Er wird nicht mehr allzu vielen Oltnerinnen und Oltnern in Erinnerung sein: Hans Künzi, Jahrgang 1924, Mathematiker mit Doppelprofessur an der Universität Zürich und der ETH Zürich, später Zürcher Regierungsrat und als solcher Vater der dortigen S-Bahn. In Olten an der Maienstrasse aufgewachsen, erschien über den Oltner im letzten Jahr mit «Hans Künzi. Operations Research und Verkehrspolitik» ein Werk des Historikers Joseph Jung, welches in Zürich seine feierliche Vernissage erlebte. Künzi wird darin als Pionier der Wirtschaft und Technik gewürdigt.

Ein Begleiter Künzis

Soweit alles klar. Warum das Kunstmuseum Olten nun aber mit einer Schenkung von 30 Blättern im A4-Format bedacht wird, ist damit noch nicht geklärt. Aber wie man weiss: Bücher wollen illustriert sein. Auch jenes über Hans Künzi.

Ein Teil dieser Illustrationen aus besagtem Buch stammen aus der Feder von Jürg Kohlas aus Freiburg im Üechtland, der, wen wundert’s, ebenfalls in Olten aufwuchs. Und zwar in einer Parallelstrasse der Maienstrasse, und später in ähnlichen Segmenten der Wissenschaft tätig wie Hans Künzi selbst. Aber: Kohlas zeichnet auch. Quasi als Autodidakt.

Und wie zum finalen Schlusspunkt der publizistischen Würdigung Künzis nun findet ein Teil des Schaffenszyklus Kohlas im Kunstmuseum Olten eine definitive Bleibe. Zeichnungen der angedeuteten Konturen und Formen, schnellen Schraffuren und meist versehen mit mathematischen Formeln, wahrscheinlich mit Fineliner oder Tusche gefertigt, korrespondieren mit der einstigen geografischen und geistigen Umgebung Künzis: Bahnhof, Züge, Stadtbilder von Olten und Solothurn, wo Künzi die Mittelschule besuchte und nach der Matura als erstes das Studium der Mathematik an der ETH Zürich begann.

Die Werke Kohlas wirken leicht und fragil, verraten aber den raschen, gezielten Blick des Zeichners, der mit seinen Schriftzeichen auch an Rudolf Mumprecht, den mit Schriftzeichen experimentierenden Berner Künstler, erinnert. Am 6. September werden die Blätter offiziell in die Hände des Kunstmuseums Olten übergeben, wo sie ihren Platz in der grafischen Sammlung finden.

Wieder hervorholen

«Der Werke haben eine gute Chance, der Öffentlichkeit immer wieder gezeigt zu werden», sagt Katja Herlach, stellvertretende Leiterin des Hauses. Denn es gehört zur Praxis des Kunstmuseums, neben den Hauptausstellungen, je nach Thematik, Sonderausstellungen aus der Sammlung zu zeigen. Zunächst aber werden die Blätter inventarisiert.

Das heisst möglichst viel Informationen zu Entstehungsgeschichte, Künstler, Kontext, Hintergründe, Machart, Format und Technik festzuhalten. Zu Letztem sagt Katja Herlach: «Wie gesagt, wahrscheinlich Tusche oder Fineliner.». Sie werde mit Sicherheit noch nachfragen, sagt sie. Dann wandern die Zeichnungen ins Grafikdepot. Denkbar, dass sie etwa unter einer wissenschaftsnahen Ausstellungsthematik wieder zugänglich werden.

Die Kontakte zur Stadt Olten hat Buchautor Jung seinerzeit über Stadtpräsident Martin Wey geknüpft. Der war sowohl Gast an der Buchvernissage als auch an der Einweihung des Denkmals für Hans Künzi in Zürich «So kam die Idee der Schenkung ins Spiel», sagt Wey. Und schliesslich gibts da noch fast eine familiäre Verbindung: Die Mutter des Stadtpräsidenten war Schulkollegin von Künzi.