führt Qualitätsumfragen in Behinderteninstitutionen durch, und arbeitet dabei mit einem Team von Menschen mit Lernschwierigkeiten als qualifizierte Befragerinnen, Sozialpädagogen, Sozialwissenschafterinnen und Techniker. Im gesamten Befragungsprozess sind Menschen mit Lernschwierigkeiten involviert. Birgit Peböck, die Leiterin von Proqualis und Christiane Maurer eine Evaluatorin mit Lernschwierigkeiten stellten die Arbeitsweise von Proqualis vor.

Zum Abschluss zeigten Laurence Cotting und Gion Capeder unter dem Titel «Die Kunst im Zentrum, Die Behinderung am Rand» die Arbeitsweise des Atelier CREAHM in Fribourg. CREAHM ist überzeugt, dass kreativ begabte geistig oder psychisch behinderte Menschen in den bildenden Künsten eine bevorzugte Ausdrucksform erhalten, in der sie, sofern man ihnen die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt, einen Lebensinhalt finden und sich eine Künstleridentität aufbauen können.

Anfangs 2019 wird auch von dieser Fachtagung im Seismo-Verlage eine Buchpublikation in der Reihe «Teilhabe und Verschiedenheit» erscheinen, mit Beiträgen der Referentinnen und Referenten. (mgt)

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