Olten
26 Jahre Baugeschichte: «Baufritz» Rolf Furrer wirft einen Blick zurück

Mehr als ein Vierteljahrhundert war er Mitglied der Baukommission Olten: Rolf Furrer. Heute bezeichnet er sich leicht ironisierend als «Baufritz». Hier spricht er über mangelnde Bauplätze und seinen grössten Fehler.

Fabian Muster
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Bruno Kissling

Er hat die grossen Baugeschichten der Stadt alle verhandelt: Vom leidigen Thema Olten SüdWest über den langjährigen Kantonsspital-Umbau bis zum goldenen Dach, das derzeit wieder für Schlagzeilen sorgt (siehe Box): Rolf Furrer war ein «Baufritz», wie er sich selbst nicht ganz ernst gemeint nennt, und sass 26 Jahre in der Baukommission, davon die letzten 15 Jahre als Präsident. Der heute 68-Jährige hatte manche Auseinandersetzung in dieser Zeit.

Vor allem bei gewissen Bauherren und Architekten – Namen nennt er keine – sei es zuweilen nicht ganz einfach gewesen, sie darauf hinzuweisen, dass es so wie von ihnen vorgeschlagen nicht geht. «Als Baukommission tritt man dann sehr schnell als Verhinderer auf.» Dies, obwohl die Kommission nur Anträge an den Stadtrat stellt und dieser schliesslich definitiv entscheidet.

Er sagt aber auch: Wer vor der Eingabe mit der Stadt das Gespräch sucht, dem werden die Möglichkeiten innerhalb des gesetzlichen Rahmens aufgezeigt. Sein Credo war stets die rechtsgleiche Behandlung für jeden Gesuchsteller.

Andererseits versteht er zum Teil auch die Anliegen der Gegenseite: Wenn wegen der kantonalen Vorschrift, dass Dacheinschnitte nicht mehr als ein Siebtel der Dachfläche ausmachen dürfen, etwa der Dachausbau mit einer Lukarne verhindert wird, findet er das ebenfalls nicht ideal. Oder ein Annexbau bei einem alten Haus nicht möglich ist wegen der Grünflächenziffer.

«Alte Objekte soll man zu attraktivem Wohnraum umnutzen können», sagt er und verweist auf die im letzten oder vorletzten Jahrhundert gebauten Reihen- und Doppeleinfamilienhäuser in den Quartieren Schöngrund oder auf der rechten Aareseite. Die Bauverordnung ist in seinen Augen in den vergangenen Jahren zu wenig den heutigen Realitäten wie höherer Dichte angepasst worden.

Goldenes Dach

Zufrieden mit Kantons-Entscheid

In seine Zeit als Baukommissionspräsident fiel auch die Geschichte um das Goldene Dach. Das erste Baugesuch gab Mariano Ciccone im Dezember 2007 ein. Für Rolf Furrer ist klar, dass es sich beim langen Hin und Her zwischen Bauherr und Behörde um eine Verzögerungstaktik handelt. «Herr Ciccone ist Architekt und damit ein Fachmann, der über die Gesetzgebung bestens informiert ist.»

Mit anderen Worten: Er weiss laut Furrer, was rechtlich zulässig ist und was nicht. Daher sei er zufrieden, dass das kantonale Bau- und Justizdepartement nun erneut eine Beschwerde abgelehnt hat, und die Familie Ciccone die Sache nicht an die nächste höhere Instanz weitergezogen hat.

Damit drückt der Kanton gemäss Furrer klar aus: «Wer einen langen Schnauf hat, juristisch gut vertreten ist und genügend Geld hat, kann nicht auf eine Art Vergleich mit den Behörden hoffen.» Sonst wären alle, die sich ans Gesetz hielten, die gelackmeierten. «Das Gesetz hat in der Auslegung gewissen Spielraum, ist aber für jeden gleich.»

Auch die von der Stadt angedrohte Ersatzvornahme durch das Oberamt hält er für angemessen. In seiner Zeit sei ein solcher Fall nur einmal vorgekommen – der Bauherr hätte danach aber eingelenkt. (fmu)

Kein Platz für Einfamilienhäuser

Ein weiterer Umstand bereitet ihm Sorgen, der heute noch als Bauherrenberater und Ausbildner tätig ist. In der Stadt Olten gibt es fast keine Grundstücke mehr für neue Einfamilienhäuser. Oberhalb der Hasenweid gäbe es ein Projekt mit rund 20 Objekten, sagt er.

«Diese Häuser sind aber in einem Jahr verkauft.» Unterhalb des Säliwalds Richtung Sälischlössli läuft derzeit nichts, weil die Erschliessungsfrage nicht geklärt ist. Und das zweite Baufeld im Bornfeld dürfe wegen des Raumplanungsgesetzes nicht eingezont werden, das erste war innerhalb weniger Jahre vollständig überbaut. «Das zeigt, wie gross der Bedarf an Bauland in Olten ist.» Er kenne Familien mit Kindern, die bereit sind, bis zu 1,5 Millionen Franken für ein Eigenheim auszugeben. «Wenn diese in die Nachbardörfer ausweichen, gehen uns potente Steuerzahler verloren.»

Als eines der wichtigsten Projekte bezeichnet er – wie könnte es anders sein – das Areal Olten SüdWest. Über den verpassten Kauf der Stadt will der ehemalige FDP-Gemeinderat gar nicht mehr sprechen. Etwas anderes wurmt ihn aber genauso: Mit der Umzonung wurde Mehrwert geschaffen für den heutigen Eigentümer. «Die Stadt hat es damals verpasst, mit ihm richtig zu verhandeln.»

Etwa um ein Stück Land für ein Schulhaus oder einen höheren Beitrag an die Stadtteilverbindung Hammer herauszuholen. Dasselbe beim Areal nördlich des Bahnhofs, das den SBB gehört. Auch dort schaute für die Stadt mit der Umzonung keine Gegenleistung heraus. Die nun im Raumplanungsgesetz vorgesehene Mehrwertabgabe gab es damals noch nicht.

Doch auch unter seiner Ägide seien Fehler passiert. Als die grösste Unterlassungssünde bezeichnet er im Nachhinein – damals sei ihm dies noch nicht bewusst gewesen – die mangelnde Unterkellerung des Swisscom-Gebäudes neben dem Bahnhof. Hätte man die gesamte Liegenschaft auf zehn Meter hohe Pfeiler gestellt und dementsprechend höher gebaut, gäbe es das Problem Bahnhofplatz heute in diesem Ausmass nicht. «Der Bus- und Taxiverkehr könnte nun dort angesiedelt sein.»