Pro-Kultur-Olten fordert, dass das Kunstmuseum Olten – ein Generationenwerk und ein lebendiger Ort der Auseinandersetzung mit bildender Kunst – als kulturvermittelnde und kulturpflegende Institution erhalten bleibt. Man erwartet von Stadtrat und Parlament, dass er sich für Erhalt und Pflege des Kunstmuseums Olten einsetzt, um dessen Existenz zu sichern.

Diese Petition hat ein gewaltiges Echo gefunden. Die Liste der Unterschriften, zum Teil im Internet veröffentlicht, ist beeindruckend. Aus der ganzen Schweiz sind Solidaritätsbekundungen eingetroffen.

In den letzten Wochen traf sich jeden Dienstagabend eine Gruppe von Oltner Kulturaktivistinnen und -aktivisten in der Stadtkirche. Im Mittelpunkt des letzten Treffens stand die bevorstehende Budgetabstimmung. Zwar hatte die Kerngruppe ursprünglich beschlossen, sich aus der politischen Entscheidungsfindung herauszuhalten; ein Leserbrief im OT mit Budget-Nein-Argumentation, der mit einem Angriff aufs Kunstmuseum und die andern Museen verbunden war, gab dann allerdings viel zu reden.

Verärgert war man nicht zuletzt, weil leider nur von den Kosten der Museen die Rede ist und kein Wort von den finanziellen Nutzen. Verschiedene Studien aus verschiedenen Schweizer Städten, die nie infrage gestellt worden sind, haben ergeben, dass sich Subventionen von kulturellen Veranstaltungen auf Franken und Rappen auszahlen. Die auswärtigen Besucherinnen und Besucher von kulturellen Veranstaltungen bezahlen nicht nur Eintrittsgelder, sondern lassen auch das lokale Gewerbe profitieren. Wer sich Zeit für Kulturgenuss nimmt, hat meist auch Zeit zum Flanieren, für Einkäufe und zum Besuch eines Cafés oder Restaurants. Viele Gäste, viele Künstlerinnen und Künstler übernachten auch in den Oltner Hotels.

Ein Ja zum Budget

Die Gruppe Pro-Kultur-Olten entschloss sich, lieber spät als nie, zu einer Abstimmungsempfehlung. Einstimmig unterstützt sie ein Ja zur Budgetabstimmung. Verschiedene Voten brachten zum Ausdruck, dass mit einem positiven Budget-Entscheid die Probleme um die Museen nicht gelöst sind, aber dass man so einen übereilt getroffenen Entscheid zu Ungunsten der Museen verhindern kann. Was in vielen Jahrzehnten mit Liebe und Engagement aufgebaut worden ist, darf nicht in Panikreaktionen zerstört werden.

Es steht ausser Zweifel, dass das kulturelle Leben im innerstädtischen Rahmen identitätsstiftend ist, die unterschiedlichsten Menschen verbindet, aber auch die Attraktivität eines Ortes gegen aussen erhöht. Olten, das ohnehin an einem Image-Problem zu leiden hat, darf, was positiv gegen aussen wirkt, nicht infrage stellen. Ruth Grossenbacher, die sich als Politikerin und engagierte Persönlichkeit auch in den Neunzigerjahren für den Wiederaufbau von Sarajevo eingesetzt hatte, erzählte vom Brand der dortigen Nationalbibliothek. Als die Bibliothek von einer serbischen Granate getroffen in Flammen aufging, hätten Bibliotheksbenutzer und Passanten unter Lebensgefahr Bücher gerettet. Offenbar braucht es mehr als etwas Steuerfussgejammer, um sich des Wertes eigener geistiger Güter bewusst zu werden ...

Die Gruppe Pro-Kultur-Olten wünscht sich einen sorgsamen Umgang mit Steuergeldern, aber distanziert sich von einem kurzsichtigen Sparwahn, der nichts anderes als einen einschneidenden Leistungsabbau bedeutet. Auch werde die Bedeutung eines tiefen Steuerfusses überschätzt; Gemeinden, die ausser einem tiefen Steuerfuss nichts Attraktives zu bieten hätten, könnten kaum Zuzüger vermelden.

Die Gruppe ist sich einig, dass – wie die Abstimmung auch immer ausgeht – viele neue Aufgaben auf sie warten. So dankbar sie der christkatholischen Kirchgemeinde für das gewährte Gastrecht ist, so gern nimmt sie das Coq-d’Or-Angebot entgegen, sich künftig dort versammeln zu können. Man will die Abende mit einer einstündigen, themenorientierten Diskussion und anschliessendem freiem Gespräch strukturieren. Die nächsten Treffen sind jeweils am Montag, 10. März und 24. März, um 19.30 Uhr (Coq d’Or, Tannwaldstrasse 48). (ki)