Er sei bisher nie aussergewöhnlich aufgefallen, hiess es seitens des kantonalen Veterinäramts, der Bauer, dessen Rinder, 15 von 25, vorletztes Wochenende im Stall tot aufgefunden wurden. Schlechtes oder mangelhaftes Futter steht bei den laufenden Ermittlungen im Vordergrund. Im Dorf gehen die Meinungen zum Halter auseinander. Knapp eine Woche später meldet sich ein Nachbarspaar, soeben von den Ferien zurückgekehrt, mit dicker Post.

Der Mailverlauf, der dieser Zeitung vorliegt, zeigt: Die Nachbarn Mike Mezei und Karin Aschwanden hatten die Behörden bereits vor zwei Jahren auf eine schlechte Tierhaltung hingewiesen. Genauer auf groben Fellausfall und Hufmissbildungen der Rinder. Im 2014 meldeten sie dies das erste Mal beim Tierschutz in Olten und beim kantonalen Veterinärdienst. Der Tierschutz entsandte eine Beauftragte, die ebenfalls feststellte, «dass etwas mit den Tieren nicht stimmt». Sie soll dann den Bauern mehrmals aufgefordert haben, den Tierarzt zu kontaktieren. Nachdem sich zwei Wochen später die Situation nicht gebessert hatte, meldete auch der Tierschutzverein zwei Mal den Fall beim kantonalen Veterinärdienst. «Wir werden umgehend die nötigen Massnahmen in die Wege leiten», war die Antwort, die das Nachbarpaar vom Amt erhalten hatte.

«Wir müssen nach zwei Aufforderungen dem Kanton melden und den Fall so übergeben», erklärt Susanne Klein, Leiterin des Tierdörfli Olten und des Tierschutzvereins Olten und Umgebung. Im Stall kontrollieren können die Tierschützer nicht, da sie sonst Hausfriedensbruch begehen. «Das ist aber Aufgabe des Kantons», sagt Susanne Klein. «Vor allem bei solch krassen Fällen sollten unserer Meinung nach die Kontrollen strenger, also alle drei bis vier Monaten, durchgeführt werden.»

Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan bestätigt die Meldungen vom 2014 seitens Tierschutz und der besorgten Nachbarn, die laut ihr nicht aussergewöhnlich schlimm gewesen ist. «Bei einem Hautpilz sieht es durch den Fellausfall schnell schlimm aus. Schlimmer als es eigentlich ist, denn er kann und muss behandelt werden, genauso wie die Klauen geschnitten werden können.» Laut Bürgi war wenige Tage nach der Meldung der Veterinärdienst vor Ort, um die Probleme zu beanstanden. Am 16. Mai 2014 seien die Mängel behoben gewesen. Der Tierarzt hatte die Tiere am 9. Mai behandelt. Der Veterinärdienst reichte zudem eine Strafanzeige ein. Das sei üblich, auch nur bei einem Klauenproblem. Der Landwirt wurde dann auch gebüsst.

Rinder selten auf der Weide

Sechs Monate später fiel den Nachbarn auf, dass die Rinder sehr selten auf der Weide waren. Sie melden dies dem Tierschutz. Dagegen könne man nichts machen, soll der Tierschutz geantwortet haben, da die Kühe im Laufstall nicht angebunden seien.
Ende Juni 2015 bemerken die Nachbarn wieder ein Klauenproblem und melden dies dem Tierschutz und dem Veterinärdienst. «Gleich am Tag darauf waren wir vor Ort», sagt Bürgi. Und sie stellten bei drei Kühen zu lange Klauen fest. «Die Sauberkeit und das Fell waren aber in Ordnung.» Es wurde wiederum Strafanzeige eingereicht. Betriebe, die auffallen, werden laut Bürgi im Einzelfall zusätzlich zu den vorgeschriebenen Kontrollfrequenzen von vier Jahren kontrolliert. Dieses Jahr wäre laut Bürgi, Ende Juni oder Anfang Juli, beim besagten Bauer eine Kontrolle vorgesehen gewesen. Knapp zu spät.

Bis 2009 noch Bio Knospe Label

Die Nachbarn Karin Aschwanden und Mike Mezei sind wütend. Ihrer Meinung nach haben die Behörden zu wenig gegen die Missstände unternommen, die sie mehrmals gemeldet haben. «Was muss noch passieren, damit dieser Tierquälerei ein Ende gesetzt wird?», schrieben sie 2014 noch in einem Mail an den Veterinärdienst und an den Tierschutz.

Aschwanden und Mezei wohnen seit über 10 Jahren in der Nachbarschaft des besagten Bauern. Bereits vor 2014 fiel ihnen auf, wie die Tiere aus der Weide entliefen, die Rinder dünn und dreckig waren. Vor sechs Jahren meldeten sie dies mündlich via Solothurner Bauernverband der Inspektionsstelle AgroControll GmbH. Recherchen zeigen: Der besagte Hof besass bis 2009 noch das Bio Knospe Label. Dann war das Label weg. Der Grund dafür will die zuständige Kontrollinstanz Bio Inspekta aus Datenschutzgründen auf Anfrage nicht sagen.