Das Schwein ist geschlachtet: Was tun mit Pfoten, Nackenknochen, Niere, Herz und Magen, wenn sie kaum mehr jemand mehr essen will in der Schweiz? Die Swiss Nutrivalor AG hat eine Antwort darauf: Sie nimmt diese sogenann-ten lebensmittelfähigen Schlacht- und Zerlegerei-Nebenprodukte von Schwein, Rind und Geflügel aus Schweizer Fleischwirtschaft an, lässt sie tiefgefrieren und vermarktet sie vorab in Asien, Afrika und Osteuropa, wo sie den lokalen Essgewohnheiten entsprechen und zum Teil sogar als Spezialitäten begehrt sind.

Geringes Interesse

Bisher ist Nutrivalor auf verarbeitende Firmen in Deutschland und Italien angewiesen. Daher hat sie vor zwei Jahren im Oensinger Industriegebiet Holinden ein 20000 Quadratmeter grosses Grundstück gekauft und will dort nun für 20 Mio. Franken einen eigenen Verarbeitungsbetrieb bauen (wir berichteten mehrfach). «Damit die Wertschöpfung in der Schweiz bleibt», erklärte Lutz Arbeck, Projektleiter bei Nutrivalor, am Donnerstagabend im «Rössli»-Saal in Oensingen. Das Unternehmen hatte die Bevölkerung im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens zum Informationsanlass eingeladen, gekommen waren lediglich 15 Personen.

Einseitiges Konsumverhalten

Starten möchte die Firma möglichst bereits 2014 und dann jährlich vorerst 20000 Tonnen Material verarbeiten. «Die einseitigen Konsumgewohnheiten haben dazu geführt, dass man sich vorwiegend auf die edlen Fleischstücke konzentriert», führte Lutz Arbeck aus. Es sei störend, dass dann die restlichen Stücke, die als wertvolle Lebensmittel gelten, deklassiert, zu Haustierfutter verarbeitet und sogar entsorgt werden. Hier hakte der Kommunikationsverantwortliche der Centravo, Georg O. Herriger, ein: «In Oensingen entsteht kein Betrieb, bei dem Aasgeruch entweichen könnte, wie das im Ort befürchtet und etwa in Leserbriefen dargestellt wird.» Auch im «Rössli»-Saal wurde diese Befürchtung ausgesprochen. Worauf Herriger die Hand hob und sprach: «Ich schwöre: Sie werden nichts riechen.» Denn in Oensingen werde keinesfalls Aas angeliefert, sondern frische Ware, gekühlt und in Lebensmittelqualität. Darum müssten sehr strenge Hygienevorschriften eingehalten werden.

Sonderauflage für Parkplätze

Über das Gebäude selber und wie der Fluss der Ware verläuft, orientierte Architekt Thomas Christen (zsb architekten, Oensingen). Er habe schon einige Industriebauten geplant, aber noch keinen mit so besonderen Auflagen, wonach die Mitarbeiterparkplätze im Untergrund oder allenfalls auf dem Dach unterzubringen sind. Dies verursachte – nicht zur Freude der Bauherrschaft – Mehrkosten von zwei Mio. Franken. Allerdings habe man dann das Beste daraus gemacht und auch gleich die Energiezentrale in den Boden versenkt sowie weitere Infrastrukturräume.

Das Versenken der Parkplätze geht auf einen Entscheid des Gemeinderats zurück, basierend auf der Entwicklungsstrategie und der Zonenplanrevision für Oensingen, wie Gemeindepräsident Markus Flury dazu erläuterte. «Aber nicht nur wegen der Parkplätze, auch sonst hat die Gemeinde hart mit der Bauherrschaft verhandelt.» Man habe über alles Geplante genaue Informationen verlangt. Dies, und nicht zuletzt die unterdessen abgewiesene Einsprache gegen den Ausbau der Erschliessung via Südringstrasse hatten die Projektierungsarbeiten verzögert.

In Abrede gestellt wurde vonseiten der Nutrivalor, dass das Bauvorhaben einen direkten Zusammenhang habe mit jenem von Bell in unmittelbarer Nähe. Man plane inhaltlich und terminlich absolut unabhängig.

Ab wann fliessen die Steuern?

Es war denn auch vorab jene Person, welche besagte Einsprache eingereicht hatte, die Fragen stellte. Die Verantwortlichen der Bauherrschaft gaben sachlich und ausführlich Auskunft. So etwa, dass von Montag bis Freitag von 6 bis 23 Uhr und nur ausnahmsweise am Wochenende gearbeitet werde, dass pro Arbeitstag maximal elf Lastwagen hinzu und wieder wegfahren und dass vorerst rund 30 Personen in der Produktion beschäftigt sein werden. Ab wann die Firma in Oensingen Steuern zahlen wird und wie viel, konnte Lutz Arbeck jedoch nicht beantworten. «Unser Ziel ist, dass der Betrieb möglichst schnell rentiert. Dann fliessen auch Steuern.» Doch zunächst muss der Gestaltungsplan und in der Folge das Baugesuch genehmigt werden.