Unter dem Titel «Du nervst!» zeigten 14 Kinder von 7 bis 13 Jahren, sieben Mädchen und sieben Knaben, im Theaterstudio unter der Leitung von Käthi Vögeli und der Assistentin Manu Diemer eine Theaterproduktion, die fühl- und erkennbar machte, wie sich Auseinandersetzungen unter Kindern abspielen.

Im selbst entwickelten Stück rund um die Themen Ausgrenzung zwischen Mädchen und Knaben ging es um Freundschaften und Zwistigkeiten, um sprachliche und emotionale Begegnungen zwischen Kindern. Man nimmt den andern wohl wahr, er geht einem aber gleichzeitig auf den Nerv.

Viel Wahrheit

Viel Wahrheit steckte in diesen Bildern, in diesen Aussagen, die die Kinder mit viel Schwung und sehr guter sprachlicher Ausdrucksweise aktivierten. Auseinandersetzungen um tägliche Befindlichkeiten. Du nervst mich, also nerve ich dich auch! Du spielst mir einen Streich, ich spiele dir auch einen! Es ging nicht um die grossen Dinge, sondern um kleine Begebenheiten wie um eine Spinne im Schminktäschchen, das Einfangen in einem Netz, um das Lächerlichmachen, weil jemand den anderen in seiner Schlauheit nicht sofort erkannte, das Stossen und Schubsen, die kleinen Finessen der Macht, die in diesem Alter sicher schon ihren Stellenwert haben, aber noch nicht von viel Grobheit geprägt sind. Die Spiele um Verlierer und Gewinner beginnen schon früh. In der Schulzeit erlebt jedes Kind dies hautnah, auch die Auseinandersetzung unter Mädchen und die Konfrontation unter Knaben, die man doof findet. Aber auch andersrum: Knaben finden Mädchen und Mädchen Knaben doof.

Offenheit

Erstaunlich war, mit welcher Offenheit sich die Kinder einbrachten. Das Publikum erlebte ein Spiel um das Setzen von Grenzen, um das Abtasten, wie viel kann ich mir erlauben, wo geht es nicht mehr weiter! Die Kinder spielten mit offenen und bedeckten Karten, aber auch mit Bewegung, mit Mimik, immer so, dass das Publikum eingebunden wurde in diese besonderen Situationen, die einem so vertraut vorkamen. Erstens, weil man sie mit seinen eigenen Kindern miterlebt, zweitens, weil man sie noch in der eigenen Erinnerung gespeichert hat.

Käthi Vögeli versteht es als erfahrene Theaterfrau ausgezeichnet, Theater für Kinder erkennbar und erfühlbar zu machen. Sie weiss, wie man geschickt Regie führt und versteht es, die kleinen Theaterleute zum Spielen zu bringen. Durch ihre Tätigkeit in vielen Regiesparten, auch an anderen Theatern in der Schweiz, besitzt sie ein Flair für Nuancen, für sprachliche Markierungen und weiss, wie der Spannungsbogen aufrechterhalten werden kann.

Das Theaterstudio als Bühne schenkte den Kindern einen Raum, den sie genossen, in dem sie Theaterluft schnupperten und auf eine besondere Art in diese spannende Welt einsteigen konnten. Schön war, dass auch die jüngeren zu Worte kamen und sich den Älteren gegenüber artikulieren konnten. Auch die Ausgrenzung zwischen Mädchen und Knaben fand am Schluss der Aufführung ein versöhnliches Ende. Maxime: Wir wollen nicht Krieg, sondern ein gemeinsames Erlebnis, das uns allen gefällt!

Einmalige Chance

Für Kinder ist es eine einmalige Chance, durch solche Aufführungen in die Theaterwelt einzutauchen, sich selbst zu finden, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und darzulegen, dass Dinge, die man tut, manchmal bewusst, manchmal unbewusst, nach aussen ihre Signale senden. Ein Stück Verantwortung nahm von jedem der Spielenden Besitz und fesselte auch das Publikum, weil es einem bewusst wurde, dass schon in ganz jungen Jahren «Krieg» in irgendeiner Art unter Menschen stattfindet, und er seinen Stachel verliert, wenn man ihn erkennt.

Die zweite Aufführung findet heute Abend 12.Juni 2013 um 19.30 Uhr noch einmal im Theaterstudio statt.