Olten
37 Vorschläge an den Stadtvater

Die CVP der Stadt Olten widmete sich dem ausgerufenen Klimanotstand und möglichen konkreten Massnahmen. Und die Klimabewegung Olten überreichte Stadtpräsident Martin Wey einen Katalog mit 37 Massnahmen.

Jürg Salvisberg
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Jürg Salvisberg

Die Klimadebatte in Olten kühlt sich trotz mässigem Wetterstart in den Sommermonat Juni nicht ab. Seit Donnerstagabend ist Stadtpräsident Martin Wey im Besitz von 37 Lösungsvorschlägen, mit denen Olten auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Stadt weiter vorankommen kann. Ausgearbeitet hat sie die Klimabewegung Olten, die im März im Parlament mit der erheblich erklärten Volksmotion «Klimanotstand» einen Erfolg landete. Den Elan nahmen die Klimastreikenden an einen Workshop-Anlass im Mai mit, der 50 Forderungen zu Papier brachte. In acht Bereiche gegliedert und überarbeitet, resultierten daraus jene 37 Ideen, die Aline Temperli und Lukas Lütolf an einer von der CVP organisierten Veranstaltung im Magazin dem Stadtpräsidenten überreichten.

Der an Stadtpräsident Martin Wey überreichte Ideenkatalog erstreckt sich über acht Bereiche: stadteigene Betriebe, Bildung, Mobilität und Verkehr, Ressourcen und Ernährung, öffentlicher Raum, Gewerbe und Industrie, private Gebäude und Verschiedenes. Ein Auszug.

Mobilität und Verkehr: Vier autofreien Sonntage im Jahr, Reduktion der Parkplätze, sichere und klar gekennzeichnete Velowege, die Verbilligung von Fahrkarten für Schüler und Rentner, Ausbau der umweltfreundlichen Busflotte und eine bessere Erschliessung der Randregionen an.

Ressourcen und Ernährung: Auflagen für Veranstaltungsbewilligungen auf städtischem Gebiet (unter anderem Nachhaltigkeitsbericht für Grossanlässe, jeder Verpflegungsstand bietet mindestens ein pflanzliches Menu an), vereinfachtes Recycling im privaten wie im öffentlichen Raum, das Verringern von Foodwaste und Einwegplastik.

Private Gebäude: Strenge und effiziente Vorgaben für energetisches Bauen, Sonderbauvorschriften, welche den Energiebedarf für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Klimatisierung nahe bei null zu liegen kommen lässt und der ausschliesslich mit erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden darf. Förderung von Photovoltaikanlagen oder auch etwa die Umsetzung der Motion «Hitzeinseln verhindern - Schottergärten vermindern».

Stadteigene Betriebe: Photovoltaikanlagen soweit möglich auf allen stadteigenen Gebäuden, die städtische Betriebe stellen von Erdgas auf Biogas/erneuerbare Energien um.

Öffentlicher Raum: Mehr Bäume für Olten und die Planung von Grünflächen sowie eine effiziente Strassenbeleuchtung (Bewegungsmelder/Dimmlichter).
Gewerbe und Industrie: Ökostrom in Firmen, Aufbau Fernwärmenetz.

Bildung: Umfassende Bildung an den Schulen betreff Klimawandel, Hinweise für Eltern, etwa auf Schülertransporte zu verzichten, öfters vegatarische Küche an der Kochschule, regelmässige Hinweise der Bevölkerung bezüglich Klimaproblematik.
Verschiedenes: Ist ein Vorschlag aus dem Ideenkatalog nur kantonal umsetzbar, setzt sich der Stadtrat persönlich dort für eine Umsetzung ein.

Die Dramatik des Klimawandels brachte Andreas Frei (Zürich) in seinem Inputreferat auf den Punkt. «Wir haben noch eine halbe Generation Zeit, um die Weichen so zu stellen, dass der Klimawandel menschenverträglich ausfällt», sagte der kirchliche Umweltberater. Um dessen Folgen einigermassen kontrollieren zu können, sei es wichtig, über das Pariser Abkommen hinauszugehen. Es gelte, die Erwärmung auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen und im Sinne der Klimabewegung bis 2030 in der CO2-Bilanz netto eine Null zu erreichen. Falls dies nicht gelinge, seien unkontrollierte Migrationsströme wegen des Anstiegs des Meerwasserspiegels, ein Korallensterben, dramatische Ernteeinbussen und Sturmschäden mit immer höheren ökonomischen Kosten zu befürchten. Frei zeigte auch auf, welche Kehrtwenden nötig sind, um diese Herausforderung zu meistern. «Um die Erwärmung so zu begrenzen, dürfen wir 80 Prozent der noch vorhandenen fossilen Ressourcen nicht anzapfen.»

Umstellen beim Heizen

Was eine ökologische Umkehr im Alltag bedeutet, demonstrierte Wolfgang von Arx am Beispiel der römisch-katholischen Kirchgemeinde Olten/Starrkirch-Wil. Der Leiter von deren Umweltteam legte zuerst die Zunahme im CO2-Verbrauch (+28 Prozent) während der letzten fünf Jahre offen, um dann aufzuzeigen, dass sich mit dem Umstellen von zwei Heizungen auf Biogas oder Pellets 140 der 190 Tonnen einsparen liessen.

Auch Martin Wey war um Ideen nicht verlegen, wie Olten als Energiestadt in der Klimapolitik eine Vorreiterrolle einnehmen könnte. Eben kommuniziert, konnte er auf den Verzicht auf das 1.-August-Feuerwerk verweisen. Daneben erwähnte der Stadtpräsident, dass die Isolationsmassnahmen in allen städtischen Liegenschaften schon markante Einsparungen gebracht hätten. Der verabschiedete Mobilitätsplan und das in Ausarbeitung befindliche Reglement zur Mehrweggeschirr-Einführung seien ebenfalls Schritte in die richtige Richtung.

In der von OT-Redaktor Urs Huber geleiteten Podiumsdiskussion bezeichnete Martin Wey zudem die für das erste Baufeld von Olten SüdWest noch bewilligte Ölheizung als Sündenfall. In diesem Fall und im Submissionswesen hätten die Behörden umweltfreundliche Steuerungsmöglichkeiten, die sie inskünftig konsequenter anwenden könnten. Angesichts des klimafreundlichen Publikums wies Wey aber auch auf einen realpolitischen Umstand hin: «Griffiges und Einschneidendes geht immer über das Parlament.» Viel Sympathie genoss in der Runde ein autofreier Sonntag, selbst wenn er sich als Pioniertat nur aufs Gemeindegebiet beschränken würde.

Auch der Einzelne zählt

Da Veränderungen letztlich von den einzelnen Menschen abhängen, sahen sich alle Anwesenden auch mit ihrem Alltag konfrontiert. Der Gebrauch von Auto und Flugzeug, die Haltung zu höheren Benzinpreisen, Fleischkonsum und Grossbanken wurden so ebenso zum Thema wie die Grundsatzfrage, ob wir bereit seien, Klimaschutz vor Wirtschaftlichkeit und Gewinn zu stellen. In einem Saal ohne bekennenden Klimaskeptiker zeigte sich auf eine entsprechende Frage des Moderators hin auch eine noch ernüchternde Realität. Weniger als ein Drittel des sensibilisierten Publikums glaubten, ihr Verhalten im letzten Jahr so geändert zu haben, dass das Klima davon profitieren konnte.